Zu mächtig Monopolkommission fordert Zerschlagung der Bahn

Zu viel Macht, zu wenig Konkurrenz: Die Monopolkommission bemängelt die Vormachtstellung der Deutschen Bahn auf der Schiene. Die Wettbewerbshüter schlagen eine Entflechtung und die Privatisierung einzelner Sparten vor.

Züge der Deutschen Bahn in Köln: Erhebliche Wettbewerbsdefizite
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Züge der Deutschen Bahn in Köln: Erhebliche Wettbewerbsdefizite


Mehr als 20 Jahre nach der Bahnreform bemängelt die Monopolkommission fehlenden Wettbewerb im deutschen Schienenverkehr. In einem Sondergutachten kritisieren die Wettbewerbsexperten, dass die Deutsche Bahn weiterhin den Großteil der Schiene kontrolliere. Netz- und Transportsparte sollen erneut getrennt und das Logistik- und Schienengüter-Geschäft privatisiert werden, fordert das Gremium.

Damit bliebe letztlich der Personenverkehr weiter in der Hand der bundeseigenen Bahn, das Schienennetz befände sich dagegen in Staatsbesitz. Die Vorschläge der Monopolkommission, die schon seit längerem Defizite im Wettbewerb kritisiert, stehen im Gegensatz zu den Plänen von Bahn-Chef Rüdiger Grube, der im Zuge eines Konzernumbaus eine engere Verflechtung einzelner Bereiche anstrebt.

Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratergremium, das die Bundesregierung und den Gesetzgeber in Sachen Wettbewerbspolitik und -recht sowie Regulierung berät. In dem an die Bundesregierung überreichten Gutachten "Bahn 2015: Wettbewerbspolitik aus der Spur?" heißt es unter anderem, nur mit einer vollständigen Trennung von Infrastruktur- und Transportsparten des integrierten Konzerns Deutsche Bahn könne sich "wirksamer und unverfälschter Wettbewerb im Eisenbahnsektor entwickeln".

In einem ersten Schritt schlägt die Kommission vor, die weltweit tätigen Transport- und Logistikdienstleister DB Schenker Logistics und DB Schenker Rail durch Privatisierung auszugliedern. "Von einem funktionierenden Wettbewerb würde die Mehrzahl der Bürger profitieren", sagt Daniel Zimmer, Vorsitzender der Monopolkommission, und Direktor des Instituts für Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Bonn.

kpa/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 186 Beiträge
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WeEmm2010 22.07.2015
1. Privatisierung
Die Monopolkommission vermisst den Wettbewerb auf der Schiene ? Die Lösung wäre Privatisierung ? Pofalla ick hör dir trapsen.
happy2010 22.07.2015
2.
Am besten für ein Trinkgeld verkaufen, den Profit machen dann Privatkonzerne Siehe zum Bsp Aurelis, von der Bahn nahezu verschenkt, heute Multimilliarden wert
infoseek 22.07.2015
3. Richtig.
Infrastruktur Schiene staatlich (weil es da keinen Wettbewerb gibt und geben kann). Fahrzeuge privatisieren. Aber bitte so, dass es keine regionalen und Strecken-Monopole gibt, sondern im Rahmen der Streckenkapazitäten jeder überall fahren darf - wenn schon Wettbewerb, dann richtig.
Mehrleser 22.07.2015
4.
Die Privatisierung von Infrastruktur wird nicht dazu beitragen, die vorhandenen Defizite flächendeckend zu beheben. Gerade der zum Glück abgeblasene Börsengang der Bahn AG hat unter Mehdorn zur Vernachlässigung von Wartung und Pflege geführt.
auweia 22.07.2015
5. Wird Zeit
Wenn das Schienennetz bei der Bahn bleibt, droht permanent die Unterfinanzierung aufgrund der Gewinnerwartung. Gleichzeitig ist die Bahn Spieler und Schiedsrichter in einer Person und kann unliebsame Konkurrenten durch Nichtzuteilung von Strecken oder überteuert Raten fern- bzw. kleinhalten. Ich bin sehr für eine Aufteilung. Netze gehören "allen".
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