Bahnverband CER Rüttgers zieht Kandidatur als Bahn-Chef-Lobbyist zurück

Jürgen Rüttgers zieht die Reißleine: Nordrhein-Westfalens ehemaliger Ministerpräsident steht nicht mehr als Kandidat für den Posten des Cheflobbyisten beim europäischen Bahnverband CER zur Verfügung. Im Vorfeld konnte der CDU-Mann offenbar keine Mehrheit gewinnen.  

CDU-Mann Rüttgers: nicht mehr Kandidat der Bahn beim europäischen Lobbyverband
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CDU-Mann Rüttgers: nicht mehr Kandidat der Bahn beim europäischen Lobbyverband


Bonn - Jürgen Rüttgers (CDU) wechselt nun offenbar doch nicht in die Wirtschaft. Der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident zieht seine Kandidatur als Cheflobbyist des europäischen Bahnverbandes zurück.

Es sei im Einvernehmen mit Rüttgers vereinbart worden, dass er "nicht mehr als Kandidat zur Verfügung steht", bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) am Dienstag einen Zeitungsbericht. Gründe für den Rückzug wollte der Sprecher nicht nennen.

Rüttgers sei einer von mehreren Kandidaten für die am 12. September in Bonn vorgesehene Wahl, hatte die Sprecherin der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen (CER), Eva Böckle, noch vor zwei Wochen der Nachrichtenagentur dpa gesagt. Inzwischen hat der 60-Jährige die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) wissen lassen, in Abstimmung mit der Spitze der Deutschen Bahn stehe er für das Amt nicht zur Verfügung. Als Begründung gab er an, die künftige Struktur des CER passe nicht mit seinen Vorstellungen zusammen.

Auf der CER-Generalversammlung soll am kommenden Montag in Bonn über die Nachfolge von Johannes Ludewig entschieden werden. Der 66-Jährige, früher Chef der DB, übt das Amt des CER-Exekutivdirektors in Brüssel noch bis Ende 2011 aus. Vorgeschlagen worden war Rüttgers von der DB. Das Unternehmen werde nun keinen anderen eigenen Kandidaten mehr vorschlagen, sagte der DB-Sprecher.

CER weist Gerüchte über gescheiterte Wahl zurück

CER-Sprecherin Böckle hatte Medienberichte als falsch zurückgewiesen, denen zufolge es bereits Anfang Mai eine Wahl gegeben haben soll, bei der Rüttgers gescheitert sei. Darin hatte es geheißen, Rüttgers habe bei der Hauptversammlung der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen (CER) in Paris zwar die meisten Stimmen der fünf Kandidaten erhalten, aber nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Vor allem die Franzosen hätten sich gegen einen deutschen Kandidaten gesperrt. Das Verhältnis zwischen der Deutschen Bahn und der französischen SNCF gilt seit Jahren als gespannt.

Die Wahlentscheidung sei damals auf den September verschoben worden, sagte Böckle. Die "Wirtschaftswoche" hatte berichtet, dass es in der CER Widerstand gegen Rüttgers gebe und sich auch viele kleinere EU-Staaten dagegen wehrten, den Posten wieder mit einem Deutschen zu besetzen.

Rüttgers hatte nach seiner Abwahl als Ministerpräsident im Juni 2010 seinen Rückzug von allen politischen Ämtern angekündigt, er ist aber weiter CDU-Landtagsabgeordneter in Düsseldorf. Der ehemalige CDU-Bundesvize und Bundesminister arbeitet außerdem als Anwalt.

dis/dpa



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