Fabrikeinsturz in Bangladesch Zwei westliche Firmen entschädigen Opfer

Für die Hinterbliebenen ist es nur ein schwacher Trost: Zwei westliche Firmen versprechen den Opfern des Fabrikeinsturzes in Bangladesch Hilfen. Andere Unternehmen sind zurückhaltender.

Räumarbeiten am Unglücksort in Bangladesch: "Hängt den Mörder"
AFP

Räumarbeiten am Unglücksort in Bangladesch: "Hängt den Mörder"


London/Dublin - Noch sind nicht alle Opfer geborgen, das Ausmaß des Fabrikeinsturzes in Bangladesch ist immer noch nicht ganz erfasst. Zwei westliche Firmen stehen nun immerhin zu ihrer Verantwortung und kündigten ihre Unterstützung für die Opfer der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch an. Die kanadische Supermarktkette Loblaw teilte am Montagabend mit, die Betroffenen und ihre Familien sollten "jetzt und in der Zukunft" Hilfe erhalten.

Einen konkreten Betrag nannte das Unternehmen nicht. Die Einzelheiten müssten noch ausgearbeitet werden, hieß es in der Erklärung. Loblaw bestätigte, dass Zulieferer der Supermarktkette in der Unglücksfabrik herstellen ließen.

Zuvor hatte schon die britische Billigtextilkette Primark Unterstützung für die Opfer angekündigt. Die spanische Kleidermarke Mango erklärte hingegen, sie habe in einer der Werkstätten lediglich Muster fertigen lassen. Der italienische Konzern Benetton bestätigte eine "einmalige Bestellung" in der Fabrik.

Das mehrstöckige, illegal errichtete Gebäude mit fünf Werkstätten war am Mittwoch vergangener Woche eingestürzt, bis zum Dienstag wurden fast 400 Todesfälle bestätigt. Zum Unglückszeitpunkt sollen sich etwa 3000 Menschen in der Fabrik aufgehalten haben. Es war der schlimmste Industrieunfall in Bangladeschs Geschichte.

Der Eigentümer des Gebäudes wurde am Montag erstmals vor Gericht angehört, er war zuvor an der Grenze zu Indien festgenommen worden. Vor dem Gericht in Dhaka forderten Opferangehörige die Todesstrafe für Sohel Rana: "Hängt Rana, hängt den Mörder", riefen etwa hundert Menschen. Er wird von der Staatsanwaltschaft der fahrlässigen Tötung beschuldigt.

yes/AFP/dpa

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markus_wienken 30.04.2013
1. .
Zitat von sysopAFPFür die Hinterbliebenen ist es nur ein schwacher Trost: Zwei westliche Firmen versprechen den Opfern des Fabrikeinsturzes in Bangladesch Hilfen. Andere Unternehmen sind zurückhaltender. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bangladesch-primark-und-loblaw-versprechen-hilfen-a-897310.html
Nicht unbedingt notwendig aber auf jeden Fall eine nette Geste.
skeptiker97 30.04.2013
2. Besser in Südeuropa
Es wäre besser, wenn solche Produkte in z.B. Südeuropa gefertigt würden, wie das früher mal der Fall war. Aber weil es immer billiger werden soll (nur für die "Hersteller", die eigentlich nur noch Händler sind), werden solche katastrophalen Verhältnisse heraufbeschworen. Der Abzug der Produktion aus Europa ist übrigens ein wesentlicher Teil des Schuldenproblems in Südeuropa, das viele dieser Produkte früher geliefert hat. Außerdem ist dieser unsinnig lange Transportweg nicht gerade besonders ökoligisch sinnvoll. Es wird höchste Zeit, das rückgängig zu machen.
markus_wienken 30.04.2013
3. .
Zitat von skeptiker97Es wäre besser, wenn solche Produkte in z.B. Südeuropa gefertigt würden, wie das früher mal der Fall war. Aber weil es immer billiger werden soll (nur für die "Hersteller", die eigentlich nur noch Händler sind), werden solche katastrophalen Verhältnisse heraufbeschworen. Der Abzug der Produktion aus Europa ist übrigens ein wesentlicher Teil des Schuldenproblems in Südeuropa, das viele dieser Produkte früher geliefert hat. Außerdem ist dieser unsinnig lange Transportweg nicht gerade besonders ökoligisch sinnvoll. Es wird höchste Zeit, das rückgängig zu machen.
Ach...und vorher sah es in Bangladesh besser aus? Blöd wenn man sich von einer Branche mehr oder weniger abhängig macht. Ja dann man los, gründen Sie Ihre eigene Firma und lassen Sie in Südeuropa produzieren.
flug430 30.04.2013
4. Warum jetzt erst?
Schade, erst nach so einem tragischen Unfall bekommen die Auftraggeber kalte Füße. Oder ist dies nur eine PR - Aktion. Die Händler stehen auch in der Verantwortung, dass auch menschwürdig produziert wird und anständige Löhne gezahlt werden. Jeder Auftraggeber sollte morgens in den Spiegel schauen, ob er das Preisdumping noch vertreten kann. Über 300 Tote für sehr billige Ware, ist dies das wert?
markus_wienken 30.04.2013
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Zitat von flug430Schade, erst nach so einem tragischen Unfall bekommen die Auftraggeber kalte Füße. Oder ist dies nur eine PR - Aktion. Die Händler stehen auch in der Verantwortung, dass auch menschwürdig produziert wird und anständige Löhne gezahlt werden. Jeder Auftraggeber sollte morgens in den Spiegel schauen, ob er das Preisdumping noch vertreten kann. Über 300 Tote für sehr billige Ware, ist dies das wert?
Das wäre wohl nur dann der Fall wenn es massive Proteste gegen diese beiden Firmen in den jeweiligen Ländern geben würde. Ich habe davon bishger noch nichts mitbekommen Vermutlich. Dennoch eine nette Geste. Evtl. moralisch. Wobei zu klären wäre ob die Löhne dort wirklich unanständig gewesen sind oder ortsüblich waren. Auch was das menschwürdige produzieren angeht sollten wir nicht in den Fehler verfallen unsere Maßstäbe an andere Länder anzulegen. Allein verantwortlich für die 300 Toten sind die Behörden, der Hausbesitzer, ggf. der Architekt und die Baufirmen in Bangladesch und nicht westliche Firmen die dort produzieren lassen.
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