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Bahnstreiks: Industrie befürchtet Millionenschaden

Güterzüge in München: GDL hat laut  BDI "jedes Augenmaß verloren"  Zur Großansicht
DPA

Güterzüge in München: GDL hat laut BDI "jedes Augenmaß verloren"

Schon wieder Bahnstreik - die deutsche Industrie hat vor Schäden von bis zu hundert Millionen Euro pro Tag gewarnt. Betroffen seien vor allem Chemie-, Stahl- und Automobilindustrie. Die Bahn will entsprechenden Transporten Vorrang einräumen.

Von heute an bestreikt die Lokführergewerkschaft GDL den Güterverkehr der Bahn. Die deutsche Industrie kritisierte die Arbeitsniederlegungen und warnt vor Schäden in Millionenhöhe.

"Bei durchgängigen Streiks sind in der Industrie empfindliche Produktionsausfälle zu erwarten", sagte Dieter Schweer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im Industrieverband BDI. "Streikbedingte Schäden können von einstelligen Millionenbeträgen schnell auf bis zu hundert Millionen Euro Schaden pro Tag wachsen."

Besonders hart betroffen seien Branchen, die mit ihrer Logistik weitgehend auf die Bahn angewiesen seien und ihre Transporte nicht auf andere Verkehrsträger verlagern könnten. "Dazu gehören beispielsweise neben Chemie-Gefahrgut-Transporten auch die Rohstoffanlieferung in der Stahlindustrie oder die Transporte der Automobilwirtschaft in die Exporthäfen."

Die GDL treffe nicht nur die Industrie und ihre Unternehmen, "sondern nimmt das ganze Land in Beschlag", fügte Schweer hinzu. Die Gewerkschaft handle verantwortungslos und habe "jedes Augenmaß verloren".

Die Deutsche Bahn will trotz des Streiks im Güterverkehr Engpässe bei ihren Kunden verhindern. "Wir sind in engem Kundenkontakt. Besonders versorgungsrelevante Transporte haben Vorrang, damit es nicht zu Produktionsausfällen kommt", sagte eine Sprecherin in Frankfurt. Dies gelte etwa für die Automobil- und Chemieindustrie. Ein Krisenteam in der europäischen Leitstelle in Frankfurt koordiniere die Züge.

Von den rund 20.000 Lokführern sind über 4000 Beamte und dürfen daher nicht streiken. Weitere 5000 sind nach Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bei ihr und nicht bei der GDL organisiert. Auch diese sind einsetzbar. Eine GDL-Sprecherin sagte, es werde keinen regionalen Schwerpunkt bei den Streiks geben. Allerdings hat die Gewerkschaft in Ostdeutschland besonders viele Mitglieder.

Die GDL hat angekündigt, von Dienstagnachmittag an den Güter- und von Mittwochmorgen bis Donnerstagabend den Personenverkehr der Bahn zu bestreiken. Insgesamt soll der Ausstand 66 Stunden dauern. Nach 16 Tarifrunden fehlten immer noch Ergebnisse in wichtigen Fragen, erklärte die GDL. Sie machte erneut die Bahn verantwortlich. Die GDL hat in dem Konflikt bisher sechsmal gestreikt.

nck/Reuters

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Bitte!
peterbond0815 21.04.2015
Lokführer werden wieder Beamter. Ist etwas teuer aber andererseits sooo viel günstiger.
2. Wann endlich...
Eckfahne 21.04.2015
... reagiert die Politik auf diese Gewerkschaftsspielchen?
3.
l.augenstein 21.04.2015
Jedes Mal, wenn die Lokführer streiken, warnt die Industrie vor derartigen Schäden. Offensichtlich ist ausser viel Panikmache bisher aber nie ernsthafter Schaden entstanden. Oder gibt es dazu entsprechend seriöse Daten?
4. Alle Räder stehen still...
Hörbört 21.04.2015
Wenn die Lokführer so eminent wichtig "für das ganze Land" sind, dann sollte sich das auch in den Löhnen niederschlagen. Vergleichen wir nur den "Schaden", der einträte, wenn ein DAX-Vorstand streikt: er ginge vermutlich gegen null, selbst bei mehrwöchiger Arbeitsniederlegung.
5. Einheitsgewerkschaft
Abronzius 21.04.2015
Wer keine gelben Staats-, Parteigewerkschaften will, muß den Streik hinnehmen. Nach der Gleichschaltung des Gerwkschaftswesen kommt die Gleichschaltung der medien und Parteien.
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