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Stellwerk-Chaos in Mainz: Bahn prüft Personalplanung im gesamten Konzern

Gewerkschaftschef Kirchner (l.), Personalvorstand Weber: "Gemeinsam arbeiten" Zur Großansicht
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Gewerkschaftschef Kirchner (l.), Personalvorstand Weber: "Gemeinsam arbeiten"

Nach dem Mainzer Stellwerkchaos lenkt die Bahn ein. In allen 400 Betrieben will sie jetzt prüfen, ob es genug Personal gibt - und notfalls neue Mitarbeiter einstellen.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bahn will als Konsequenz aus dem Chaos am Mainzer Bahnhof die Personalplanung in sämtlichen rund 400 Konzernbetrieben für das laufende und das kommende Jahr neu aufrollen. Betrieb für Betrieb werden Bahn und Betriebsräte gemeinsam den Personaleinsatz überprüfen, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Mittwochabend in Frankfurt am Main nach einem Treffen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.

Unternehmen und Arbeitnehmerseite wollten als Konsequenz aus den Problemen in Mainz nun "gemeinsam daran arbeiten, dass sich ein solches Debakel nicht wiederholt", sagte Weber. EVG-Chef Alexander Kirchner bestätigte dies nach dem Treffen: "Wir haben die Reset-Taste gedrückt und werden die Personalplanung in allen Bereichen und allen Betrieben der Deutschen Bahn neu aufsetzen lassen."

Sollten beide Seiten zu dem Ergebnis kommen, dass mehr Personal nötig sei, würden mehr Mitarbeiter eingestellt, betonte Weber. Wie viel zusätzliches Personal die Bahn kommendes Jahr als Folge der Überprüfung in den kommenden Wochen einstellen werde, wollte Bahn-Personalchef Weber nicht sagen. Dies werde "der Prozess der nächsten Wochen zeigen". Überstunden sollen möglichst komplett abgebaut und gewährte Urlaubs- und Ruhetage auch eingehalten werden. Konzernweit sind laut Gewerkschaft acht Millionen Überstunden und neun Millionen Stunden ausstehender Urlaub aufgelaufen.

Keine konkreten Zahlen

Nach den Worten ihres Chefs Alexander Kirchner rechnet die Gewerkschaft mit zusätzlichen Einstellungen. Er wollte sich nicht auf eine genaue Zahl festlegen. Man habe bewusst darauf verzichtet, wie auf einem Basar um Zahlen zu feilschen.

Bahn-Personalvorstand Weber wehrte sich gegen den Vorwurf, bei der Bahn gebe es gar keine Personalplanung. Man nehme den demografischen Wandel ernst, was sich in 20.000 Neueinstellungen in den vergangenen Jahren zeige. Allein im ersten Halbjahr 2013 habe die Bahn 2000 neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Im Inland beschäftigt die Deutsche Bahn AG mehr als 194.000 Menschen, weltweit sind es rund 300.000.

Mit dem Ergebnis des Krisentreffens setzte die EVG ihre Forderungen durch. EVG-Chef Alexander Kirchner erklärte, das Verhandlungsergebnis sei "ein wesentlicher Erfolg" seiner Gewerkschaft. Die Überprüfungen würden voraussichtlich bis zum 15. Oktober laufen. Am 4. November finde ein erneutes Treffen zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und Bahn statt, bei dem die Ergebnisse diskutiert werden sollen.

Telefonaktion in der Kritik

In Mainz fallen derzeit zahlreiche Züge aus, und der Regionalverkehr läuft nur eingeschränkt. Fernverkehrszüge wie ICE werden teils umgeleitet oder halten an anderen Bahnhöfen. Grund ist ein Personalengpass im Mainzer Bahnstellwerk. Bis Ende des Monats will die Bahn dafür sorgen, dass der Zugverkehr in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wieder normal läuft.

Die EVG kritisierte auch Bahn-Chef Rüdiger Grube, weil er Stellwerksmitarbeiter in deren Urlaub angerufen hatte. "Dass Mitarbeiter, die dringend Urlaub brauchen, vom obersten Konzernlenker persönlich angerufen werden, halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit", sagte Kirchner. Die Bahn verteidigte die Telefonaktion. "Im Interesse unserer Kunden, des Unternehmens und aller unserer über 300.000 Mitarbeiter hat er eine Handvoll Kollegen in Mainz angerufen und sie darum gebeten, sich zu überlegen, ob sie nicht ihren Urlaub verschieben könnten", sagte Konzernsprecher Oliver Schumacher. "Ausdrücklich sollten sie eine Nacht darüber schlafen."

mia/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 78 Beiträge
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1. Ich lach mich kaputt !
einwerfer 14.08.2013
Da prüfen die Leute, die für den massiven Personalabbau verantwortlich sind nach IHREN betriebswirtschaftlichen Kriterien dem Personalbestand. Das Ergebniss ist doch jetzt schon klar: wir haben zu viel Leute und die sind, außer uns, auch noch zu hoch bezahlt.
2. Nachtrag
einwerfer 14.08.2013
"in sämtlichen 400 (!) Konzernbetrieben" Kann mir mal jemand erklären, wie man auf die Idee kommen kann, eine Firma, deren Geschäft der schienengebundene Transport von Perosnen und Gütern ist, in VIERHUNDERT Einzelfirmen aufzusplitten ? Und anschließend sich darüber beschwert, dass man es mit so vielen Einzelgewerkschaften zu tun hat.
3. ...
nicosx 14.08.2013
Tja liebe Bahn (DB Netz), wenn man seine Azubis (9 von 10 meines Jahrgangs) nach Abschluss in die konzerneigene Zeitarbeitsagentur entlässt und diese dann durchs Land gejagt werden von Minijob zu Minijob hangelt und man dieses dann auch noch euphemistisch "Übernahme" nennt hat man nichts anderes verdient. Eine 2+ im IHK-Abschlusszeugnis war halt zu wenig...
4. Das wird nix...
mat_yes 14.08.2013
ich habe das Chaos der DB am eigenen Leibe erlebt. Solange die Bundesregierung bzw. das Finanzministerium 500 Mio Euro im Jahr als "PLICHTDIVIDENDE" verlangt, wird die Bahn, besonders beim Personal sparen. Es muss an solchen Punkten endlich eine strikte Trennung zwischen Politik und Wirtschaft geben. Die Tansport-Verpflichtung kann auch Vertraglich fest gelegt werden. Nur nutzt das auf die Schnelle nichts.
5. Kein Job wie jeder andere!
Spießgeselle 15.08.2013
Die Bahn hat schon vor über einem Jahr eine massive Mitarbeiter-Rekrutierungskampagne gestartet, mit eigenem Internetportal, Fernsehspots und Plakataktionen an vielen Bahnhöfen. Es wird in großem Stil Personal gesucht und eingestellt, und nicht erst seit gestern. Man darf auch nie die Eigeninteressen der verschiedenen Akteure vergessen, Gewerkschaften profilieren sich auch immer gerne auf Kosten des Managements einer Firma. Apropos profilieren, mit unseren Politikern ist es da nicht anders und die Bahn ist immer ein wohlfeiles Opfer. Dabei darf man aber nicht vergessen, daß die Politik die generelle Linie vorgibt, die das Management umsetzt und alles mit absegnet. Man mag von Mehdorn halten was man will, er ist mit dem Auftrag geholt worden, das Unternehmen profitabel zu machen und an die Börse zu bringen. Das hat er sich nicht ausgedacht, das war Auftrag der Politik. Und Brüderle behauptet allen Ernstes, diese Probleme würde es in einem privaten Unternehmen nicht geben, weil es sich das gar nicht leisten könnte. Vielleicht sollte er sich mal in England informieren. Achja, die CDU verspricht gerade in ihrem Wahlprogram 25 Mrd. für die Autobahnen, und was ist mit der Bahn ...
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Logistik-Riese: Wichtige Fakten über die Bahn
Deutsche Bahn
Der Konzern
Mit einem Umsatz von 39,3 Milliarden Euro und weltweit 285.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Bahn einer der größten Konzerne des Landes. 2012 machte die Bahn einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Jedes Jahr transportiert die Bahn weltweit fast zwei Milliarden Reisende im Fern- und Nahverkehr.
Die Geschäftsfelder
Die Deutsche Bahn bietet neben dem Personenverkehr auch andere Transport- und Logistikdienstleistungen (DB Schenker) an. Gut ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit dem Fern- und Nahverkehr und dem Betrieb von Bussen im Stadtverkehr. Der Bereich DB Schenker, in dem unter anderem der Schiengüterverkehr gebündelt ist, trägt rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei.
Der Chef
Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.


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