Affärenserie BaFin drängt auf Ablösung von Deutsche-Bank-Justiziar

Die Finanzaufsicht BaFin fordert nach SPIEGEL-Informationen die Deutsche Bank auf, personelle Konsequenzen aus der Affärenserie zu ziehen. Der Leiter der Rechtsabteilung, Richard Walker, soll gehen. Auch im Aufsichtsrat sind Wechsel geplant.

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main: BaFin fordert Personalwechsel
DPA

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main: BaFin fordert Personalwechsel


Frankfurt am Main - Die Finanzaufsicht BaFin hat nach Informationen des SPIEGEL der Deutschen Bank Chart zeigennahe gelegt, ihren Chef-Justiziar abzulösen. Die Aufseher rieten Rechtsvorstand Stephan Leithner offenbar in einem Brief, den Leiter der Rechtsabteilung, Richard Walker, zu ersetzen. Die BaFin kann selbst nur Vorstände und Aufsichtsräte abberufen.

Walker, 62 Jahre alt, gilt als enger Vertrauter von Co-Chef Anshu Jain und sitzt im erweiterten Vorstand, dem Group Executive Committee. Der Amerikaner arbeitete bei der US-Börsenaufsicht SEC, ehe er 2001 zur Deutschen Bank in New York stieß. Er steht unter Druck, weil sich Schadensersatzklagen und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen häufen.

Die BaFin führt bei der Bank mehrere Sonderprüfungen durch - und soll Compliance-Probleme sowie organisatorische Mängel festgestellt haben. Sie will nun, dass die Rechtsabteilung von der Frankfurter Zentrale aus von einem Deutschsprachigen geleitet wird. Die Aufsicht wollte sich dazu nicht äußern.

Die Bank verweist darauf, dass die Position des deutschen Chef-Justiziars aufgewertet worden sei, Christof von Dryander, 59, ist seit Januar Vize der globalen Rechtsabteilung. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagt: "Richard Walker als Leiter der Rechtsabteilung genießt das volle Vertrauen der Deutschen Bank."

Auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner geht das Compliance-Thema an. Er will den Düsseldorfer Staranwalt Georg Thoma, 68, in den Aufsichtsrat holen. Der begleitete Achleitner mit der Kanzlei Shearman & Sterling in dessen Zeit als Deutschlandchef von Goldman Sachs bei vielen Deals. Neben Thoma sollen für Werner Wenning, Karl-Gerhard Eick und Tilman Todenhöfer zwei Angelsachsen in den Aufsichtsrat rücken, darunter eine Frau.

Laut "Süddeutscher Zeitung" soll es sich dabei um Dina Dublon handeln, frühere Finanzchefin der US-Großbank JP Morgan Chase. Die 59 Jahre alte Amerikanerin lehrt derzeit an der Elite-Universität Harvard. Das berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Umfeld der Bank.



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