Nach Streiks Textilfabriken in Bangladesch entlassen Hunderte Arbeiter

Seit zehn Tagen streiken Textilarbeiter in Bangladesch. Jetzt haben die Firmen - Lieferanten für westliche Modemarken - reagiert und Hunderte Arbeiter entlassen.

Proteste in Bangladesch
DPA

Proteste in Bangladesch


Textilfabriken in Bangladesch haben Hunderte Arbeiter entlassen. Die Zulieferer für westliche Modemarken hatten nach einem Streik 55 Fabriken etwa eine Woche lang schließen müssen. Bis zu 3500 Arbeitern sei gekündigt worden, Dutzende Anführer der Proteste müssten sich nun verstecken, sagte ein Gewerkschaftsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Die Polizei teilte dagegen mit, die Eigentümer der Fabriken hätten rund 1500 Arbeiter entlassen.

Die Textilarbeiter in Ashulia, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, hatten zunächst aus Protest gegen die Entlassung von 121 Kollegen gestreikt, dann aber auch deutlich mehr Lohn gefordert. Bislang bekommen sie den Mindestlohn von 5300 Taka (gut 63 Euro) im Monat - sie verlangen nun eine Verdreifachung. Die Polizei stufte die Arbeitsniederlegungen als illegal ein und nahm 30 Arbeiter und Gewerkschaftsvertreter fest, ebenso wie einen Fernsehreporter, der über die Ereignisse berichtete.

Die Fabriken in Ashulia nähen unter anderem für die Modemarken Gap, Zara und H&M. Gewerkschaftsvertreter hatten die Schließung kritisiert, die Fabriken seien die Existenzgrundlage für 200.000 Arbeiter, hießt es. Laut Polizei sind die Arbeiten inzwischen aber wieder angelaufen.

Die Textilindustrie sorgt für rund 80 Prozent der Exporte Bangladeschs. Eine größere und längere Unterbrechung der Produktion könnte starke Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft des armen Landes haben. Die örtliche Textilbranche steht immer wieder wegen der schlechten Bezahlung der Angestellten und der gefährlichen Arbeitsbedingungen in der Kritik. Die Arbeiter dort zählen zu den am schlechtesten bezahlten der Welt.

Der Präsident der Textilbranche in Bangladesch, Siddikur Rahman, sagte, nach der Anhebung des Mindestlohns durch die Regierung im Jahr 2013 gebe es "kaum eine Chance" auf eine weitere Erhöhung. Er verwies auf ein Gesetz, wonach Löhne nur alle fünf Jahre verändert werden könnten.

nck/AFP



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haresu 27.12.2016
1. Wer ist schuld?
Wir!
henry.miller 27.12.2016
2.
Ist halt Ausbeutung pur
ptb29 27.12.2016
3. Geiz ist geil
Solange es es billig ist, ist es egal, unter welchen Bedingungen produziert wird. Das nennt sich Kapitalismus. Wir liefern auch Waffen nach Saudi-Arabien, ein Land, in dem Menschenrechte an oberster Stelle stehen. Auch das ist Kapitalismus. Beim Geldverdienen ist uns keine Schweinerei groß genug, um mehr zu verdienen. Und wer hat es bereits im 19. Jahrhundert gewusst? Karl Marx.
Fakler 27.12.2016
4. Modemarken Gap, Zara und H&M
Hilft nur ein Boykott der Modemarken Gap, Zara und H&M.
unky 27.12.2016
5. Firmen sollten Verantwortung tragen ...
... und bessere Arbeitsbedingungen bei ihren Produzenten durchsetzen. Und wir Konsumenten sollten das von den Modelabels einfordern! Bislang machen wir uns alle schuldig, weil wir unseren Konsum dem Elend der anderen verdanken - und dann jammern, wenn Menschen aus aller Welt nach Europa wollen. Das sind dann die so verächtlich "Wirtschaftsflüchtlinge" Genannten.
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