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Pingpong-Taktik von Lokführern und Piloten: Bahnstreik, Pilotenstreik, Bahnstreik, Pilotenstreik...

Kaum rufen die Lokführer eine Streikpause aus, kündigen die Piloten den nächsten Ausstand an. Der Zorn der Reisenden wächst, doch für sie gibt es Alternativen. Hart treffen könnte es die eh nervösen Unternehmen.

Hamburg - Gerade mal neun Stunden lang sind sowohl deutsche Bahnhöfe als auch Flughäfen am Montag offiziell streikfreie Zonen. Um 4 Uhr morgens wollen die Lokführer ihre Arbeit wieder aufnehmen. Wenn die Züge bei der Bahn dann am Montagnachmittag wieder weitgehend planmäßig rollen, wird es an den Flughäfen wieder Ausfälle geben. Von Montag, 13 Uhr, bis Dienstag, 23.59 Uhr, sind die Lufthansa-Piloten zum Streik aufgerufen.

Ähnlich lief es bereits vergangene Woche. Erst legten die Lokführer am Mittwoch die Arbeit nieder, am Donnerstag blieben dann die Piloten bei der Lufthansa-Tochter Germanwings auf dem Boden. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Lokführergewerkschaft GDL spielen in Deutschland Streik-Pingpong. Dass die beiden Gewerkschaften sich absprechen, haben sie selbst öffentlich angedeutet. Zum Wohle der Reisenden stimme man sich ab, lautete die Botschaft.

Doch die Deutschen dürften inzwischen genug von Streiks haben. Bei der Bahn fällt über das gesamte Wochenende hinweg der Großteil der Züge aus. Es ist bereits der fünfte Lokführerstreik in diesem Jahr. Bei der Lufthansa steht der achte Ausstand seit April bevor.

Jeder dieser Streiks zeigt, wie abhängig die Gesellschaft von Mobilität ist. Darauf gründet die Macht der GDL und der VC. Ihre Mitglieder arbeiten an den Schaltstellen der Mobilität. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit für Lokführer und Piloten.

Oder erinnert sich noch jemand an den längsten Arbeitskampf im vergangenen Jahr? Es war der Tarifstreit im Einzelhandel. Von Mai bis Dezember 2013 zählte das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hanns-Böckler-Stiftung Tausende Streikaktionen bei mehr als 950 Einzelhändlern.

Die Deutschen trotzen dem Chaos

Kaum ein Politiker dürfte sich damals eingemischt haben. Beim aktuellen Streit zwischen GDL und Bahn fordert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hingegen die Lokführer auf, sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen. Schließlich sei die Bahn das zentrale Verkehrsmittel in Deutschland.

GDL und VC nutzen ihre Macht über Millionen Fahrgäste, um ihre Forderungen durchzusetzen. Doch das große Chaos blieb bisher aus, obwohl der Bahnstreik mitten in die Herbstferien fällt. Denn die Kunden haben Ausweichmöglichkeiten. So manch treuer Bahnkunde hat an diesem Streikwochenende zum ersten Mal einen Fernbus bestiegen - und könnte auch in Zukunft den Preisvergleich zwischen Straße und Schiene machen.

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Streiks bei Bahn und Lufthansa: Leere Gleise, stehende Flieger

Härter dürfte es Unternehmen treffen. Denn auch im Güterverkehr wird bereits seit Freitag gestreikt. Industrieunternehmen fürchten Lücken in ihren straff organisierten Lieferketten. Anders als Privatreisende haben die Unternehmen viel weniger Möglichkeiten, auf andere Transportwege auszuweichen. Auch der Handel warnte vor erheblichen Lieferverzögerungen.

Für die deutsche Wirtschaft kommen die Streiks zu einer ungünstigen Zeit. Die Stimmung in den Unternehmen hat sich verschlechtert. Das Wachstum in Europa ist schwach, bei den weltweiten Konflikten keine Entspannung in Sicht. Konjunkturprognosen wurden bereits gesenkt.

Löst die Bundesregierung den Konflikt?

Angesichts der Sorgen um die schwächelnde deutsche Wirtschaft dürfte das Verständnis für die Anliegen der Lokführer und Piloten eher schwinden. Denn ihre Anliegen sind recht speziell. Die Vereinigung Cockpit kämpft dagegen, dass Flugzeugkapitäne später als bisher in den bezahlten Vorruhestand gehen müssen. Bei der GDL geht es vor allem um einen Machtkampf mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die GDL will künftig bei Tarifverhandlungen auch für Zugbegleiter und andere Bahnmitarbeiter verhandeln. Die Bahn will aber keine konkurrierenden Tarifabschlüsse für dieselbe Berufsgruppe.

Die festgefahrenen Tarifstreitigkeiten bei der Bahn und der Lufthansa könnten am Ende die Bundesregierung zum schnellen Handeln animieren. Sie arbeitet an einem Gesetz zur sogenannten Tarifeinheit. Das könnte Spartengewerkschaften wie GDL und VC hart treffen. Denn das Gesetz könnte im Extremfall deren Streiks verbieten, weil die größeren Gewerkschaften mit mehr Mitgliedern in einem Betrieb dann Vorrang hätten.

Je länger Lokführer und Piloten sich querstellen, umso mehr könnte sich die Regierung zum Eingreifen gezwungen sehen. Zumindest bei der Bahn soll es nun erst einmal Zeit zum Nachdenken geben. GDL-Chef Claus Weselsky hat eine siebentägige Streikpause angekündigt. Mal sehen, wie die Piloten darauf reagieren.

Lufthansa-Streik am 20. und 21. Oktober
Die Piloten der Lufthansa werden ab Montag, 13 Uhr, bis Dienstag, 23.59 Uhr streiken - betroffen sind Kurz- und Mittelstreckenflüge und am Dienstag ab 6 Uhr auch Langstreckenflüge. Die wichtigsten Infos für Reisende finden Sie hier.

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insgesamt 250 Beiträge
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    Seite 1    
1. Pofalla
jancker 19.10.2014
ich lach mich Schlapp. Für den Pofalla schmeißt die Bahn wahrscheinlich Millionen aus dem Fenster, ohne dass es einen Mehrwert bringt. Für die paar Kröten der Lokführer ist dann kein mehr da....
2. Kopfschmerzen statt Spaß
pifpaf01 19.10.2014
Ich muss (mit meiner Familie) morgen fliegen und statt Spaß und Freude, habe ich Kopfschmerzen! Diese Kopfschmerzen wird mir die Lufthansa und ihre Piloten zurückzahlen!
3. Antwort eines ehemals treuen Kunden
tütata 19.10.2014
Traurig aber wahr: aus gegebenem Anlass werden wir uns in Kürze einen Zweitwagen zulegen. Mit der Bahn in den Urlaub? Vorerst nicht mehr.
4. Aber die Politik
Lankoron 19.10.2014
hat die Gewerkschaftseinheit doch selber erst ausgelöst....vor allem mit ihrer Unterstützung der "christlichen" billig-gewerkschaften. Und jetzt will sie das Problem lösen? Und braucht dazu wieder Monate und haufenweise externe Berater, um am Ende wieder vors BVefG gezottelt zu werden?
5. streik passt überhaupt nicht
oldman2000 19.10.2014
mal sind es die Ferien, mal wegen des Aufschwungs, dann wieder wegen des Abschwungs oder mittelst in der Arbeitswoche wegen der Pendler. Am besten sollte man gar nicht streiken. Jetzt mal ehrlich, ich stand deswegen auch in der letzten Woche doppelt so lange im Stau und es nervt natürlich, das man für jeden Weg mehr Zeit braucht. Aber, Streik ist ein legitimes Mittel um die Interessen der Arbeitnehmer durchzusetzen. Durch die Lohnzurückhaltung in den letzten Jahrzehnten hat vor allen Dingen eine Gruppe gewonnen, nämlich die, die ihr Einkommen aus leistungslosen Kapitaleinkünften beziehen. Die Gruppe der Menschen in diesem Land, die jeden Tag aufstehen und auf Arbeit gehen, waren so blöde und haben sich immer wieder einreden lassen, das Zurückhaltung bei Lohn- und Gehaltsabschlüssen gut sei. Seit über 10 Jahren stagnieren die Realeinkommen, gehen sogar leicht zurück. Es wird endlich mal Zeit, das auch die Arbeitnehmer endlich ein dickes Plus im Geldbeutel bekommen. Zeit wird es. Es kann nicht sein, das Einkünfte in den oberen Etagen der Unternehmen und Gesellschaft weiter steigen, während die, die eigentliche Arbeit machen, bestenfalls nur mit Brotkrumen abgespeist werden.
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