Arbeitsbedingungen in Bangladesh: Große Modeketten beugen sich Protesten

Frau sucht Angehörigen: Textilarbeiter sollen unter besseren Bedingungen arbeiten Zur Großansicht
REUTERS

Frau sucht Angehörigen: Textilarbeiter sollen unter besseren Bedingungen arbeiten

1127 Menschen sind in der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesh getötet worden - jetzt wollen Modemarken wie H&M und C&A für bessere Bedingungen in den Fabriken ihrer Zulieferer sorgen. Auch Bangladeschs Regierung reagiert: Arbeiter sollen sich in Gewerkschaften organisieren können.

Hamburg - Nach dem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit mehr als 1100 Toten reagieren mehrere Modeketten nun auf den öffentlichen Druck: Die beiden weltgrößten Bekleidungsriesen H&M und die Zara-Mutter Inditex wollen die Arbeitsbedingungen in dem asiatischen Land verbessern. Man wolle einer entsprechenden Vereinbarung zustimmen, teilte H&M-Managerin Helena Helmersson am Montag mit. Ein Inditex-Sprecher bestätigte, dass der spanische Konzern ebenfalls dabei sein werde. Aus Deutschland wollen sich die Modekette C&A und der Konsumgüterhersteller Tchibo beteiligen.

Zuvor hatte es massive Proteste gegen die Behandlung der Arbeiter in den Textilfabriken gegeben, in denen Kleidung für die großen Modemarken hergestellt wird. Über das Politiknetzwerk Avaaz hatten fast eine Million Menschen gegen die Sicherheitsbedingungen in den Fabriken des südasiatischen Landes protestiert.

Die Internationale Arbeitsorganisation, Gewerkschaften wie Industriall und andere haben die auf fünf Jahre angelegte Vereinbarung ausgehandelt, deren finaler Entwurf am Mittwoch veröffentlicht werden soll. Ein Industriall-Sprecher forderte andere Einzelhändler wie Gap und Wal-Mart auf, sich ebenfalls anzuschließen.

Die neuen Regeln beinhalteten eine Stärkung der Arbeitsrechte, eine höhere Gebäudesicherheit mit mehr Brandschutz, bessere Ausbildung sowie finanzielle Unterstützung. Calvin-Klein-Mutter PVH habe signalisiert, sich ebenfalls mit einem Millionenbeitrag beteiligen zu wollen. Das Abkommen soll einen Schlussstrich unter eine Serie von Unglücken in der Textilindustrie von Bangladesch ziehen, die die großen Bekleidungshersteller in Verruf brachte. Ihnen wird vorgeworfen, die Bewohner des südasiatischen Landes als billige Arbeitskräfte zu missbrauchen.

Auch die Regierung von Bangladesch hat auf das Unglück reagiert: Sie kippte eine Regelung, wonach die Arbeiter für die Gründung einer Gewerkschaft die Zustimmung des Fabrikbesitzers brauchen. Bereits am Sonntagabend hatte das Kabinett entschieden, den gesetzlichen Mindestlohn von Textilarbeitern anzuheben. Dieser liegt derzeit bei etwa 30 Euro pro Monat. Eine neue Summe wurde aber noch nicht festgelegt.

Die Rettungskräfte haben ihre Suche nach Opfern in dem eingestürzten Fabrikgebäude eingestellt. Nach offiziellen Angaben wurden bis Montagabend 2438 Verletzte und 1127 Leichen geborgen.

ade/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die internationalen Modemarken
Held-der-Wahrheit 13.05.2013
wollen human produzieren. Das wäre schön, aber allein mir fehlt der Glauben.
2. .
jhea 13.05.2013
Große Modeketten beugen sich jetzt den Protesten! Für wie lange? 2 oder 3 Monate? Wann ist das Thema aus den Medien verschwunden, und besagten Konzernen geht das Thema wieder herrlich am Allerwertesten vorbei? Offenbar ging es dem einen Minister aus Bangladesch der Unfall dort, ja so lange am popo vorbei, bis sie dann den 500ten Toten aus dem Gebäude gezogen haben...
3. Wie glaubwürdig sind diese Bekundungen?
Prokrastes 13.05.2013
Die Klamottenketten konnten jetzt gar nicht anders reagieren. Genauer, dieser Reaktion ist das absolute moralische Minimum, ganz knapp oberhalb einer Nullreaktion. Nächstes Jahr gibt es wieder eine neue Kollektion bei KiK, Zara & Co., und niemand in Europa erinnert sich an die von den Produktionsbedingungen ermordeten Bangladeshis. Sind ja auch selbst schuld, hätten da ja nicht arbeiten gehen müssen, nichtwahr. Das gemeine ist, daß man als Verbraucher praktisch keinerlei Einfluss darauf hat, wo die Kleidung produziert wird. Ob man bei Billigstheimern wie KiK, Primark & Co. kauft, oder bei teureren "Marken"-Anbietern wie "Calvin Klein" - es kommt doch eh' alles aus den gleichen Fabriken. Allenfalls beim schwäbischen Schimpansenwerber und manchem Ökofilzanbieter kann man zumindest hoffen, daß deren Aussagen zutreffen und ihre Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen gefertigt wurden. Anscheinend braucht jedes Jahrhundert sein "Triangle-Shirtwaist-Unglück". Und es ändert sich -- nichts.
4. Ein Mindestlohn sollte verpflichtend sein
MeineMeinungist... 13.05.2013
und zwar für alle Länder dieser Erde. Auch Deutschland sollte endlich damit beginnen, bevor wir Verhältnisse wie in Bangladesch bekommen. hbommy
5. und was wird passieren...
hubi2013 13.05.2013
.... die Ausbeuter werden weiterziehen und woanders genau so weitermachen... früher kam die billige Mode aus Thailand und Indonesien und seit dem die Arbeitnehmerschaft sich gegen Ausbeutung gewehrt hat sind die grossen internationalen Firmen weitergezogen... ich glaube das Buch hiess Schwarzbuch der Markenfirmen
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Bangladesch
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 36 Kommentare
Fotostrecke
Bangladesch: Textilfabrik wird zum Feuerkessel

Fotostrecke
Über 100 Tote in Textilfabrik: Trauer um Brandopfer in Bangladesch