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Verlegung des Bahnhofs Altona: Gnade dem Großbauprojekt

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Großbauprojekt. Das klingt nach großen Plänen und mindestens genauso großen Problemen. Nach BER und Elbphilharmonie, Korruption und Chaos. Doch die Verlegung des Hamburger Bahnhofs Altona ist eine gute Entscheidung.

Hamburgs Bahnhof Altona: Teile des Geländes werden bereits saniert Zur Großansicht
Matthias Friedel / Luftbildfotografie / luftbilder.de / FHH

Hamburgs Bahnhof Altona: Teile des Geländes werden bereits saniert

Das Wort verursacht eine Gänsehaut. Garantiert. Spätestens seit Stuttgart 21 hat der Begriff ein Geschmäckle: Großbauprojekt. Das Chaos um den Hauptstadtflughafen BER und die Elbphilharmonie haben den Gruselfaktor noch erhöht. Die Assoziationen seither: Kostenexplosion, Korruption, Verzögerung, Pannen, kurzum - Desaster.

Doch das Großbauprojekt hat eine weitere Chance verdient. In Hamburg soll der Bahnhof Altona verlegt werden. Darauf haben sich die Stadt und die Deutsche Bahn gerade verständigt. Die Alternative, den Bahnhof stattdessen zu sanieren, ist damit vom Tisch. Und das ist eine gute Entscheidung.

Vor allem drei Gründe sprechen dafür.

Grund eins: Teuer wird es so oder so. Der Hamburger Bahnhof Altona ist hochgradig marode. Vor allem die Brücken und Gleise. Egal, ob Sanierung oder Verlegung - die Anlagen werden viel Geld verschlingen. Sparen lässt sich hier also nichts.

Grund zwei: Anders als bei Stuttgart 21 liegt die Hamburger Bahnhofsverlegung im Interesse der meisten Menschen. Denn der Masterplan für das Quartier Mitte Altona, das auf dem Gelände entstehen soll, sieht rund 3600 neue Wohnungen vor, außerdem große Grünflächen, eine neue Schule und mehrere Kitas. Dinge, die eine Stadt lebenswert machen und Wohnraum, der dringend benötigt wird.

Grund drei: Die Stadt wird schöner und vor allem sauberer. Das Bahngelände gilt als Schandfleck. Hinter vorgehaltener Hand bezeichnen die Hamburger die teils brach liegenden Flächen als Sondermülldeponie. Bis in die Achtzigerjahre hantierte die Bahn auf ihren Werksgeländen recht sorglos mit Chemikalien. Tausende Flächen sind bundesweit deshalb verseucht, vor allem mit Mineralöl-Kohlenwasserstoffen und Schwermetallen. Das trifft auch auf das Gelände in Altona zu, der Hamburger Senat musste die Vergiftung des Bodens im vergangenen Herbst öffentlich einräumen. Deshalb ist es gut, wenn die Deutsche Bahn AG nun auch in Hamburg Altona die Altlasten auf den Bahnhofsflächen analysiert und entsorgt. Vor der Übergabe an die Stadt soll das Grundstück saniert werden.

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Bahn-Grundstücke: Ärger mit Altlasten
Sicher, die Verlegung des Hamburger Bahnhofs Altona birgt auch Risiken. Besonders die Bodenreinigung kann langwierig und aufwendig werden. Doch gerade deshalb lohnt es sich, das Risiko einzugehen. Denn die giftigen Rückstände im Erdreich müssen endlich verschwinden.

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Verlegung des Bahnhof Hamburg Altona

Der Bahnhof Altona soll verlegt werden, um Platz für Wohnungen zu schaffen. Was halten Sie davon?

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Franziska Bossy ist Redakteurin im Wirtschaftsressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Franziska_Bossy@spiegel.de

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insgesamt 135 Beiträge
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1.
rxzlmn 02.07.2014
Wer bezahlt es denn? Einen Bahnhof sollte idR die Bahn bezahlen, oder? Es sollten einfach vernünftige Verträge gemacht werden, wo drinsteht was es kostet und bis wann es fertig wird, beides als verbindliche Angaben. Kann doch nicht so schwer sein, oder?
2. Vorteile für den Bahnverkehr
txo 02.07.2014
Sie übersehen den entscheidenden Vorteil, dass der Bahnverkehr durch das Projekt erleichtert wird. Altona ist ein Kopfbahnhof, Diebsteich wird ein Durchgangsbahnhof. Der Hauptbahnhof ist seit langem völlig überlastet. Durch die Verlegung des zweiten Bahnhofs gewinnt die Bahn ganz neue Möglichkeiten, den Hauptbahnhof zu entlasten.
3. S21 doch auch
Walther Kempinski 02.07.2014
Die 3 genannten Punkte gelten in vollem Maße auch für S21. Ich weiß nicht, wie die Autorin zu ihrer Aussage kommt, dass wir hier in Stuttgart keine Wohnungen bräuchten. Und S21 liegt im Interesse der Bürger! Sonst hätte ich und eine satte Mehrheit nicht dafür gestimmt beim Volksentscheid. Die Bemerkungen der Autorin gehen am Schwaben Volk vorbei. Ich bitte um Korrektur des Artikels!
4. Prima Idee...
harry_tusker 02.07.2014
...wenn es einem selbst zu gute kommt. Findet für den Spiegel ja direkt vor der Haustür statt. Hier sind Wohnquartiere und Park auf einmal eine gute Idee. Und Stuttgart 21, mit dem ähnlichen Konzept, wird immer noch schlecht gemacht, weil ja die Mehrheit dagegen ist. Hallo, es gab eine Abstimmung der Bevölkerung zu Stuttgart 21 und eine deutliche Mehrheit war dafür!
5. ...
Scheidungskind 02.07.2014
Schön, dass Frau Bossy noch einen unverstellten Blick auf das Projekt hat. So hat das im Grunde jeder auch zu Beginn von Stuttgart 21 gesehen...
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Bahnhof Hamburg Altona: Deutschlands nächstes Großbauprojekt


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