Milliardenauftrag in Russland Bahn-Chef plant angeblich heikle Gespräche in Paris

Will Bahn-Chef Grube einen Milliardenauftrag in Russland an Land ziehen? Trotz der Krim-Krise will er die Kontakte nach Moskau pflegen, doch laut "Handelsblatt" verhandelt er mit den russischen Kollegen lieber in Paris. Der Konzern dementierte den Bericht.

Rüdiger Grube in Berlin (Archiv): Bahnstrecke Moskau-Kasan seit langem geplant
REUTERS

Rüdiger Grube in Berlin (Archiv): Bahnstrecke Moskau-Kasan seit langem geplant


Hamburg/Paris - Die politische Situation für Geschäfte mit Russland ist hochsensibel. Die Lage in der Ostukraine spitzt sich zu, die USA und die EU drohen der Regierung in Moskau mit neuen Sanktionen. Laut "Handelsblatt" will sich Bahn-Chef offenbar dennoch einen lukrativen Auftrag sichern: Der Zeitung zufolge spricht er mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Jakunin aber lieber in Paris als in Moskau.

Grube verhandelt dem Bericht zufolge bereits seit einiger Zeit mit der russischen Staatsbahn RZD über den Bau einer Bahnstrecke von Moskau in die fast 800 Kilometer entfernte Stadt Kasan, das Projekt soll zur Fußball-WM 2018 fertig sein. Jetzt wolle Grube bei RZD-Chef Jakunin dafür werben, dass ein deutsches Konsortium aus Siemens, Deutscher Bank, Deutscher Bahn und weiteren Eisenbahnfirmen den Zuschlag für den Auftrag erhält - Baukosten: mehr als 20 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bahn dementierte den Bericht teilweise. Ein Sprecher des Konzerns erklärte, Grube reise am Dienstag zwar nach Paris - allerdings planmäßig, weil dort die Generalversammlung des Weltverbands der Eisenbahngesellschaften (UIC) stattfinde. Der Präsident der Russischen Eisenbahnen (RZD) Jakunin sei der Präsident des Verbandes. Dass es in Paris Gespräche über die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke Moskau-Kasan geben werde, sei hingegen "schlichtweg falsch".

Das "Handelsblatt" hatte berichtet, der Vorstandschef der Deutschen Bahn werde zwar nicht, wie ursprünglich geplant, in dieser Woche zu Jakunin nach Moskau fahren - stattdessen solle es Verhandlungen mit Jakunin und dem Chef der französischen Bahn SNCF, Guillaume Pepy in Paris geben.

Schwieriger Spagat

Grube muss derzeit den schwierigen Spagat zwischen politischem Druck und der Aufrechterhaltung der Geschäftsbeziehungen mit seinen russischen Kollegen leisten."Über Jahrzehnte sind diese Partnerschaften mit viel Energie und Kraft aufgebaut worden", hatte der Bahn-Chef mit Blick auf seine zuvor geplante Moskau-Reise gesagt, "so etwas ist aber schnell zerstört".

Wie heikel Geschäftsbeziehungen mit Russland derzeit sind, zeigte der Fall des Siemens-Chefs Joe Kaeser, der vor rund zwei Wochen in Moskau weilte. "Wenn der Siemens-Chef das Vorgehen Putins auf der Krim als 'kurzfristige Turbulenz' bewertet und die Wertegemeinschaft mit Putin beteuert, ist das peinlich und unverantwortlich", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU). Er warf Kaeser vor, damit die deutschen Interessen zu unterlaufen. Solche Vorwürfe will Grube anscheinend vermeiden.

Bemerkenswert: Die Deutsche Bahn gehört zu 100 Prozent dem deutschen Staat. Und laut "Handelsblatt" wünscht sich Angela Merkel, dass "der Kontakt zwischen Deutschland und Russland nicht abreißt". Gespräche mit Wirtschaftsvertretern aus Moskau sollten aber diskret geführt werden, so der Wunsch der Kanzlerin. So gesehen hätte Grube für Handelsbeziehungen mit Russland den Segen der Kanzlerin.

bos

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insgesamt 26 Beiträge
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Zaphod 14.04.2014
1. Gute Reise
Da anzunehmen ist, dass Russland nun nicht für alle Ewigkeiten isoliert ist, ist die Entscheidung der Bahn zur weiteren Kooperation nur sinnvoll. Durch wirtschaftliche Zusammenarbeit können die Trümmer, die die Politik hinterlassen hat, vielleicht etwas beseitigt werden. Es wäre auch vollkommen irrsinnig, wenn die deutsche Wirtschaft Opfer zu Gunsten der Ukrainer bringen müsste. Würden denn die Ukrainer irgendetwas für Deutschland tun, wenn es notwendig wäre?
koves 14.04.2014
2. PR-Kampagne
Vermutlich sucht die DB nur nach einem noch unzuverlässigeren Geschäftspartner um dann sagen zu können: "Schaut mal alle her, wie zuverlässig wir sind"! Wo sollte sie den Partner finden, wenn nicht in Russland. Das ist doch mal eine gute PR-Kampagne!
hannac. 14.04.2014
3. wer soll es sonst machen?
Wenn es die Deutsche Bahn nicht macht, wird eben ein anderer machen. Mann dürfte gespannt sein wer. Aber soweit wird man es nicht kommen lassen. Bei solchen Geschäften darf man nichts anbrennen lassen.
women_1900 14.04.2014
4.
Die Devise "Wandel durch Handel" gabs dereinst einmal und war in meinen Augen auch gut, da absolut friedlich. Ist halt heute in der DDR 2.0 leider nicht mehr opportun. Insbesondere, da unsere Regierung entdeckt hat, wie leicht die Menschen geplündert werden können durch EEG Umlagen etc.
andy-cc 14.04.2014
5. 2018
Zitat von sysopREUTERSBahn-Chef Grube will offenbar einen Milliardenauftrag in Russland an Land ziehen. Eine Reise nach Moskau sagte der Top-Manager zwar ab, doch laut "Handelsblatt" arrangiert er nun ein heimliches Treffen in Paris. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bahn-chef-ruediger-grube-verhandelt-mit-russland-geheim-in-paris-a-964213.html
Ganz abgesehen von der politischen Brisanz, sollten sich die Russen lieber jemand anderes suchen um sicher zu gehen, dass der Bau bis 2018 überhaupt eine Chance hat fertig zu werden.
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