Deutsche Bahn noch unpünktlicher Im Juli kam jeder vierte Fernzug zu spät

Die Deutsche Bahn will pünktlicher werden, doch im Sommer passierte bislang das Gegenteil. Im Reisemonat Juli nahmen die Verspätungen nach SPIEGEL-Informationen weiter zu - obwohl es weniger hitzebedingte Ausfälle gab.

Verspätungshinweise im Münchner Hauptbahnhof (Archivbild)
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Verspätungshinweise im Münchner Hauptbahnhof (Archivbild)

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Richard Lutz, verfolgt ehrgeizige Ziele. Eines lautet, die Pünktlichkeit der Fernbahnen deutlich zu verbessern. 80 Prozent aller Züge solle ohne Verspätung in Ziel kommen - wobei ein Zug als pünktlich gilt, der mit maximal sechs Minuten Verspätung den Bahnhof erreicht.

Entgegen der Ankündigung von Lutz zeigt der Trend jedoch in die falsche Richtung - das zeigen neue Zahlen aus dem Reisemonat Juli, die am Donnerstag veröffentlicht werden und dem SPIEGEL vorliegen. Demnach ist die Pünktlichkeit im Fernverkehr noch einmal um mehr als zwei Prozentpunkte auf einen Tiefstand von 72,1 Prozent gefallen. Mehr als jeder vierte Zug gelangt also nicht rechtzeitig an sein Ziel.

Die Bahn erklärt die erneute Verschlechterung vor allem mit der Witterung: "Die extremen Temperaturen führten zu mehr Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur", sagte eine Sprecherin dem SPIEGEL.

Dabei blieben in der Gluthitze gar nicht mal mehr Züge liegen: Es gab weniger hitzebedingte Ausfälle als in den Vorjahren. Die Bahn führt dies auf Investitionen zurück, die sie in die Vorbereitung auf die Hitze vorgenommen hatte, sowohl bei der Gleistechnik als auch an den Zügen selbst.

Doch die Trockenheit sorgte bei der Bahn für bislang weitgehend unbekannte Probleme. So musste am 31. Juli bei Kassel nach einem Großbrand die wichtige Nord-Süd-Schnellfahrstrecke komplett gesperrt werden. Hinzu kamen ein Kabeldiebstahl bei Köln oder ein Polizei-Großeinsatz in Erfurt am 26. Juli, von dem 60 Fernzüge betroffen waren. Die Pünktlichkeit im Nahverkehr nahm immerhin zu. Sie betrug im Juli 94,1 Prozent.

Für die Bahn war die Sommerreisezeit sehr außergewöhnlich. Im negativen Sinne bei der Pünktlichkeit aber auch im positiven Sinne, was die Auslastung der Züge angeht. Über die Ferienzeit muss der Konzern einen besonders hohen Andrang in ihren Zügen bewältigen. Seit diesem Sommer fahren im Schnitt täglich 30.000 Passagiere mehr mit der Bahn.

Dabei hatte das Unternehmen schon in den ersten sechs Monaten im Fernverkehr mit 395.000 Fahrgästen pro Tag einen Rekord eingefahren. In den Gängen herrscht oft drangvolle Enge, weil die Bahn nur eine begrenzte Menge zusätzlicher ICEs und ICs einsetzen kann. Reservewagen sind bei der kaputtgesparten Bahn generell knapp. Die Situation dürfte sich erst entspannen, wenn alle ICEs der jüngsten Generation ausgeliefert worden sind. Zusätzlich will die Bahn an ihre ICEs künftig einen weiteren Wagen anhängen.

insgesamt 28 Beiträge
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hileute 15.08.2018
1. Im August wahrscheinlich ebenso,
das kommt davon das immer wieder mal auf offener Strecke n kleines päuschen eingelegt wird
glissando 15.08.2018
2. Na, so ein Pech!
Jeder vierte Zug unpünktlich? Da hab ich aber Pech! Ich scheine bei jeder Zugfahrt - on nah oder fern - stets diesen vierten, versoäteten zu erwischen. Auf meiner Urlaubsfahrt jetzt gerade waren komischerweise drei von drei Zügen teilweise 40 min zu spät. Die Bahn macht sich lächerlich mit diesen Statistiken. 70% pünktlich? Das wäre doch ein Traum!
e.pudles 15.08.2018
3. Schickt die Verantwortlichen doch mal in die Schweiz
Dort können sie nur vor Schamesröte erblassen.Denn da ist die Pünktlichkeit bei ca. 97% für das ganze Netz und berechnet bei einer Verspätung ab 4 min. Okay die Schweiz hat keine Schnellstrecken wie in D die ICE's. Ja die Langsamkeit, die man den Schweizern vorwirft hat eben auch seine positiven Auswirkungen. Zudem sind die Tarife in der Schweiz, zwar etwas teurer als in D, aber klar und einfach. Man braucht kein Hochschulstudium um den billigsten Tarif raus zu finden. Es gibt auch überfüllte Züge, aber diese halten sich in einigermassen vernünftigen Grenzen. Deshalb schickt doch mal die Leute, welche die Planung des Fahrplanes, der Zugkompositionen , der Infrastruktur zu bearbeiten haben auf einen Crash Kurs in die Schweiz. Sie können dort nur lernen wie man es besser macht. Obwohl die Schweiz für alles immer Geld verlangt, dieser Ratschlag ist kostenfrei
j.soergel 15.08.2018
4. zu spät und dann noch in umgekehrter Wagen-
Wagenreihung, damit 0ber 80-jährige 1. Kllassepassagiere ohne Hilfe über den Bahnsteig irren... ein Wahnsinn was wir vor 3 Wochen erlebt haben. Ich bin wirkllich vorsichtig mit Superlativen, aber wie ein guter Freund sagte, die Bahn ist der schlechteste Grosskonzern Deutschlands und das, was eine wirklich grosser Teil der Belegschat und des Managements abliefern, einfach ungenügend
Softeis 15.08.2018
5. Kaputtgespart
Ich bin wirklich froh, dass der Autor tatsächlich das Wort kaputtgespart verwendet. Das trifft den Nagel nämlich genau auf den Kopf.
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