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Arbeitssicherheit: Bahn soll das Leben von Arbeitern riskiert haben

Die Deutsche Bahn soll aus Kostengründen jahrelang die Vorsorge für die Sicherheit vernachlässigt haben. Einem Bericht des "SZ-Magazins" zufolge hätte der Tod mehrerer Mitarbeiter externer Dienstleister verhindert werden können.

Ein Reparaturzug der Bahn: Gefährliche Arbeit in der Nähe der Oberleitung Zur Großansicht
DPA

Ein Reparaturzug der Bahn: Gefährliche Arbeit in der Nähe der Oberleitung

München - Die Arbeit in der Nähe der Oberleitungen der Deutschen Bahn ist lebensgefährlich. Doch wie man sich schützen kann und welche Regeln für die eigene Sicherheit zu beachten sind, ist offensichtlich nicht allen Firmen klar, die Serviceleistungen auf den Bahnsteigen oder am Rande der Bahnstrecken erbringen. Allein zwischen 2008 und 2012 starben mindestens sieben Arbeiter solcher Fremdfirmen bei Stromunfällen.

Nach Informationen des Magazins der "Süddeutschen Zeitung" hat die Bahn das Problem gekannt, aber jahrelang unzureichend darauf reagiert - und damit den Tod mehrerer Menschen in Kauf genommen. Mitarbeiter des Konzerns hätten wiederholt vor den Gefahren gewarnt und strengere Regeln gefordert, berichtet das Magazin. Interne Mails und Dokumente, die dies belegten, lägen dem Blatt vor.

Bahn-Sprecher widerspricht

In etlichen Fällen seien die Sicherheitsvorkehrungen offenbar mangelhaft gewesen - auch nach Einschätzung von Führungskräften der Bahn, wie aus internen Vermerken hervorgehe. Ein detailliertes Regelwerk, in der gebündelt festgeschrieben worden sei, wie die Arbeiter geschützt werden sollten, sei von einer ranghohen Führungskraft mit dem Hinweis gestoppt worden, es müsse unbedingt eine "unternehmerische Bewertung folgen".

Die Deutsche Bahn weist die Vorwürfe gegenüber SPIEGEL ONLINE zurück. "Sicherheit ist bei der Deutschen Bahn oberstes Gebot, dem hat sich alles unterzuordnen", betont der zuständige Unternehmenssprecher Martin Walden. Die Sicherheitsvorschriften unterlägen einem fortdauernden Prozess der Überprüfung und würden neu formuliert, wenn es sich als erforderlich herausstelle.

Der geschilderte Fall sei Gegenstand eines staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens gewesen, das schließlich eingestellt worden sei, sagte Walden. "Die ordnungsgemäße Einstellung des Verfahrens wurde zwischenzeitlich auf die Beschwerde der Betroffenen hin auch von der Generalstaatsanwaltschaft Celle bestätigt."

Kostennachteile befürchtet

Allerdings erscheinen die Abläufe zur Weiterentwicklung der Sicherheitsrichtlinien keineswegs wie ein konstruktiver Prozess, wenn man den Bericht des "SZ-Magazins" in Rechnung stellt. Der Widerstand gegen die Arbeitsanweisung sei von den verschiedensten Seiten gekommen, heißt es dort. In einer Mail seien etwa "finanzielle Nachteile für unser Unternehmen" befürchtet worden, wenn die Mindestabstände über die gewohnten Schutzabstände hinausgingen. Außerdem kämen durch die geforderte Sicherheitsüberwachung von Fremdarbeitern "Mehrkosten von über zwei Millionen Euro" pro Jahr zusammen; für die "neu zu erstellenden Sicherheitspläne" wiederum müsste eine sechsstellige Summe aufgebracht werden. Dieses Geld sei "in keiner Weise" eingeplant.

Nach SZ-Informationen wurde die fertiggestellte Arbeitsanweisung nicht wie geplant zum 1. Mai 2012 in Kraft gesetzt, sondern erst - und dann unverändert - nach dem Tod zweier Arbeiter im Juli 2012.

Ein Beamter, der nach dem Tod der beiden Arbeiter auf die Problematik hinwies, wurde seiner Aufgaben enthoben. Zuvor habe er unter anderem den Vorstand der DB Netz AG auf die Gefahren angesprochen, später auch Bahnchef Rüdiger Grube darüber informiert.

mik

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