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Verletzung der Privatsphäre: Claus Weselsky schaltet Polizei ein

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Claus Weselsky (am Mittwoch in Berlin): Keine Notwendigkeit für Personenschutz

Claus Weselsky sieht seine Privatsphäre bedroht. Der GDL-Chef hat deshalb die Polizei verständigt. Die Konkurrenz-Gewerkschaft EVG fürchtet gar Gewalt gegen Lokführer.

Berlin - Der Druck auf Claus Weselsky wächst. CDU und SPD greifen ihn scharf an, Bahn-Kunden machen ihrer Verärgerung in sozialen Netzwerken Luft. Medien haben Fotos von Weselskys Wohnort und die Telefonnummer seines Büros veröffentlicht. Nun sieht der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) seine Privatsphäre bedroht und hat sich an die Polizei gewandt.

Dennoch will sich Weselsky weiter in der Öffentlichkeit zeigen. "Ich bin auch bisher immer auf Bahnhöfen gewesen und werde das auch weiter tun", sagte Weselsky im ARD-"Morgenmagazin". Die aktuellen Entwicklungen gingen zu weit: "Ich habe allerdings gestern Abend die Polizei verständigt, weil es hier in einer unglaublichen, nennen wir es einfach Verletzung meiner Privatsphäre, nicht mehr um die Sache geht." Für Personenschutz habe er bislang aber "keine Notwendigkeit gesehen".

Gegen Anfeindungen gegen ihn als Privatperson setzt sich Weselsky entschieden zur Wehr. "Da muss ich einfach nur lachen, ich wohne zur Miete in einem Häuschen, das 61 Quadratmeter hat - und wenn das dann ein exklusiver Wohnsitz ist, na bitteschön, dann ist das einfach so", befand er. Gleichzeitig mutmaßt der GDL-Chef, dass sich Teile der öffentlichen Kritik darauf konzentrierten, den Arbeitskampf der Lokführer auszuhebeln. "Interessierte Kreise" legten großen Wert drauf, dass die Zugbegleiter und Lokführer nicht erfolgreich seien. "Und das ist eine Dimension, die hätte ich mir am Beginn der Auseinandersetzung so nicht vorstellen können."

"Hier wird eine Grenze überschritten, was mir Angst macht"

Der GDL-Vorsitzende beharrte im ARD-"Morgenmagazin" darauf, dass in der mittlerweile viermonatigen Auseinandersetzung "nicht ein einziges Mal" über die Forderung der GDL verhandelt worden sei, nicht nur die Lokführer, sondern künftig auch die Zugbegleiter zu vertreten. Ein Ende des Konflikts sei nicht durch Schlichtung oder Vermittlung möglich, sondern "die Bahn hat darauf zu verzichten, die Grundrechte von Lokführern und Zugbegleitern zu verletzen", sagte Weselsky. "Das ist alles."

Der Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL hat derweil die Gerichte erreicht. Die Deutsche Bahn will den Ausstand per einstweiliger Verfügung verbieten lassen. Das Frankfurter Arbeitsgericht wird noch am Donnerstag darüber entscheiden.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) warnt, dass Streikaktionen der GDL zu einer zunehmenden Radikalisierung führen. "Ich bin entsetzt, dass es in den sozialen Medien zwischenzeitlich Gruppen gibt, die sich beispielsweise 'Hooligans gegen Lokführer' nennen und die zu Gewalt gegen unsere Kollegen aufrufen", sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner laut einer Mitteilung der Gewerkschaft. Schon der Gedanke an tätliche Angriffe gegen Eisenbahner - gleich welcher Gewerkschaft - sei völlig inakzeptabel. Hier werde "eine Grenze überschritten", was ihm "Angst macht", so Kirchner.

Zugleich kritisierte Kirchner die aus seiner Sicht "inakzeptable Politik der Spaltung": "Auch ich habe kein Verständnis dafür, dass die Führung der GDL nur deshalb so massiv zum Arbeitskampf aufruft, weil sie ihren Machtbereich ausdehnen will." Die EVG sei zu einer fairen Kooperation bereit, um zur Lösung des Konflikts beizutragen.

bos/dpa/AFP

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