"Unkalkulierbares Verlustrisiko" BaFin verbietet Finanzprodukte mit Hebelwirkung

Die deutsche Finanzaufsicht zieht erstmals eine ganze Gruppe riskanter Finanzprodukte aus dem Verkehr: Banken dürfen Privatkunden bestimmte CFDs nicht mehr anbieten.

Bankenviertel in Frankfurt am Main
DPA

Bankenviertel in Frankfurt am Main


Die deutsche Finanzaufsicht Bafin verbietet den Verkauf besonders riskanter Finanzprodukte an private Anleger. Sogenannte Differenzgeschäfte (CFDs) mit einer Nachschusspflicht dürften ihnen künftig nicht mehr angeboten werden, teilte die Behörde mit.

Die Papiere hätten für Privatkunden ein "unkalkulierbares Verlustrisiko", sagte die Chefin der Wertpapieraufsicht der BaFin, Elisabeth Roegele. Entsprechende Pläne hatte die Finanzaufsicht bereits im Dezember angekündigt. Anbieter der Papiere haben nun drei Monate Zeit, auf das Verbot zu reagieren.

Mit CFDs können Anleger auf die Kursentwicklungen etwa von Aktien oder Rohstoffen spekulieren. Verglichen mit Direktinvestments ist der Kapitaleinsatz gering, da die Papiere nur die Kursänderungen abbilden. Bei einer positiven Abweichung erhält der Anleger den Differenzbetrag, bei einer negativen muss er diesen ausgleichen. Bei CFDs mit Nachschusspflicht wetten Anleger nicht nur mit ihrem eingesetzten Geld, sondern müssen Geld nachschießen, wenn die auszugleichende Differenz den Kapitaleinsatz übersteigt. Sie können schlimmstenfalls ein Vielfaches ihres Geldes verlieren.

CFDs waren 2015 in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, als die Schweiz die Bindung des Franken an den Euro überraschend aufgab. Der Euro brach daraufhin gegenüber dem Franken ein - und auf viele CFD-Investoren kamen hohe Nachschusspflichten zu. Bei Verbraucherschützern gingen in der Folge zahlreiche Beschwerden ein.

Es ist das erste Mal, dass die BaFin mit dem Verbot einer ganzen Gruppe von Finanzprodukten Ernst macht. Die Behörde nutzt dazu ihre neuen Kompetenzen für den Verbraucherschutz.

man/Reuters/dpa



insgesamt 64 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kraus.roland 08.05.2017
1. Das war höchste Zeit!
Das Zeug birgt keineswegs nur "unkalkulierbare Risiken", sondern durchaus kalkulierte Verlustwahrscheinlichkeiten. Die Emittenten schaffen sich einen Markt, den sie nahezu unbehelligt manipulieren können.
trackingerror 08.05.2017
2.
Naja, wer sich nicht die Mühe macht, sich genauer zu informieren wie Futures funktionieren, ist in Stück weit selbst schuld. Auf der anderen Seite erklären die meisten Portale deren Funktionsweise auch ziemlich mies.
spmc-12355639674612 08.05.2017
3. Na endlich!
höchste Zeit, dass solche Produkte, die direkt in die Privatinsolvenzführen können, für Privatanleger nicht mehr zu haben sind.
iffelsine 08.05.2017
4. Wer zocken will, soll das tun und sich nicht anschließend
über die Verbraucherschutzorganisationen sein Geld wiederholen ! Schließlich gibt er ja von seinen möglichen Gewinnen auch lediglich nur 25 % KESt an den Staat und den Rest spendet er nicht. DIe, die wissen, wie CFDs funktionieren, handeln ohnehin über ausländische Online-Broker und wenn der Brexit gelaufen ist, reicht ja schon der sichere Hafen London. Da schlägt dann das Zocker-Herz auch ohne KESt !
biesi61 08.05.2017
5. Wieder wird ein Stück Freiheit der Vollkasko-Mentalität geopfert!
Wer sich vor der Investition vernünftig informierte und überlegt handelte, musste auch bei diesen Produkten niemals nachschießen. Die Dummheit einiger weniger nimmt so vielen anderen eine sehr effektive Anlagechance! Eine ganz traurige Entwicklung!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.