Brandkatastrophe: Wal-Mart stoppt Zusammenarbeit mit Fabrik in Bangladesch

Die verheerende Brandkatastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch hat Konsequenzen: Der US-Handelskonzern Wal-Mart beendet seine Arbeit mit dem Lieferanten, berichtet der Sender CNN. Vom Besitzer der Unglücksfabrik fehlt jede Spur.

Arbeiterin der Brandfabrik in Bangladesch: Ohne Erlaubnis als Subunternehmer eingesetzt Zur Großansicht
AFP

Arbeiterin der Brandfabrik in Bangladesch: Ohne Erlaubnis als Subunternehmer eingesetzt

Washington/Berlin - "Heute haben wir die Beziehung mit diesem Lieferanten beendet." Dieser Satz - vom US-Sender CNN am Dienstag verbreitet - soll aus einer Erklärung von Wal-Mart stammen. Der US-Handelsriese zieht damit offenbar die Konsequenzen aus der Brandkatastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch. Die Fabrik dürfe nicht länger für Wal-Mart produzieren, berichtete CNN unter Berufung auf den Konzern. Ein Lieferant habe die Fabrik ohne Erlaubnis als Subunternehmer eingesetzt.

Am Wochenende war in der Fabrik in Bangladesch ein Feuer ausgebrochen, viele Arbeiter saßen in dem Gebäude fest, mehr als hundert Menschen starben in den Flammen. Die Fabrik Tazreen Fashion Limited gehört zur Tuba Group, die laut Unternehmenshomepage unter anderem für C&A, Carrefour und Wal-Mart produziert.

Die Polizei vor Ort fahndet derzeit nach dem Fabrikbesitzer. Delwar Hossain solle unter anderem zu den Vorwürfen befragt werden, wonach Bauvorschriften bei der neunstöckigen Fabrik nicht eingehalten wurden, sagte der Polizeichef von Dhaka, Habibur Rahman. Auch gebe es Berichte, wonach Manager der Fabrik trotz des Feuers den Arbeitern verboten hätten, das Gebäude zu verlassen. So sei den Arbeitern gesagt worden, es handele sich um eine Brandschutzübung.

Für diesen Dienstag war im ganzen Land Trauerbeflaggung angeordnet. Zudem verfügte die Regierung per Dekret, dass die rund drei Millionen Arbeiter in der Textilbranche einen Tag lang nicht arbeiten mussten. In Bangladesch gibt es rund 4000 Textilfabriken. Die Gewerkschaften des Landes üben seit langem Kritik an den mangelnden Sicherheitsvorkehrungen in den Betrieben.

"Null-Toleranz-Politik" der Konzerne gefordert

Der Chef des deutschen Textildiscounters Kik, Michael Arretz, sagte der "Welt", die Notwendigkeit des Feuerschutzes sei "einfach noch nicht in allen Köpfen in den Produktionsländern angekommen". Notfalls müssten die großen Handelskonzerne das gemeinsam in die Hand nehmen, wenn der staatliche Verband in Bangladesch, der für den Brandschutz zuständig ist, nicht vorankommt. Kik hatte in der Fabrik in Bangladesch bis August nähen lassen.

Der Billiganbieter ließ auch in einer Fabrik im pakistanischen Karachi Jeans fertigen, in der bei einem Brand im September mindestens 289 Arbeiter starben. Arretz plädierte für "eine Null-Toleranz-Politik" der Handelskonzerne: "Hersteller, die gegen Vorschriften verstoßen, werden abgemahnt und verlieren im Wiederholungsfall den Auftrag." Darüber sei Kik auch mit anderen Händlern aus Europa in Gesprächen. "Brandschutz ist ja nicht so kompliziert - das macht die jüngsten Vorfälle umso tragischer."

yes/dpa-AFX/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. WalMart beendet die Zusammenarbeit...
derlabbecker 27.11.2012
Zitat von sysopDie verheerende Brandkatastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch hat Konsequenzen: Der US-Handelskonzern Wal-Mart beendet seine Arbeit mit dem Lieferanten, berichtet der Sender CNN. Vom Besitzer der Unglücksfabrik fehlt jede Spur. Bangladesch: Wal-Mart stoppt Zusammenarbeit mit Textilfabrik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bangladesch-wal-mart-stoppt-zusammenarbeit-mit-textilfabrik-a-869516.html)
... mit der Fabrik. Super, die ist ja eh abgebrannt und produziert auf Dauer erstmal nix mehr. Da ist sowas ja einfach... WalMart wird jetzt in einer Nachbarfabrik produzieren, in der der Brandschutz unddie Bezahlung auf gleichem Niveau sein dürften... Solange die Leute T-Shirts für 2 €, und Jeans für 5 € verlangen und kaufen wird sich da nix ändern...
2. Kapitalismus 1.0 ist tot
vogelskipper 27.11.2012
Das hilft den Arbeiterinnen aber ganz viel, wenn jetzt gar kein Umsatz mehr gemacht wird, von dem sie mehr schlecht als recht über die Runden kamen. Bravo Wal-mart, so stiehlt man sich aus jeglicher Verantwortung! Wahrscheinlich hätte es für eine brandschutzkonforme Produktionshalle mit menschenwürdigen Arbeitsbedingungen gereicht, wenn man die Jeans in den USA für 11,99 ¢ anstatt 10,99 ¢ verkauft hätte. Dem US-Kunden wäre das gar nicht aufgefallen, aber vielen Menschen in Bangladesh, Indien, etc. hätte es geholfen. Aber so ist der viel gelobte Kapitalismus, er schafft es auf Kosten vieler Menschen einige Wenige zu bereichern. Es wird wirklich aller höchste Zeit für Kapitalismus 2.0: Wie schaffen wir es, dass Waren unter menschenwürdigen Bedingungen so produziert werden, dass die Umwelt, Resourcen und Menschen damit in Einklang existieren können. Nur so wird der mensch im Jahr 2200 auch noch etwas von diesem Planeten haben.
3. Brand Textilfabrik
jbk 27.11.2012
Das Grunduebel ist die " Geiz ist Geil " Mentalitaet der Weltbevoelkerung . Warum macht man kein Fair Trade fuer die Drittlaender Industrien . Die Super Einkauffirmen der Welt ,wie Walmart, profitieren enorm von dieser Schande, und die Amerikaner koennen billig einkaufen. Damit haben die Ihre finanzielle Situation der 90'er und der 00'er gerettet. Ein T-Shirt fuer 5 € kann doch nicht wahr sein. Denken die Kaeufer ueberhaupt nicht daruebernach , was sie da kaufen ? Alles muss billig sein , und beliefert wird von den Arbeitern und Arbeiterinnen der armen Drittlaender, die unter nicht menschenwuerdigen Umstaenden arbeiten muessen. Walmart und C&A wissen genau wie dort gearbeitet wird, Ersatz fuer diese verbrannte Fabrik haben die schon laengst gefunden.Es gibt viele Firmen dieser Sorte . Life goes on .
4. schwachsinn ............
ottohuebner 27.11.2012
Zitat von vogelskipperBravo Wal-mart, so stiehlt man sich aus jeglicher Verantwortung!
warum soll walmart verantwortung fuer die brandbestimmungen in bangladesh haben ? dafuer verantwortlich ist doch wohl ausschliesslich die regierung des landes.
5.
Luscinia007 27.11.2012
Zitat von sysopDie verheerende Brandkatastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch hat Konsequenzen: Der US-Handelskonzern Wal-Mart beendet seine Arbeit mit dem Lieferanten, berichtet der Sender CNN. Vom Besitzer der Unglücksfabrik fehlt jede Spur. Bangladesch: Wal-Mart stoppt Zusammenarbeit mit Textilfabrik - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bangladesch-wal-mart-stoppt-zusammenarbeit-mit-textilfabrik-a-869516.html)
... und sie wuschen ihre Hände in Unschuld. Da haben Walmart & Co. jahrelang auf dem Rücken der Näherinnen und aufgrund von fehlenden Sicherheitsmaßnahmen ihren Reibach mit billig geschneiderten Textilien gemacht, und jetzt, da das Geschäftsmodell in Flammen aufgegangen ist und hunderte Tote zu verzeichnen sind, will man nichts mehr damit zu tun haben. Jahrelang hat man über die katastrophalen Zustände hinweggesehen, solange es Geld gebracht hat. Jetzt distanziert man sich von den Geschäftspartnern. Verantwortung übernehmen sieht anders aus!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Bangladesch
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 10 Kommentare
  • Zur Startseite

Fotostrecke
Bangladesch: Textilfabrik wird zum Feuerkessel