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07. November 2014, 15:21 Uhr

Ausstand der GDL

Bahnstreik endet schon am Samstagabend

Überraschende Wende im Bahnstreik: Die Lokführergewerkschaft GDL will den Arbeitskampf schon am Samstag beenden - als "Geste der Versöhnung".

Frankfurt am Main - Die Lokführergewerkschaft GDL beendet ihren Streik am Samstag um 18 Uhr. Das erklärte Gewerkschaftschef Claus Weselsky am Freitag in Frankfurt, nachdem das Landesarbeitsgericht Hessen den Ausstand auch in zweiter Instanz als rechtmäßig anerkannt hatte.

Ursprünglich sollte der Arbeitskampf noch 34 Stunden länger dauern, bis Montagmorgen um vier Uhr. Beim vorzeitigen Ende des Streiks handele es sich um eine "Geste der Versöhnung", sagte Weselsky. Zuvor hatte die GDL einen Vorschlag der Bahn abgelehnt, zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am Sonntag wenigstens den Verkehr in Berlin vom Streik auszunehmen.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber befand angesichts des vorgezogenen Streikendes, dass sich damit der Einsatz der Bahn vor den Gerichten gelohnt habe. "Das ist ein gutes Zeichen für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter", sagte Weber.

Der Bahn-Konzern hatte bis zum Freitag vergeblich versucht, die Arbeitsniederlegung gerichtlich verbieten zu lassen. Das hessische Landesarbeitsgericht wies die Berufung der Deutschen Bahn im Streit mit der Lokführergewerkschaft GDL ab. In seinem Urteil erkannte das Gericht den Streik als legal und trotz hoher wirtschaftlicher Schäden als verhältnismäßig an. Die Forderungen der GDL seien nicht widerrechtlich. Das Landesarbeitsgericht Hessen hatte dem Konzern und der GDL einen Vergleichsvorschlag unterbreitet - zuvor hatte sich das Gericht rund zweieinhalb Stunden von den beiden Parteien über ihre Positionen informieren lassen. Doch die Gewerkschaft blieb stur. Die GDL lehnte den Vorschlag des Gerichts ab und verlangte am Freitag eine Entscheidung der zweiten Instanz.

Schon der Entscheidung in der ersten Instanz waren stundenlange Verhandlungen über einen Vergleichsvorschlag der Arbeitsrichterin Ursula Schmidt vorausgegangen. Der Vergleich scheiterte letztlich daran, dass die GDL bereits in den Schlichtungsplan hineinschreiben wollte, dass es bei der Bahn verschiedene konkurrierende Tarifverträge geben könne. Das lehnte Bahn-Anwalt Thomas Ubber ab. "Wir können keine Ergebnisse der Tarifverhandlungen hier vor Gericht vorwegnehmen", sagte er.

Die GDL-Lokführer hatten ihre Arbeit im Güterverkehr am Mittwoch niedergelegt, im Personenverkehr in der Nacht zum Donnerstag - und sich damit in Politik und Öffentlichkeit viel Kritik eingehandelt. Millionen Bahnreisende mussten improvisieren und sich auf ein schmales Zug-Angebot einstellen. Die Bahn fuhr am Freitag, dem zweiten Tag des Ausstands im Personenverkehr, wie am Vortag nach Ersatzfahrplänen, mit denen sie rund ein Drittel der Personenzüge und die Hälfte der Güterzüge auf die Schiene brachte.

Kern des Konflikts ist, dass die GDL nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer verhandeln will, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht aber die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Bahn wiederum lehnt konkurrierende Gehaltsabschlüsse ab. Die Lokführergewerkschaft GDL fordert für die Beschäftigten außerdem mehr Geld sowie eine kürzere Arbeitszeit.

bos/dpa/Reuters

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