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Finanzaufsicht: 15 deutsche Banken müssen Notfallpläne vorlegen

Mindestens 15 deutsche Banken müssen sich in den kommenden Monaten mit Szenarien für ihre eigene Pleite befassen. Die Finanzaufsicht hält sie für so bedeutend, dass ihr Zusammenbruch das nationale Finanzsystem gefährden würde - und verlangt von ihnen detaillierte Krisenpläne.

Skyline von Bankenviertel in Frankfurt am Main: 15 Institute "too big to fail" Zur Großansicht
dapd

Skyline von Bankenviertel in Frankfurt am Main: 15 Institute "too big to fail"

Bonn - Gerade erst hat der G-20-Finanzstabilitätsrat eine Liste der 28 gefährlichsten Banken der Welt veröffentlicht - jetzt legt die deutsche Finanzaufsicht nach: Mindestens 15 Kreditinstitute in Deutschland sind so bedeutend, dass ihr Zusammenbruch das nationale Finanzsystem gefährden würde, teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit. Bis Ende 2013 müssen diese national systemrelevanten Geldhäuser einen Sanierungsplan für eine mögliche Krise erstellen. Die Deutsche Bank gilt gar als systemrelevant für das weltweite Finanzsystem.

In den Plänen müssen die Institute detailliert beschreiben, wie sie sich aus eigener Kraft aus einer existenzbedrohenden Krise befreien würden. Die BaFin will damit verhindern, dass die Banken in einer möglichen weiteren Finanzkrise wieder in Hauruckaktionen vom Staat gerettet werden müssen - und sieht sich damit in einer Vorreiterrolle in Europa: Bisher haben nur wenige Länder genaue Regeln für derartige Sanierungspläne aufgestellt, obwohl sie prinzipiell für alle global und national systemrelevanten Banken verpflichtend sind. "Wir wollen damit Zeichen setzen", sagte BaFin-Exekutivdirektor Raimund Röseler.

Röseler stellte bereits einen Entwurf für eine entsprechende Anweisung vor. Demnach sind außer der Deutschen Bank Chart zeigen rund 15 weitere Institute betroffen. Darunter sind die Commerzbank Chart zeigen, die großen Landesbanken wie LBBW, NordLB, BayernLB und Helaba sowie die Münchner HypoVereinsbank als Tochter der italienischen Unicredit Chart zeigen. Ihnen drohen zudem höhere Kapitalanforderungen der Aufseher.

In den Szenarien, die die Banken nun ausarbeiten müssen, sollen Gegenmaßnahmen für den existenzbedrohenden Krisenfall aufgezeigt werden - etwa eine Kapitalerhöhung oder der Verkauf von Teilen des Geschäfts. In der heißen Phase der Finanzkrise hätten in den Krisentreffen diese Lösungsansätze oft gefehlt, sagte Röseler. Die Pläne von Deutscher Bank und HVB müssen zum Jahresende 2012 stehen, die anderen haben ein Jahr länger Zeit. Die Pläne müssen künftig jährlich aktualisiert werden.

In den USA hatten neun Großbanken auf Anweisung der dortigen Behörden im Juli gar noch weitergehende Notfallpläne - auch Testamente genannt - ausgearbeitet. In ihnen mussten sie darlegen, wie sie abgewickelt werden können, falls sie nicht mehr sanierbar sind. Anders als in den USA müssen die Banken in Europa diese Testamente nicht selbst entwickeln. Diese Aufgabe übernimmt hier die Finanzaufsicht.

fdi/Reuters/dpa/dapd

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insgesamt 35 Beiträge
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1. einzige Lösung ...
linus65 02.11.2012
... zerschlagen, zur Not verstaatlichen, wobei notleidende, hochspekulative Anlagen abgeschrieben werden sollten. d.h. die Investoren keinen Cent sehen würden. Bei betrügerischen Anlagemodellen (muss durch entsprechende drastischere Gesetze definiert werden) muss die Bank die Anleger bis in Höhe des Eigenkapitals haften (d.h. die Aktionäre), evtl. sogar darüber ? Banken sind nicht zum Selbstzweck da, sondern um der Realwirtschaft dienlich zu sein, ansonsten sollten sie ihre Existenzberechtigung verlieren (dazu gehört z.B. auch das Verbot von Währungsspekulationen, d.h. Devisen dürfen nur für reale Geschäfte gehandelt werden)
2. und nun?????
petsy157 02.11.2012
im anderen Thread wollten Sie es nicht glauben, dass Banken eine Staat in die Pleite bringen können, nun haben Sie es schwarz auf weiß. Diese Krisenpläne sind wichtig und bei den meisten Banken eh schon vorhanden. Die US-Testamente sind etwas überzogen.
3. Notfallpläne für ein Illusionsspiel
WBöhme 02.11.2012
Es mutet irgendwie surreal an, dass man für ein Illusionsspiel, dessen absehbaren Zusammenbruch man fürchtet, „Rettungspläne“ verlangt, dabei die Pläne ausgerechnet von denjenigen verlangt, die dieses Spiel betreiben. Der natürliche Rettungsplan beim Zusammenbruch wäre der Übergang zur Wahrheit, also die Notwendigkeit, Sätze zu sprechen, wie „wir haben nichts“, „es waren alles nur leere Versprechungen“, „wir, oder die, die uns stets versprochen haben, jemanden zu kennen, dem versprochen wurde, dasjenige bekommen zu können, was wir euch versprochen haben, ja, der, - wie wir soeben erfahren musste - hat leider auch nichts ... und hat auch leider denjenigen, von dem wir annahmen, der es besitzen würde, wohl vor langer Zeit schon aus den Augen verloren .... ..Es tut uns leid.“ „Rettungspläne“ heißt demnach, die Illusion von Reichtum muss irgendwie aufrecht erhalten werden, dass dort, wo eigentlich nichts ist, immer noch (ganz) viel ist. Rettungsplan soll also heißen, zerstörte Illusionen mit neuen Illusionen zu heilen, indem man allenfalls einräumt, dass im Höchstfall, also für den Fall, dass jemand mal genau nachzählen wolle, ein bis maximal zwei Körnchen irgendwo fehlen würden, dass aber angesichts der unermesslichen Vorräte weiterhin und künftig „genug für alle“ da wäre. Ich frage mich, mit welcher Überschrift die Geschichtsschreibung in zwanzig oder dreißig Jahren einmal unser Zeitalter der großen Buchgeldillusionen umschreiben wird. Ich denke an Überschriften „Wie die Banken und die Regierungen auf der ganzen Welt sich verschworen, um die Bürger ....“
4. absolut richtig...
wahrsager11 03.11.2012
stimme voll zu!
5. gemeinsam Steuermittel abschoepfen
konradhaderthauer 03.11.2012
Zitat von sysopdapdMindestens 15 deutsche Banken müssen sich in den kommenden Monaten mit Szenarien für ihre eigene Pleite befassen. Die Finanzaufsicht hält sie für so bedeutend, dass ihr Zusammenbruch das nationale Finanzsystem gefährden würde - und verlangt von ihnen detaillierte Notfallpläne. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bafin-stuft-mindestens-15-deutsche-banken-als-systemrelevant-ein-a-865035.html
Toll ! Endlich wieder eine fette ABM fuer unsere Grosskanzlei ! Da muessen wir ein paar unserer Nachwuchs-Anwaelte und WPs ein paar tausend Seiten dummes Gesabbere absondern lassen - und schon sind wieder 20 Mio. in der Kasse. Von der Politik angedachte Konsequenzen der heissen Luft: Keine. Ach doch: 1. Dem Burger wird erzaehlt, "diese (Schein-) Vorkehrungen beruhigen die Maerkte". Dumm nur, dass der Buerger bereits ahnt, dass es sich bei den "Maerkten" um genau die Banken handelt, die die "Plaene" erarbeiten lassen duerfen. 2. Da werden in Groessenordnungen (Partei-) Spendengelder generiert.
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