Tarifstreit Beamtenbund droht Bahn mit "schlimmstem Arbeitskampf"

Sollte die Bahn der Gewerkschaft der Lokführer nicht in den nächsten Tagen im Tarifstreit entgegenkommen, drohe "einer der schlimmsten Arbeitskämpfe aller Zeiten", droht der Beamtenbund. Die Dachorganisation werde die GDL finanziell unterstützen.

Düstere Aussichten: Nun droht auch der Beamtenbund mit massiven Streiks
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Düstere Aussichten: Nun droht auch der Beamtenbund mit massiven Streiks


München - Im Tarifstreik der Lokführer stärkt der Beamtenbund der Lokführergewerkschaft GDL den Rücken - und droht der Deutschen Bahn mit "einem der schlimmsten Arbeitskämpfe aller Zeiten". Der Konzern solle der GDL bis zum 17. Dezember ein Angebot "ohne Vorbedingungen" unterbreiten, verlangte der zweite Vorsitzende des Beamtenbunds, Willi Russ, in der "Süddeutschen Zeitung".

Der Beamtenbund ist die Dachorganisation, der die GDL angehört. Er verwaltet die Streikkasse, aus der die Lokführer ihre Arbeitskämpfe finanzieren. Russ sagte, künftige Streiks würden nicht am Geld scheitern. Er drohte: "Im Vergleich zu dem, was uns dann bei der Bahn bevorstehen wird, war alles Bisherige nur Kinderkram."

Die Lokführergewerkschaft hat ihre Streiks bis einschließlich 11. Januar ausgesetzt, der Deutschen Bahn aber gleichzeitig eine Frist bis zum 17. Dezember gesetzt, um ein neues, "erheblich verbessertes" Angebot vorzulegen.

Imageschaden für alle Gewerkschaften

Erst Anfang September hatte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, den Beamtenbund aufgefordert, die GDL zurechtzuweisen. Durch den Konflikt drohe den Gewerkschaften ein "Imageschaden".

An diesem Freitag soll wieder verhandelt werden. Diesmal geht es um die rund 100.000 Mitglieder der mit der GDL konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. In den aktuellen Tarifauseinandersetzungen will die EVG für ihre Mitglieder sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber eine Steigerung der Gehälter um 150 Euro. Die GDL verlangt unter anderem fünf Prozent mehr Lohn und eine Arbeitszeitverkürzung um zwei Stunden pro Woche.

Kern des Konfliktes ist aber, dass die GDL nicht mehr wie früher allein für Lokführer, sondern auch für ihre Mitglieder unter den Zugbegleitern, dem Bordrestaurant-Personal und bei Rangierführern eigene Verträge abschließen will. Die EVG will im Gegenzug zum GDL-Vorstoß auch für die Lokführer unter ihren Mitgliedern sprechen.

vet/dpa

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hans1975 12.12.2014
1. imagesteigerung für gdl
der dgb sollte sich in verband der arbeitnehmerunterwerfung umbenennen. streik ist ein demokratisches grundrecht. und wer für 1.200 ? netto züge steuert und vollkommen berechtigt mehr fordert, dessen gewerkschaft droht kein imageschaden sondern imagewinn. zumindest bei den wenig verbleibenden demokratischen grundre hten zugewandten bürgern und medien. liebe wohlstandsdeutsche: wo ist eure Solidarität? ?? liebe gdl: streikt so lange notwendig, dafür komme ich notgedrungen auch mal nicht wie geplant voran. lieber spiegel: wo ost eure differenzierte Berichterstattung? seit ihr nur noch bild mit besserer Germanistik?
papayu 12.12.2014
2. Streiks trifft doch nur die Bahnfahrer?!
Frueher ging man einfach andere Wege um zum Ziel zu kommen!! Da nahm man das Fahrrad oder der Kollege holte einen ab. Und die Politik stoert das doch nicht, es trifft nur die Bahnkunden!! Und demnaechst wird der Lohnzunami zuschlagen 8,50 fuer ALLE!! Irgendjemand faengt damit an und die Konkurrenz zieht nach!!
chief-supervisor 12.12.2014
3. Immageschaden?
"Erst Anfang September hatte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, den Beamtenbund aufgefordert, die GDL zurechtzuweisen. Durch den Konflikt drohe den Gewerkschaften ein "Imageschaden" Nur den Gewerkschaften, die weiterhin die Interessen ihrer Mitglieder an die arbeitgeber verkaufen. wie seit 20 Jahren allgemein ueblich. Klar, die Bosse der kuschenden Gewerkschaften sehen ihre Versorgungen gefaehrdet. Koennte ja so manches Mitglied auf die Idee kommen, das man keine Gewerkschaft braucht, um5% Erhoehung, gestaffelt auf 36 Monate, zu erreichen. Deutschland baucht keine Thatcher, die Gewerkschaftsbosse haben frueh genug ihre Fahne in den Arbeitgeberwind gehaengt. Die GDL und Cockpit fuehren die ersten Streiks, die auch den Namen Streik verdienen. Lernt, Gewerkschaften, lernt! Dann koennte auch die Inlandsnachfrage angekurbelt werden. Und unsere Exportdefizite verringert
naive is beautiful 12.12.2014
4. Der feine Beamtenbund...
...der selbst offenbar nicht autorisiert ist zu streiken, stärkt nunmehr offenbar einem selbstverliebten GdL Boss und seinen hörigen Gefolgsleuten völlig bedenkenlos den Rücken. Bravo, Kompliment! Ganz so als ob keineswegs dramatisch unterbezahlte oder gnadenlos überstresste Lokführer oder fürstlich entlohnte Flugkapitäne der Nabel der Republik wären. Es wird höchste Zeit, wild gewordenen Berufs-/Nischengewerkschaftern endlich Einhalt und Mäßigung zu gebieten. Seit Monaten haben Kunden und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel unter völlig überzogenen Streikaktionen von Minderheitsgruppierungen zu leiden, sei es bei der DB oder der Lufthansa. Ich habe meine Konsequenzen aus dieser unverantwortlichen Kundenerpressung jedenfalls bereits gezogen: Keine Bahnfahrten, keine Buchung mit Lufthansa seit September mehr! Gottlob gibt es Autos und andere Airlines, und dabei interessiert mich jegliche Öko- oder Konzernbilanz einen feuchten Kehricht. Inzwischen habe ich ca. 25.000 Meilen mit anderen Airlines abgeflogen (bye bye, Miles&More, welcome OneWorld), und konsequenterweise kein einziges Bahnticket gebucht. Aufgeklärte Verbraucher lassen sich nicht erpressen, es gibt Alternativen und es ist mir schnurzpiepegal, ob mich künftig die DB oder ein anderer Betreiber wie z.B. (demnächst) die SNCF nach Paris bringt, oder Singapore Airlines/South Afrian/British Airways oder Emirates statt Lufthansa nach Singapore, Shanghai oder Cape Town hievt. Die Mitbewerber reiben sich jedenfalls schon jetzt die Hände... Weiter so, GdL, 'Beamtenbund' und Cockpit, der Markt lächelt und macht sein Geschäft, notfalls auch ohne euch. Meine letzten EUR 10.000+ an Flug- oder Bahntickets haben in den letzten drei Monaten jedenfalls Andere kassiert, ob in der Luft oder an der Tankstelle. Viel Spaß mit eueren weiteren Streikaktionen, aber ohne mich - ich muss mämlich pünktlich und zuverlässig ankommen... Um es völlig klar zu machen: Meine DB- und Lufthansa-Abstinenz wird erst dann enden, wenn Nischengewerkschaften wirksam und dauerhaft in ihre verdiensten Schranken gewiesen werden. Hier hilft nämlich nur massiver wirtschaftlicher Gegendruck, und ich kann nur hoffen, dass Andere ähnlich konsequent verfahren. Mir verursachen die erpresserischen Attitüden machtgeiler Gewerkschaften und ihrer Bosse nur Übelkeit, und als nicht gerade ganz unmaßgeblichen Steuerzahler lasse ich mir solche Erpressungsmethoden nicht gefallen. Mir tun nur all die lohn- und gehaltsbahängigen Mitmenschen leid, die unter der unverdient mächtigen Fuchtel von Minderheiten leiden müssen und KEINE Optionen haben...
Schluß mit dämlich 12.12.2014
5.
Über einen meinungslosen Artikel "diskutieren", der sich alle Optionen offenhält? Da hier egal was geschrieben werden kann, hier meine Meinung. Die unterschwellige Anti-Haltung gegen die Gewerkschaft GDL ist nach wie vor spürbar, und Meinungs-"Mache" sollte Eure Sache nicht sein. Was Ihr Journalisten tun solltet, ist, die Informationen zu verbreiten, die es gibt und als neutrale Instanz die Meinung der interessierten Parteien DARZUSTELLEN, nicht sie durch die Art der Aufmachung zu beeinflussen. Traurige Zeiten bei Spiegel und Consorten. :-(
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