Tarifstreit bei der Bahn Lokführer streiken von Mittwoch bis Montag

Die Lokführergewerkschaft GDL ruft zum längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn auf. Der Ausstand beginnt am Mittwoch im Güterverkehr, von Donnerstag an sind auch Personenzüge betroffen.


Berlin - Der Tarifstreit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn eskaliert. Auf die Kunden der Bahn kommt der längste Streik in der Geschichte des Unternehmens zu. Insgesamt fünf Tage lang wollen die Lokführer die Arbeit niederlegen. Am Mittwoch werde zunächst ab 15 Uhr die Arbeit im Güterverkehr niedergelegt, teilte die Gewerkschaft mit. Ab Donnerstag 2 Uhr werde auch der Personenverkehr bestreikt. Betroffen sind Fern- und Regionalzüge sowie die S-Bahnen der Deutschen Bahn. Der Ausstand ende in beiden Bereichen am Montag um 4 Uhr.

Damit steht der längste Streik seit Gründung der Deutschen Bahn AG im Jahr 1994 bevor. Die GDL rief neben den Lokführern unter anderem auch Zugbegleiter und Bordgastronomen zum Ausstand auf. "Wir wollen und müssen im Auftrag unserer Mitglieder verhandeln, egal ob diese als Lokführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten, Ausbilder, Instruktoren oder Lokrangierführer in den Eisenbahnverkehrsunternehmen der DB arbeiten", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. "Dieses Grundrecht ist in Gefahr und damit die Funktion von Gewerkschaften an sich."

Am Wochenende war der Versuch gescheitert, in einem neuen Tarifvertrag Spielregeln für die künftige Zusammenarbeit zwischen der Bahn, der GDL sowie der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) festzulegen. Nach Angaben der Deutschen Bahn standen die Gesprächspartner bereits kurz vor der Unterzeichnung eines Lösungsvorschlags für den Tarifkonflikt. Hauptstreitpunkt ist die Forderung der GDL, nicht nur für Lokführer, sondern auch für das übrige Zugpersonal Tarifverträge aushandeln zu dürfen.

Der bevorstehende Ausstand ist der bisher längste Streik der Lokführer bei der Deutschen Bahn. Die GDL hat die Deutsche Bahn im aktuellen Tarifkonflikt bereits fünfmal bestreikt, zuletzt Mitte Oktober - vom 17. bis zum 20. Oktober insgesamt 50 Stunden lang. Am Sonntag endete eine von der Gewerkschaft zugesagte Streikpause.

Wirtschaft sorgt sich um Produktionsketten

Noch am Dienstag hatte Bahn-Chef Rüdiger Grube zur Besonnenheit gemahnt und auf die gewachsene Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Deutschland verwiesen. Auch in Gewerkschaftskreisen wird das Vorgehen der GDL zunehmend kritisch gesehen. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, zeigte sich besorgt über den Abbruch der jüngsten Tarifgespräche. "Wir sehen diese Auseinandersetzung sehr skeptisch", sagte er.

Die deutsche Wirtschaft warnt bereits vor negativen Folgen des geplanten Streiks. "Was derzeit bei der Bahn passiert, ist Gift für den Standort Deutschland", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks. "Neben dem Ärgernis für Urlauber führen Streiks im Güterverkehr bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen, weil Bahntransporte oft nicht kurzfristig auf Straßen oder Schiffe verlagert werden können."

Schlüsselbranchen wie die Automobilindustrie seien komplett auf Just-in-time-Produktion ausgerichtet. Das heißt, benötigte Teile werden dann angeliefert, wenn sie in der Produktion gebraucht werden. "Warenlager helfen nur die ersten Tage, dann stockt die Fertigung", sagte Dercks.

mmq/Reuters/dpa/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 432 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Phil2302 04.11.2014
1.
Der volkswirtschaftliche Schaden wird sich kaum beziffern lassen. Ich hoffe sehr darauf, dass alle Zugführer bald durch Computer ersetzt werden. Dann hat dieses Chaos ein Ende.
eisern79 04.11.2014
2. Frau Nahles,
bitte ganz schnell das Gesetz verabschieden. Sonst geht diese Art der Erpressung weiter.
aktimel 04.11.2014
3. Das ist ne riesen Schweinerei!
... völliger Schwachsinn, was die GDL da veranstaltet!
misscecily 04.11.2014
4. Unfassbar
das wäre in keinem anderen westlichen Land denkbar.
Boandlgramer 04.11.2014
5.
Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.