Personalpolitik Bahn-Managerin sucht Führungskräfte mit "Angststörungen"

Menschen mit Angststörungen sind besonders für Finanzjobs geeignet. Das zumindest glaubt eine Personalmanagerin der Bahn. Sie erklärte nach SPIEGEL-Informationen auf einer Konferenz, dass sie "gerne Zwanghafte" einstelle.

ICE in Frankfurt: "Gerne mit einer schönen Angststörung"
DPA

ICE in Frankfurt: "Gerne mit einer schönen Angststörung"


Eine Top-Personalmanagerin der Deutsche Bahn AG sucht offenbar gezielt Führungskräfte mit psychischen Störungen. Auf der Schulungskonferenz einer Schweizer Unternehmensberatung erklärte Ursula Schütze-Kreilkamp, seit zwei Jahren bei dem Staatskonzern für die Rekrutierung von Managern verantwortlich, dass sie für die Bereiche Finanzen, Controlling und Compliance "gerne Zwanghafte" einstelle, "gerne mit einer schönen Angststörung". (Diese Meldung lesen Sie auch hier im neuen SPIEGEL.)

Diese Mitarbeiter, sagte sie lässig, seien "super pedantisch" und könnten "dann die ganze Nacht nicht schlafen, weil die Zahlen nicht stimmen". Wenn diese Zwangscharaktere sich auch noch an ethische Grundsätze hielten, dann, so verriet die DB-Personalerin ihren Zuhörern, "sind Sie King Louie. Sie haben immer tolle Budgets und es gibt wenig Ärger".

Nur die Risikobetrachtung künftiger Geschäftszweige dürfte man angstgestörten Managern nicht allein überlassen: "Da müssen Sie einen Risikofreudigen haben und den eng an den Zwanghaften anbinden. Dann klappt das."

Ein Bahnsprecher erklärt auf Anfrage, es gebe "kein derartiges Rekrutierungskonzept bei der Deutschen Bahn". Schütze-Kreilkamp sagt, sie habe nicht in ihrer Funktion als Bahn-Personalmanagerin auf der Konferenz gesprochen. Ihre Ausführungen "zu diesem Typus" seien "rein deskriptiv und nicht wertend" gewesen. "Mit der Deutschen Bahn hat das nichts zu tun."

Unmittelbar nach der SPIEGEL-Anfrage bei der Bahn verschwand am vorigen Freitagnachmittag das Video aus dem Internet, das die entsprechenden Passagen dokumentierte.



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insgesamt 66 Beiträge
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ede-wolff 14.12.2014
1. Lieschen Müller als Quotenfrau
Sowas kommt dabei raus, wenn man Topmanagement-Posten nach Geschlecht vergibt: Lieschen Müller wird Quotenfrau! Verwechselt Angststörung und Zwangsstörung, verwechselt zwanghafte Persönlichkeit und Zwangsstörung, außerdem hat die gute (?) Frau sicher noch nie einen Finanz- oder Controllingbereich geleitet, aber macht alles nichts! Gottseidank reicht es nicht, keine Ideen zu haben, man muss auch unfähig sein sie umzusetzen. Da kann man wirklich nur hoffen, dass ihre Mitarbeiter sie rechtzeitig und sicher an die fachliche Leine legen!
histei-ikania 14.12.2014
2. Korrektheit!
Liebe Frau Schütz-Kreikkamp, vergessen Sie mal für einen Moment „Finanzen“ und „Controlling“ und konzentrieren Sie sich ganz auf „Compliance“. Sensibilisieren Sie sich mit einer deutschen Vokabel dafür, worum es dabei eigentlich geht: „Korrektheit“! …. OK, fertig? Sehr gut: JETZT sind Sie mit Ihrer zynischen Bemerkung da, wo Sie hinsollen, quasi auf dem Königsweg!! Dann wird nämlich ganz oben bei der DB dafür Politik gemacht, daß die Bahn mit Ihren Kunden KORREKT umgeht, d.h.: Kunden fühlen sich ernstgenommen und haben keine Angst, bei jeder sich bietenden Möglichkeit um ein paar weitere Euros gebracht zu werden oder daß ihre Anliegen in den „Hotlines“ versanden. Dann wird nämlich ganz oben bei der DB dafür Politik gemacht, daß Fahrpläne nicht „auf Kante genäht“ werden, sondern dem Primat der Machbarkeit unterliegen. Und dann würden Bahnkunden bei Verspätungen vielleicht sogar sagen: „Was soll’s, sie haben’s versucht, mehr kann man nicht verlangen!“
hayakyu-ou 14.12.2014
3. Von wegen Lieschen Müller
Wer glaubt, dass nur diese Bahn-Personalerin mit, für Außenstehende merkwürdigen Rekrutierungsparametern arbeitet, lebt im Arbeitnehmer-Wunderland. Psychologie, Soziologie, Verhaltensforschung usw. werden schon lange herangezogen, um Anforderungsprofile und Rekrutierungsprofile abzugleichen. Gerade bei hochdotierten Posten will man sich heute keine Fehlgriffe mehr leisten. Allein, dass die Dame offen darüber gesprochen hat wäre ihr vorzuwerfen. Obwohl sie eigentlich nur ein offenes 'Geheimnis' 'öffentlich' gemacht hat. Dass das ganze 'Profiling' trotzdem keine Garantie für beste Mitarbeiter ist, kann man fast täglich im Wirtschaftsteil der Tageszeitungen lesen.
bumminrum 14.12.2014
4. genauso
funktioniert Personalmanagement. Wir suche gestörte Typen für Führungspositionen ohne Sachkenntnis. Herzlichen Glückwunsch an die Bahn, die sind schon weiter und kommunizieren die Strategie öffentlich.
towo1960 14.12.2014
5. Chefs mit Angststörungen...
Das ist nichts Neues-ca.gut 75% des Führungspersonales das ich in meiner beruflichen Laufbahn kennenlernen dufte hatten definitiv eine Zwangsneurose,eine Angststörung oder hatten ähnliches neurotisches Verhalten gezeigt,so das ein fachliches und/oder personliches Zusammenarbeiten völlig ausgeschlossen war.Diese Erfahrungen habe ich nicht nur in Deutschland gemacht sondern auch auf dem ausländischem Arbeitsmarkt beobachten können. Man sollte aber diesen Sachverhalt nicht allzu sehr dramatisieren,denn der Druck dem die sogenannte Leitungsebene ausgesetzt ist ist, hausgemacht, entweder durch generelle Fehlentscheidungen oder systematisches Dilletantentum.
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