Überfüllte ICE Bahn will mit längeren Zügen mehr Plätze schaffen

Die Züge der Bahn sind zu oft überfüllt und müssen dann geräumt werden. Konzernchef Richard Lutz will das ändern - aber ohne Zwangsreservierungen.

DPA


Die Bahn arbeitet an einem Konzept für eine Offensive im Fernverkehr. Geplant sei der Kauf weiterer ICE-Züge für knapp eine Milliarde Euro, sagte Konzernchef Richard Lutz dem "Handelsblatt".

Er räumte ein, bislang gebe es regelmäßig eine Zwangsräumung überfüllter Züge. Dazu kommt es nach Angaben von Lutz "im Fernverkehr im Durchschnitt ein halbes Dutzend Mal pro Woche". "Gerade diskutieren wir im Vorstand, die Kapazitäten weiter auszubauen. Auf besonders frequentierten Strecken auch durch längere Züge", sagte Lutz. "Dann hätten mehr als 900 Fahrgäste in einem solchen Zug Platz."

Im Frühsommer werde die Bahn ein Konzept präsentieren, wie sie mehr Fahrgäste für den Fernverkehr gewinnen wolle. "Wir wollen noch stärker als bisher Auto und Flugzeug angreifen", kündigte der Bahnchef an. Trotz der Probleme mit überfüllten Zügen will Lutz keine Reservierungspflicht einführen. "Wir haben nun mal aus gutem Grund nicht das System der Franzosen, wo der Reisende im Fernverkehr gezwungen ist, vorher zu reservieren", sagte er. "Wir haben ein freies, offenes System."

Bei den Plänen setzt Lutz auch auf finanzielle Unterstützung des Bundes. "Unsere Fernverkehrsoffensive wird Geld kosten", sagte er. Die notwendigen Investitionen werde die Bahn nicht allein stemmen können. Dazu "reicht unsere jetzige Finanzkraft jedenfalls nicht aus". Derzeit liefert Siemens die vierte Generation der ICE-Flotte in einem Gesamtwert von sechs Milliarden Euro an die Bahn.

Neben dem Ziel, mehr Fahrgäste anzulocken, will die Bahn auch pünktlicher werden. Eine sogenannte Schnellfahr-Offensive war zuletzt aber mangels Erfolg wieder abgeblasen worden.

mmq



insgesamt 56 Beiträge
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kurzanbinden 20.04.2018
1. kostenfreie reservierungen
aber kostenfreie Reservierungen wären schonmal was. zumindest für ein Kontingent an sitzen jedes Zuges.
exHotelmanager 20.04.2018
2. Komforteinschränkungen auf Langstrecken
Die "neuen Züge", also die ICE 4, sind nicht länger. Sie haben einen engeren Sitzteiler in beiden Wagenklassen und weniger Platzangebot in der 1. Klasse. Damit werden gerade Vielreisende vertrieben, um dem Gelegenheits-Billigst-Reisenden für 20 Euro ein staatlich subventioniertes Reisen zu ermöglichen - ein fatales Geschäftsmodell.
nesmo 20.04.2018
3. Wow, die Bahn kann es
die Bahn will längere Züge verwenden, damit die Züge nicht mehr so überfüllt sind. Was jeder seit vielen Jahren weiß, dass zu Stoßzeiten die Züge zu kurz sind, ist tatsächlich beim Bahnvorstand angekommen. Ruckzuck werden jetzt "in in nächsten Jahren" längere Züge gekauft. Wer hätte das gedacht, dasss der Bahnvorstand auf solch geniale Ideen kommt, und so schnell.
Harald Schmitt 20.04.2018
4. Machen die denn vorher keine Analyse
Es werden doch Fahrkarten kontrolliert und auch gekauft. Selbst an den Sitzplatzreservierungen sieht man doch die Nachfrage. Wenn die erst nach jahrelangen Zugräumungen diskutieren müssen ob und wann die mal Neuanschaffungen tätigen ist die Besetzung der Posten falsch! Da müssten doch auch Reserve da sein, die man im Ernstfall einsetzen kann, man plant doch nicht imer am Limit. Was arbeiten denn da nur für Luschen ausser Pofalla!
Jörgen Cordes 20.04.2018
5. Hausgemachtes Problem
Das Problem der Bahn ist hausgemacht: WANN werden nämlich Züge geräumt bzw. deren Räumung angedroht? Wenn Leute dringend irgendwo hinmüssen und keine Alternative haben, zum Flughafen in Frankfurt z. B. So ging es mir am Morgen des 18.03. Es gab in der Nacht zuvor mal wieder einen Wintereinbruch, allerdings nicht mal mit viel Schnee (höchstens 3 cm), aber es wurde kälter. Bei der Bahn fallen dann gleich Züge komplett und ersatzlos aus - DAS ist das Problem!!! Ein ICE wurde ersatzlos gestrichen. NATÜRLICH ist dann der nächste, eine Stunde später, rappelvoll. Beinahe hätte ich meinen Flieger verpasst, weil der Zug in Kassel 40 Minuten wegen Überfüllung stand und immer wieder über Lautsprecher die Räumung angedroht wurde, bis sich einige besonnen hatten. Ich selbst hätte aber bei Verlassen des Zuges meinen Urlaub ganz knicken können! In Deutschland muss man offensichtlich, nur wegen der Unfähigkeit des Bahn-Managements, immer einen Tag früher fahren und im Hotel übernachten ...
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