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05. November 2014, 15:49 Uhr

Arbeitskampf der Lokführer

GDL-Chef deutet noch längeren Streik an

Die GDL bleibt auf Streikkurs. Den Schlichtungsvorschlag der Bahn lehnt Gewerkschaftschef Weselsky als Angriff auf ein Grundrecht ab. Zugleich lässt er durchblicken, der Streik könne noch länger dauern als die angekündigten vier Tage.

Berlin - Die Lokführergewerkschaft GDL hat den Vorschlag der Deutschen Bahn abgelehnt, kurzfristig in ein Schlichtungsverfahren einzusteigen. Das sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky am Mittwoch in Berlin. Der angekündigte Streik werde wie geplant umgesetzt. Es gehe um das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit, das die Bahn verletzen wolle. Darüber könne man nicht verhandeln.

Zugleich deutete Weselsky an, dass die GDL den Streik auch noch über die zunächst angekündigten vier Tage hinaus verlängern könnte. Die Streikkasse sei dafür ausreichend gefüllt, sagte der Gewerkschaftschef, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Ähnlich äußerte sich der GDL-Bezirksvorsitzende für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Frank Nachtigall. Der "Berliner Zeitung" sagte er, es sei "im Bereich des Möglichen, dass die nächste Aktion für eine noch längere Zeit angesetzt wird."

Mit einer Schlichtung wollte die Deutsche Bahn den Lokführerstreik in letzter Minute abwenden. In dem festgefahrenen Tarifkonflikt sollten beide Seiten jeweils einen unparteiischen Schlichter benennen, die dann einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen sollen, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Mittwoch in Berlin.

Zuvor hatte neben der Bahn auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine Schlichtung plädiert. Es müssten Lösungen gefunden werden, "die auch für uns als Land einen möglichst geringen Schaden haben", sagte sie am Mittwoch in Berlin. Merkel betonte, dass ein Streik bei der Bahn Millionen Bürger und auch die Wirtschaft treffe. "Es gibt eine Gesamtverantwortung", sagte die CDU-Chefin.

Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg sagte, der Streik koste die Bahn 50 bis 60 Millionen Euro. Die Hälfte der Güterzüge werde dennoch fahren, im Fernverkehr sei es etwa ein Drittel der Züge, im Regionalverkehr im Osten Deutschlands 20 Prozent, in Westdeutschland 40 bis 60 Prozent.

Auch andere Wirtschaftsvertreter warnten vor den möglichen Streikfolgen. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Achim Dercks sprach von "Gift für den Standort Deutschland." Streiks im Güterverkehr führten bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen, weil Bahntransporte oft nicht kurzfristig auf Straßen oder Schiffe verlagert werden könnten. "In Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie ist die Produktionskette komplett auf Just-in-time-Produktion ausgerichtet."

So sieht es auch der Großhandelsverband BGA. Besonders betroffen vom Streik sei der Chemiehandel. "Aber auch für die deutschen Stahl- und Metallhändler oder die Automobilzulieferer ist die Schiene wegen der zu transportierenden Masse unverzichtbar", sagte BGA-Präsident Anton Börner.

Alternative zur Bahn: Audi verlagert Transporte auf die Straße

Audi kündigte an, wegen des Streiks würden Transporte von der Schiene auf die Straße verlegte. "Einzelne, wichtige Lieferungen versuchen wir schon jetzt von der Bahn umzuleiten, zum Beispiel auf Lastwagen", sagte ein Sprecher des Autokonzerns. Pro Arbeitstag fahren laut Audi normalerweise etwa 15 Güterzüge der Deutschen Bahn vom und zum Werk in Ingolstadt.

Bei BMW beurteilte man die Streiks vorerst gelassener: "Die Bahn hat uns einen reibungslosen Transport zugesichert", sagte eine Sprecherin. "Wir gehen auch davon aus, dass das bis Ende der Woche stabil läuft." Derzeit seien täglich elf bis zwölf Güterzüge mit je 200 bis 220 neuen BMW-Fahrzeugen unterwegs. Das sind nach Konzernangaben etwa 60 Prozent aller hergestellten BMW-Wagen.

Ein Sprecher von Volkswagen sagte: "Wir beobachten die weitere Entwicklung sehr aufmerksam. Unser Ziel ist es, die Produktion an unseren Standorten aufrechtzuerhalten." Details zu denkbaren Folgen für die Unternehmenslogistik nannte er nicht. Neben der alltäglichen Logistik für den Autobau hängt VW auch an den Seehäfen von der Schiene ab.

dab/mik/dpa/Reuters

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