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GDL-Ausstand: Bahn nennt neuen Streik "Schikane für Millionen"

Die Gewerkschaft GDL zieht viel Empörung auf sich. Deutsche Bahn und Verkehrspolitiker verurteilen den angekündigten neunten Ausstand der Lokführer über die besonders reisestarken Pfingsttage.

Der Bahn steht ein neuer, neunter Lokführerstreik bevor, mindestens eine Woche soll er dauern, auch an den Feiertagen zu Pfingsten müssen sich Reisende daher auf viele Zugausfälle einstellen. Der Konzern hat jetzt harsche Kritik an dem neuen Streikaufruf der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) geübt.

"Die Deutsche Bahn verurteilt den de facto unbefristeten Streik der GDL auf das Schärfste als Schikane für viele Millionen Menschen und fordert erneut nachdrücklich zu einer Gesamtschlichtung auf", teilte der Konzern mit. Gerade ein Streik über die besonders reisestarken Pfingsttage treffe Reisende in ganz Deutschland besonders hart, heißt es weiter. Es werde nun ein Ersatzfahrplan vorbereitet und am Dienstag veröffentlicht.

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ulrich Lange, zeigte sich erbost über den gewählten Zeitpunkt: "Irgendwann muss Schluss sein. Die GDL sollte sich gut überlegen, ob sie über Pfingsten streiken will. Das würde genau die Falschen treffen, nämlich viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, die das lange Wochenende für Ausflüge nutzen wollen." Beide Vertragsparteien seien aufgefordert, ernsthafte Tarifverhandlungen zu führen.

Auch der Vorsitzende des Bundestagsverkehrsausschusses, Martin Burkert, zeigte sich besorgt über die neue Streikankündigung der Lokführer. "Ich befürchte massive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und mögliche Kurzarbeit", sagte der SPD-Politiker laut Nachrichtenagentur dpa. Burkert forderte die Lokführergewerkschaft GDL auf, "endlich die Möglichkeit der Schlichtung wahrzunehmen". Vor der Streikankündigung hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die GDL aufgerufen, einem Schlichtungsverfahren zuzustimmen.

Streik im Personenverkehr ab Mittwoch

Die Gewerkschaft GDL kündigte am Montag die mittlerweile neunte Streikwelle in dem Tarifkonflikt an: Der Ausstand mit offenem Ende soll um 2 Uhr in der Nacht zum Mittwoch im kompletten Personenverkehr beginnen. Bereits am Dienstag um 15 Uhr legen die Lokführer im Güterverkehr die Arbeit nieder.

Erst am 10. Mai war ein fast sechstägiger Ausstand im Personenverkehr der Bahn zu Ende gegangen. Es war der bisher längste Streik in der 21-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn AG. Nach erneut gescheiterten Gesprächen vom Wochenende hatte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber von der GDL einen Streikverzicht verlangt. Nur eine Schlichtung über alle strittigen Fragen könne jetzt noch weiterhelfen.

Der Versuch einer Annäherung beider Seiten am Wochenende war jedoch gescheitert. Vertrauliche Gespräche wurden am Samstagabend beendet und nicht wie geplant am Sonntag fortgesetzt. Die Tarifparteien wiesen sich dafür gegenseitig die Schuld zu. "Wir sind lange genug verschaukelt worden", erklärte GDL-Chef Claus Weselsky. Deshalb werde nun "die nächste Eskalationsstufe" gestartet.

Die bisherigen Streiks der GDL im Bahn-Tarifstreit
  • DPA
    2015
    6. Streik vom 4. bis 10. Mai: bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr
    5. Streik vom 21. bis 23. April: 43 Stunden im Personenverkehr und 66 Stunden im Güterverkehr

    2014
    4. Streik vom 6. bis 8. November: 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr
    3. Streik vom 17. bis 20. Oktober: 50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr
    2. Streik am 15./16. Oktober: 14 Stunden im Personen- und Güterverkehr
    1. Streik nach Urabstimmung am 7./8. Oktober: 9 Stunden im Personen- und Güterverkehr
    2. Warnstreik am 6. September: 3 Stunden im Personen- und Güterverkehr
    1. Warnstreik am 1. September: 3 Stunden im Personen- und Güterverkehr

bos/Reuters

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insgesamt 745 Beiträge
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    Seite 1    
1. Weg mit dieser Bahnführung!
empörteuch! 18.05.2015
Eine Unternehmensführung die den Betriebsfrieden nicht herstellen kann gehört erserzt, gecoached oder was immer neuchinesisch man macht mit Virständen, die einen Betrieb nicht leiten können
2. 0,0000
TheFrog 18.05.2015
Verständnis mehr. Weder für die Eine noch für die Andere Seite.
3. Empörung
ediart 18.05.2015
ich bin nicht darüber empört, dass die GDL streikt. Die Bahn startet mit ihrem Propaganda Feldzug durch um ihre Kunden negativ zu beinflussen. Billige Nummer!
4. Informationen
der.hahn 18.05.2015
Ich warte immer noch auf einen Artikel, der mal wirklich objektiv und sachlich die Ziele und Angebote beider Parteien, sowie welche Lösung wem was bringen würde und was es nun im Detail mit dem Tarifeinheitsgesetz auf sich hat. Ohne diese Informationen lässt sich schwer eine echte Meinung bilden.
5. Schikane
Tornado 18.05.2015
Na da könnte doch die Bahn diese Schikane doch endlich mal beenden - tun die so als hätten sie nichts damit zu tun.
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