Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Reaktion auf Streiks: CDU-Arbeitnehmer wollen Bahn wieder zur Behörde machen

Der Unmut über den Arbeitskampf bei der Bahn führt zu beachtlichen Forderungen. Der Arbeitnehmerflügel der CDU stellt nun die Bahnprivatisierung infrage. Lokführer sollen wieder zu Beamten werden - die nicht streiken dürften.

Bahn-Zentrale in Berlin: Bald die "Bundesagentur für Mobilität"? Zur Großansicht
Getty Images

Bahn-Zentrale in Berlin: Bald die "Bundesagentur für Mobilität"?

Berlin - Angesichts der erneuten Streiks bei der Lokführergewerkschaft GDL stellt die Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) die Privatisierung der Deutschen Bahn infrage. Der CDA-Vizevorsitzende Christian Bäumler sprach sich gegenüber "Handelsblatt Online" dafür aus, die Bahn wieder zur Behörde zu machen: "Die Deutsche Bahn sollte in eine Bundesagentur für Mobilität umgewandelt und die Lokführer verbeamtet werden."

Die Bahn war 1994 in ein privatrechtliches Unternehmen umgewandelt worden. Nachdem ein ursprünglich geplanter Börsengang auf Eis gelegt wurde, gehört die Bahn weiterhin zu 100 Prozent dem Staat. Doch die Mehrheit der Lokführer ist heute nicht mehr verbeamtet und darf deshalb streiken. Kritiker des Bahnstreiks hatten mit Verweis auf die Bedeutung der Bahn für das öffentliche Leben das uneingeschränkte Streikrecht infrage gestellt. Auch Bäumler sagt nun, die Bahn sei "für die Infrastruktur und die Mobilität in Deutschland unverzichtbar".

Auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, nannte die Bahn-Privatisierung als einen Grund für die Eskalation des Tarifkonflikts. "Es waren Politiker, die entschieden haben, dass der Bahnverkehr privatisiert und somit in die Spielregeln der Tarifauseinandersetzung entlassen wird", sagte Wendt "Handelsblatt Online". "Nicht die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes beten seit mehr als 20 Jahren die Marktgesetze an, sie haben im Gegenteil immer vor den fatalen Auswirkungen dieser Privatisierung gewarnt und tun das immer noch."

Mit Klagen über den Streik bejammerten Politiker die Folgen ihrer eigenen Entscheidungen, so Wendt weiter. "Wer vom Grundrecht auf Mobilität oder von Bahnfahren als öffentlicher Daseinsfürsorge redet, hat entweder seinerzeit unverantwortlich gehandelt oder immer noch nicht verstanden, was er angerichtet hat."

Die GDL hat ab Donnerstag um 2 Uhr einen bundesweiten Streik im Personenverkehr für vier Tage angekündigt. Es ist der sechste Ausstand im laufenden Konflikt mit der Bahn und der längste seit der Privatisierung 1994. Mittlerweile wächst auch aus der Politik die Kritik am Verhalten der GDL. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderten die Einschaltung eines Schlichters.

Überblick: Der Tarifkonflikt bei der Bahn
Was will die GDL?
Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn bei kürzeren Arbeitszeiten. Zusammengerechnet ergibt sich eine Steigerung von 15 Prozent. Weselsky will zudem künftig nicht nur Tarife für die rund 19.000 Lokführer aushandeln, sondern auch für die Zugbegleiter und Rangierführer unter den GDL-Mitgliedern. Bislang wurden diese von der Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten.
Was bietet die Bahn?
Die Bahn bietet eine dreistufige Einkommenserhöhung um fünf Prozent, verteilt auf 30 Monate. Dazu eine Einmalzahlung von rund 325 Euro. Konkurrierende Tarifverträge innerhalb einer Berufsgruppe will der Konzern aber in jedem Fall vermeiden. Die Bahn hatte angeboten, bei Tarifgesprächen künftig parallel mit GDL und EVG zu verhandeln. Sollte dann nur eine Gewerkschaft einem Kompromiss zustimmen, soll dieser auch nur für ihre Mitglieder gelten. Die andere Gewerkschaft soll nach Willen der Bahn dann aber nicht mehr streiken dürfen.
Was kosten Bahnstreiks die Wirtschaft?
Streiks bei der Deutschen Bahn kosten die Wirtschaft nach Prognose von Forschern schnell einen dreistelligen Millionenbetrag, abhängig von Länge und Intensität. "Bei durchgängigen Streiks von mehr als drei Tagen sind in der Industrie Produktionsunterbrechungen zu erwarten", schreibt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). "Die Schäden können dann schnell auf mehr als 100 Millionen Euro pro Tag steigen."

dab

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 118 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nicht die schlechteste Idee
pirx64 05.11.2014
Fehler machen ist nicht so schlimm, wenn man diese erkennt und korrigiert.
2. Vernünftig
tapier 05.11.2014
Hab ich nix gegen, wenn die Lokführer wieder Beamte werden. Dann aber die ganzen anderen auch, und schon läuft es wieder rund.
3. alles das stimmt
dieter-ploetze 05.11.2014
es wirft auch ein ziemlich schlechtes licht auf die Politiker, die damaligen,die die Privatisierung initiierten und die jetzigen,die auf die GdL lospoltern.es ist eine Sache der politik.da liegt der ball.
4. Hat mir einer zugehört?
ohne_sorge 05.11.2014
Erst gestern habe ich das hier im Forum gepostet. Allerdings löst das immer noch nicht die Probleme der maroden Bahninfrastruktur, die man über die Jahre hat vergammeln lassen...
5. dieser Vorschlag ist überfällig....
lupo44 05.11.2014
war schon seit längeren auch mein Vorschlag. Diese Streikwelle artet inzwischen in Nötigung aus. Neben den wirtschaftlichen Schaden. Beiallen Verständnis für den Streik als solches. Aber bitte schnell handeln!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verkehrslage in Deutschland
Bahn-Unternehmen
Die Deutsche Bahn informiert auf dieser Seite sowie unter der kostenpflichtigen Telefonnummer 0180-6996633 über kurzfristige Verkehrsbehinderungen im Regional- und Fernverkehr. Die kostenlose Hotline mit der Nummer 08000-996633 ist nur in Sonderfällen geschaltet. Die Web-Seiten der sechs privaten Bahnunternehmen:

Abellio
Arriva
Benex
Hessische Landesbahn
Keolis
Veolia Verkehr
Straßenverkehr
Gezielt können Autofahrer Autobahnen, Strecken und Orte nach Staus und Baustellen abfragen unter:

ADAC
Verkehrsinformation.de
Flughäfen
Fluglinien
Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Airlines auf diesen Websites bekannt:

Air Berlin Air France
British Airways
Condor
Germanwings
Iberia
Lufthansa
Ryanair
SAS Scandinavian Airlines
Southwest Airlines
Tuifly
United Airlines

Fotostrecke
Logistik-Riese: Wichtige Fakten über die Bahn
+++ LESERAUFRUF +++
Verspätungen, Zugausfälle, Gedrängel am Bahnhof: Der Ausstand der Lokführer stellt die Nerven der Fahrgäste auf eine harte Probe. Was haben Sie im Bahn-Streik erlebt?
Schildern Sie uns Ihre Erfahrungen - und mailen Sie sie an spon_reise@spiegel.de, Betreff: Bahnfahrten

Eine Auswahl der Einsendungen wird bei SPIEGEL ONLINE veröffentlicht. Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an dem Material besitzt und mit der Veröffentlichung einverstanden ist.

Bahngewerkschaften
Welche Gewerkschaften spielen eine Rolle in der Bahnbranche?
Mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gibt es in der deutschen Bahnbranche zwei rivalisierende Gewerkschaften. Bis Ende 2010 waren es sogar drei - bis Transnet und die Verkehrsgewerkschaft GDBA zur EVG fusionierten.
Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist mit 240.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Beschäftigten in der Bahnbranche. Sie ist Ende 2010 aus der Fusion von Transnet und GDBA hervorgegangen, die zuvor schon kooperiert hatten. Die EVG gehört dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) an. Ihre Mitglieder kommen aus allen Bereichen der Deutschen Bahn sowie von privaten Bahn- und Busgesellschaften.
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GdL)
Die 1867 als Verein Deutscher Lokomotivführer gegründete GDL hat 34.000 Mitglieder. In ihr sind nach Gewerkschaftsangaben rund 75 Prozent der Lokführer bei der Deutschen Bahn und ein Drittel der Zugbegleiter organisiert. Die GDL gehört dem Beamtenbund an.
Getty Images
Wissen Sie, was ein Bahn-Kuss ist? Wie pünktlich ein Shinkansen ist? Und ob die Deutsche Bundesbahn wirklich mit Mondstaub zu scherzen wagte? Allerhöchste Eisenbahn für das SPIEGEL-ONLINE-Quiz. Volldampf voraus!


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: