Ausstand bei der Bahn GDL streikt ab Dienstag - Ende offen

Die Lokführergewerkschaft GDL streikt ab Dienstag im Güterverkehr, ab Mittwoch auch im Personenverkehr. Das Streikende bleibt zunächst offen. Der Ausstand soll laut GDL-Chef Weselsky "etwas länger" dauern als der letzte - und trifft damit die Pfingsttage.

GDL-Mitglieder am Berliner Hauptbahnhof: Rekordstreik
REUTERS

GDL-Mitglieder am Berliner Hauptbahnhof: Rekordstreik


Bahnreisende müssen sich wieder auf Zugausfälle einstellen: Der nächste Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn beginnt schon an diesem Dienstag im Güterverkehr. Die Personenzüge sollen von Mittwochmorgen an bestreikt werden, teilte die Gewerkschaft GDL mit. Ein Streikende wollte die GDL zunächst nicht mitteilen.

Am Dienstag um 15 Uhr legen die Lokführer im Güterverkehr die Arbeit nieder. Um 2 Uhr in der Nacht zum Mittwoch beginnt der Streik im Personenverkehr.

Das angeblich bereits feststehende Streikende will die Gewerkschaft erst 48 Stunden vorher nennen, teilte die GDL weiter mit. Ein unbefristeter Streik sei das aber nicht, sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Der Ausstand in dem Tarifstreit werde "etwas länger" dauern als der jüngste, der sechs Tage gedauert hatte, erklärte Weselsky. Damit müssen Bahnreisende auch am Pfingstwochenende mit Zugausfällen rechnen.

Erst vor gut einer Woche hatte die GDL ihren bislang längsten Streik in der 21-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn AG beendet, der Millionen Reisende traf und die Wirtschaft nach Schätzung von Experten mehrere Hundert Millionen Euro kostete. Der Versuch einer Annäherung beider Seiten war am Wochenende gescheitert. Vertrauliche Gespräche wurden am Samstagabend beendet und nicht wie geplant am Sonntag fortgesetzt. Die Tarifparteien weisen sich dafür gegenseitig die Schuld zu.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Martin Burkert, zeigte sich besorgt über die neue Streikankündigung der Lokführer. "Ich befürchte massive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und mögliche Kurzarbeit", sagte der SPD-Politiker laut Nachrichtenagentur dpa. Burkert forderte die Lokführergewerkschaft GDL auf, "endlich die Möglichkeit der Schlichtung wahrzunehmen".

Am Freitag könnte die Tarifeinheit beschlossen werden

Knackpunkt des rund einjährigen Konflikts ist, dass die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bisher die Tarifverträge für die rund 3000 Lokrangierführer abgeschlossen hat. Die GDL verlangt für ihre Mitglieder in dieser und anderen Berufsgruppen des Zugpersonals aber eigene Tarifverträge. Die Bahn will unterschiedliche Tarifverträge für ein und dieselbe Berufsgruppe hingegen vermeiden. Die GDL strebt zunächst eine Einigung über die künftige Tarifstruktur an und will erst danach in einer Schlichtung über Geld, Arbeitszeit und Überstundenbegrenzung sprechen.

Die GDL wirft der Bahn zudem vor, die Verhandlungen zu verzögern und auf das Tarifeinheitsgesetz der Regierung zu warten. Es soll am Freitag im Bundestag abschließend beraten und beschlossen werden. Inkrafttreten würde das Gesetz dann voraussichtlich Anfang Juli.

Mehrere Gewerkschaften - darunter der DBB, sein Mitglied GDL und der Marburger Bund - wollen allerdings vor das Verfassungsgericht nach Karlsruhe ziehen, falls das Gesetz kommt. Ihrer Ansicht nach käme es einem Streikverbot gleich. Unterstützung bekommen sie von der Opposition. Auch sie hält die Regierungspläne zur Tarifeinheit für verfassungswidrig.

Die bisherigen Streiks der GDL im Bahn-Tarifstreit
  • DPA
    2015
    6. Streik vom 4. bis 10. Mai: bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr
    5. Streik vom 21. bis 23. April: 43 Stunden im Personenverkehr und 66 Stunden im Güterverkehr

    2014
    4. Streik vom 6. bis 8. November: 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr
    3. Streik vom 17. bis 20. Oktober: 50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr
    2. Streik am 15./16. Oktober: 14 Stunden im Personen- und Güterverkehr
    1. Streik nach Urabstimmung am 7./8. Oktober: 9 Stunden im Personen- und Güterverkehr
    2. Warnstreik am 6. September: 3 Stunden im Personen- und Güterverkehr
    1. Warnstreik am 1. September: 3 Stunden im Personen- und Güterverkehr

bos/AFP/dpa



insgesamt 528 Beiträge
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Seite 1
b.koepke 18.05.2015
1. Endlich!
Haltet durch!
julius.ott 18.05.2015
2. Weselsky gibt jetzt Alles!
Wen wundert es, dass dieser Machtbessene Egoman das Hamsterrad immer schneller dreht?!
Freddy2009 18.05.2015
3. Mann, Mann,Mann
Ich kanns nicht mehr hören. soll doch die Bahn alle Tickets um 15Cent erhöhen. 5Cent bekommt der Arbeitgeber für die mehrkosten und als Beruhigungspille und 10Cent die Lokführer. Das sind bei 1.9 Mrd Reisende 190Millionen Euro im Jahr für die Lokführer.Das wird wohl dann für die nächsten 5 Jahre halten.
seelion 18.05.2015
4. Letzte Symphatie verspielt ..
... hat die GDL für mich damit und ich hoffe dass die Arbeitgebervertreter sich nicht erpressen lassen.
tausend 18.05.2015
5. Ungeheuerlich ...
… was die sogenannten Tarifpartner sich leisten! Es wird der Allgemeinheit ein immenser Schaden zugefügt. Da in unserem Staat das Allgemeininteresse vor dem Interesse einzelner Gruppen liegt (liegen sollte), müssten Zwangsmittel zur Einigung eingesetzt werden können und/oder ernsthafte Politiker würden auf den Tisch hauen und Tacheles reden.
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