Frankfurt am Main - Die Furcht vor Rückschlägen für die Weltwirtschaft haben den Dax am Freitag zeitweise auf den niedrigsten Stand seit zwei Monaten gedrückt. Der deutsche Leitindex büßte am Nachmittag 1,6 Prozent ein, bevor er sich leicht erholte und noch mit 0,8 Prozent im Minus lag.
Besonders stark waren die Anteilsscheine der beiden Banken im Dax betroffen: Aktien der Commerzbank
verloren rund sechs Prozent an Wert, die der Deutschen Bank
zeitweise mehr als vier Prozent. Die Verunsicherung traf die Finanzwerte in der ganzen Euro-Zone. Der Index für die Banken des Währungsraums rutschte um 3,2 Prozent ab. Zu den größten Verlierern zählten außer Deutscher Bank und Commerzbank die französischen Institute Société Générale
und Crédit Agricole
, die zwischenzeitlich 4,4 bis 8,1 Prozent einbüßten. Am Nachmittag erholte sich der Aktienkurs der Deutschen Bank leicht und lag noch mit 2,4 Prozent im Minus.
Für die Verunsicherung scheinen vor allem zwei Aspekte verantwortlich zu sein: die sogenannte Fiskalklippe in Amerika und die trüben Aussichten für die kriselnde Euro-Zone. In den USA laufen zum Jahreswechsel Steuererleichterungen aus - falls sich Präsident und Kongress nicht auf einen neuen Etat einigen können, stehen automatische Ausgabenkürzungen an, die Experten zufolge die weltgrößte Volkswirtschaft in eine Rezession stürzen könnten.
Auch die Lage in der Euro-Zone bleibt schwierig. Im September war die Industrieproduktion in Frankreich und Italien deutlich zurückgegangen. Zudem scheint die Verabschiedung des Haushalts in Griechenland nicht mehr gesichert, nachdem das dazugehörige Sparpaket das Parlament nur mit hauchdünner Mehrheit passiert hatte. Von diesem Votum hängt ab, ob Griechenland weitere Finanzhilfen erhält. Aus EU-Ratskreisen hieß es, die Euro-Gruppe der Finanzminister dürfte kommenden Montag noch nicht darüber entscheiden.
Commerzbank kann mit Strategie nicht überzeugen
Spanien wiederum hat bislang nur Gelder für seinen maroden Bankensektor beantragt - seit Wochen wird darüber spekuliert, ob und wann das Land komplett unter den Rettungsschirm schlüpft. Bislang sperrt sich die Regierung in Madrid energisch dagegen, obwohl viele Anleger an den Finanzmärkten diesen Schritt für nötig halten.
Bei der Commerzbank kam am Freitag noch die Enttäuschung der Börsenprofis über die am Vortag vorgelegten Zahlen und Umbaupläne nach. Die Commerzbank will bis 2016 durch Milliardeninvestitionen neue Kunden in ihre Filialen locken und gleichzeitig eine Milliarde Euro an Kosten sparen. "Wir fragen uns, ob sich das bei dem harten Umfeld im Filialgeschäft in Deutschland lohnt, oder ob es sinnvoller wäre, ein Billigmodell zu fahren", schrieb die US-Bank Morgan Stanley.
fdi/Reuters/dpa-AFX
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