BahnCard-Spekulationen Konkurrenzdruck zwingt Bahn zu Reformen im Fernverkehr

Die Deutsche Bahn will ihr Preismodell im Fernverkehr grundlegend überprüfen. Medienberichte über eine Abschaffung der BahnCard dementiert das Unternehmen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen soll sie aber "weiterentwickelt" werden.

ICE in Dortmund: Rabattkarte "soll weiterentwickelt werden"
Bongarts/Getty Images

ICE in Dortmund: Rabattkarte "soll weiterentwickelt werden"


Berlin/Hamburg - Der scharfe Wettbewerb setzt die Deutsche Bahn unter Zugzwang: Der Staatskonzern überprüft sein Preismodell im Fernverkehr und plant Änderungen bei der BahnCard. "Angesichts der Probleme im Fernverkehr diskutiert die Bahn über ein verändertes Tarifsystem", sagte ein Aufsichtsratsmitglied SPIEGEL ONLINE.

Die BahnCard solle "weiterentwickelt" werden, ihre Abschaffung sei aber nicht geplant, heißt es weiter aus dem Umfeld des Kontrollgremiums. Aber es könne eben Änderungen geben. Bei dem nächsten Treffen am kommenden Mittwoch gehe es aber nur um ein "Brainstorming", konkrete Beschlüsse sollten dann nicht gefasst werden. "Die Lösung kann angesichts der steigenden Konkurrenz durch die Fernbusse natürlich nicht darin liegen, dass die Preise steigen", so ein Mitglied.

Zuvor hatte das Unternehmen einen Bericht des Hessischen Rundfunks (HR) entschieden dementiert. Der Sender hatte berichtet, die Bahn plane die Abschaffung der BahnCard und wolle sich das in der anstehenden Aufsichtsratssitzung genehmigen lassen. Die BahnCard könne zum "Kundenkonto" werden, das Rabatte nur noch für Großkunden und Vielfahrer und gemäß der Auslastung eines Zugs einräumt. Außerdem könnten demnach unwirtschaftliche Linien und weitere Nachtzüge eingestellt werden. So wolle das Unternehmen im Fernverkehr die Kosten bis 2019 um 1,5 Milliarden Euro senken.

Konkrete Vorschläge im März

Die Bahn bezeichnete den HR-Bericht umgehend als "dreiste Falschmeldung". Bahn-Vorstand Ulrich Homburg will nun am Nachmittag kurzfristig zu den Plänen Stellung nehmen. Der HR reagierte über den Kurznachrichtendienst Twitter auf das Dementi: "Wir halten die Quelle für zuverlässig und bleiben bei unserer Darstellung."

Auch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa will der Bahn-Aufsichtsrat am Mittwoch weder eine Änderung der Preisstruktur beschließen, noch ein neues Modell für die BahnCard-Rabattkarten. Das Kontrollgremium werde einen 33-seitigen Zwischenbericht des Managements diskutieren. Darin werden verschiedene Szenarien für Änderungen an der Preisstruktur und am Zugangebot dargestellt.

Der Bahn-Vorstand habe der dpa zufolge den Auftrag, bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im März 2015 einen Abschlussbericht mit konkreten Vorschlägen zu erarbeiten. Der HR gibt an, den Bericht vorliegen zu haben, und zitierte nach dem Bahn-Dementi über Twitter einen Satz daraus: "#Bahncard-Welt reformieren: individuelle Rabatte nach Kundenumsatz (Kundenkonto)". Inzwischen hat der Sender weitere Zitate online veröffentlicht.

Vor allem die Fernbusse setzen die Deutsche Bahn mit günstigen Tickets unter Druck. Allein durch sie rechnet der Konzern damit, in diesem Jahr bis zu 120 Millionen Euro Umsatz zu verlieren, mittelfristig werden es 240 Millionen Euro sein. Auch Autofahren ist zuletzt durch sinkende Spritpreise wieder deutlicher billiger geworden, die Fahrkarten für die Fernzüge erschienen dadurch zunehmend weniger attraktiv.

fdi/böl/dpa

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insgesamt 178 Beiträge
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Seite 1
zdophers 04.12.2014
1. Ja,
genauso würde ich das auch machen. Wenn die Kunden wegbleiben, da die Bahn zu teuer wird, mache ich die Fahrten für die noch verbliebenen Kunden noch teurer. Schulbildung scheint keine Einstellungsvoraussetzung zum Bahnvorstand zu sein.
tstar 04.12.2014
2. Teuer
und miserabler Service, pathognomonisch für den Service in unserem Land!
mrrobnb 04.12.2014
3. Spritpreise runter, Bahnpreise?
Die Bahn macht uns alljährlich weiß, dass aufgrung gestiegener Kraftstoffpreise die Fahrkartenpreise angehoben werden müssen. Nun sind die Miniralölkosten plötzlich gesunken. Welche Schlussfolgerung müsste es geben? Die Preise müssten gesenkt werden. Oder ist die Bahn so dreist und gibt Kostenerhöhungen sofort an den Kunden weiter, Kostensenkungen jedoch nicht???
joG 04.12.2014
4. Die Bahn hat ein Quasi-Monopol und.....
.....benimmt sich genau nach Textbuch. Man sollte die DB zerschlagen und verkaufen. Die Japaner haben gezeigt, dass Private Bhnen besser funktionieren als staatliche. Man muss nur wollen und nicht schlampen. Wenn man natürlich so herangeht, wie unsere Beamten und Politiker an wie an die Währung, bekommt man eine Katastophe wie wir sie im Euro sehen. Aber man kann auch die Entscheidungsträger besser kontrollieren und haftbar machen. Dann gahen diese Dinge viel besser.
tsaag 04.12.2014
5. Man muss genau rechnen
durch viele Angebote ist der Vorteil der BahnCard bei weitem nicht mehr so groß wie früher. Sie rechnet sich für Geschäftsleute, die kurzfristig reisen müssen. Wer seine Reise planen kann, fährt mit den Sonderangeboten günstiger.
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