Streik abgewendet Deutsche Bahn und EVG einigen sich auf Tarifvertrag

Die Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) haben ihren Tarifkonflikt nach fast einjährigem Ringen beigelegt. Man habe ein Ergebnis, erklärte die EVG am Mittwoch in Berlin.

EVG-Mitglieder bei einer Kundgebung: Lange Verhandlungen
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EVG-Mitglieder bei einer Kundgebung: Lange Verhandlungen


Zwischen der Deutschen Bahn und der Eisenbahngewerkschaft EVG gibt es einen neuen Tarifvertrag: Die Mitarbeiter sollen über alle Sparten hinweg ab Juli 3,5 Prozent mehr Lohn bekommen, mindestens aber 80 Euro. Von Mai 2016 an kommen weitere 1,6 Prozent hinzu, mindestens aber 40 Euro. Die Laufzeit des Tarifvertrages endet demnach am 30. September 2016. Zusätzlich zu den bereits während der Verhandlungen von der Bahn gezahlten 750 Euro folgt eine weitere Zahlung von 350 Euro. Insgesamt summiert sich die Lohnerhöhung auf 5,1 Prozent.

Für die bei der EVG organisierten Lokführer wurde ebenfalls ein Tarifvertrag abgeschlossen. Dessen Regelungen entsprechen dem, was bislang schon für die GDL-Lokführer galt. Bis Juni 2014 hatte allein die GDL das Verhandlungsmandat für die Lokführer inne.

EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba zeigte sich nach dem Tarifabschluss zufrieden. Demnach gebe es keine Unterscheidung zwischen einzelnen Berufsgruppen - "für alle das gleiche Ergebnis". Nun seien die Lokführer, "die bei uns Mitgliedsbeiträge bezahlen, auch wieder in unserem Tarifvertrag verankert".

Ursprünglich hatte die EVG sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro gefordert. Die Bahn hatte nach Gewerkschaftsangaben zuletzt 3,4 Prozent und 1,5 Prozent mehr Geld in zwei Schritten bei einer Laufzeit von 28 Monaten geboten. Personalvorstand Ulrich Weber sagte: "Wir sind an die Grenze dessen gegangen, was unsere Geschäfte hergeben. Damit erkennen wir die gute Leistung unserer Mitarbeiter an."

Keine Revisionsklausel

Rusch-Ziemba ergänzte, es gebe keine Revisionsklausel für den Fall, dass die GDL später andere Tarifergebnisse für die gleichen Berufsgruppen erzielen sollte. Laut EVG-Sprecher Uwe Reitz hat die Bahn aber zugesagt, dass es kollisionsfreie Tarifverträge im Unternehmen geben werde, und ein Sonderkündigungsrecht zugesichert, sollten sich trotzdem Widersprüche ergeben.

Die GDL will in ihrem Schlichtungsverfahren eigenständige Tarifverträge für Berufsgruppen des Zugpersonals durchsetzen, die bislang allein von der EVG vertreten wurden. Schlichter sind der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Brandenburgs Ex-Regierungschef Matthias Platzeck (SPD).

"Das wird ein steiniger Weg, aber ich bin zuversichtlich, dass die Schlichtung Erfolg haben wird", sagte Ramelow der "Rheinischen Post". "Sämtliche Probleme sind lösbar." Der frühere Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte im ARD-"Morgenmagazin": "Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Schlichtung relativ rasch gelingen wird."

Die Gefahr von Streiks bei der Bahn für die nächsten Wochen ist jedoch erst einmal gebannt. Während der Schlichtungsverhandlungen herrscht Friedenspflicht.

mik/dpa/Reuters



insgesamt 52 Beiträge
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zitrone73 27.05.2015
1. So das kann die GdL jetzt übernehmen
dann kann sie das neue Tarifeinheitsgesetz schon mal üben. :-)
stanislas 27.05.2015
2. Sonderkündigungsrecht für alle
wenn die GDL sich auch das gleiche Recht erstreitet, falls die EVG in einer Nachverhandlung nachtarieren konnte, startet vermutlich eine Endlosschleife. Das sind rosige Aussichten...
sogehtdasnicht 27.05.2015
3. Sonderkündigungsrecht
Also glaubt die EVG nicht daran, dass ihr Verhandlungsergebnis bereits das bestmögliche war? Sitzen dann bei der Schlichtung mit der GDL immer die Gespenster der EVG mit am Tisch? Ist doch schön, wenn man andere Sündenböcke hat, die sich den Zorn der Öffentlichkeit zuziehen und man sich dann billig dranhängen kann... Ich hoffe, der EVG laufen mal bald die Mitglieder weg.
99luftballons 27.05.2015
4. Fordern seit nem Jahr %
Sind aber mit 3.6 plus 1.6 zufrieden. Wieso nicht rueckwirkend, wieso keine richtigen streiks fuer 6%? Wer verkaspert hier wen? Nun weiss auch ein jeder, womit die quasi Abschaffung der GLD bezahlt wird!
garfield 27.05.2015
5.
[/QUOTE=sysop]Für den Fall, dass GDL-Chef Claus Weselsky doch mehr herausholt, forderte die EVG jedoch ein Sonderkündigungsrecht für ihre Tarifverträge.[/QUOTE] Ja, hat sie es denn bekommen? DAS wäre doch wohl die interessantere Information. Der Tarifvertrag steht doch, oder?
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