Umfrage in der Finanzbranche Viele Banken wollen 2017 die Gebühren erhöhen

Für Girokonten oder Überweisungen müssen viele Kunden künftig wohl mehr bezahlen. Ein Drittel aller Banken und Sparkassen will laut einer Umfrage 2017 die Preise anheben.

Banken in Frankfurt am Main (Archiv)
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Banken in Frankfurt am Main (Archiv)


Bankkunden in Deutschland müssen sich auf weiter steigende Gebühren einstellen. 32 Prozent der befragten Institute bitten Privatkunden bereits stärker zur Kasse oder planen dies bis Ende des Jahres, wie aus dem aktuellen Bankenbarometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hervorgeht.

"Banken müssen sich alle Gedanken machen: Wie finanziere ich meinen Betrieb?", sagte Dirk Müller-Tronnier, Bankenexperte der Firma. "Da scheint es nahezuliegen, Gebühren zu erheben für alles Mögliche - und dann ist die Frage: Kann ich mir das leisten?"

Für das EY-Bankenbarometer 2017 wurden im April 120 Banken in Deutschland befragt - Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen ebenso wie private Großbanken. Die Institute stehen gemessen an der Bilanzsumme nach EY-Angaben zusammen für 70 bis 80 Prozent des deutschen Bankenmarktes.

Der Wettbewerb um Kunden ist demnach in Deutschland nach wie vor hart. Wer Gebühren erhöhe, riskiere Kontokündigungen, sagte Müller-Tronnier. Letztlich erwarte er einen Verdrängungswettbewerb. 68 Prozent der 120 befragten Institute geben in der Umfrage daher auch an, sie wollten bei ihren Gebühren für Privatkunden in diesem Jahr alles beim Alten lassen. (Lesen Sie hier den Kommentar "Kontogebühren? Ja, bitte!)

Gebühren trotz guter Geschäftsaussichten

Wenn es für Kunden teurer wird, trifft es vor allem das Girokonto: Mehr als jede vierte Bank (27 Prozent) erhöht hierfür die Gebühren. Knapp jede fünfte Bank (19 Prozent) nimmt mehr für Überweisungen. "Früher war es möglich, mit hohen Zinseinnahmen andere Dienstleistungen quer zu subventionieren - das geht im aktuellen Niedrigzinsumfeld nicht mehr. Andere Ertragsquellen sind völlig versiegt", sagte Müller-Tronnier.

Viele Institute scheinen sich allmählich damit arrangiert zu haben, dass die Erträge nicht mehr so sprudeln wie früher. In der Summe beurteilen die Befragten ihre Geschäftsaussichten indes so positiv wie nie seit 2007, dem Beginn der EY-Umfrage. Vor allem bei Privatkunden und im Wertpapierhandel sehen Banken Wachstumspotenzial. 45 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Wirtschaftslage, nur jedes achte Institut rechnet mit einer Verschlechterung.

Zugleich sieht sich die Branche angesichts niedriger Zinsen einerseits und der Ausgaben für Regulierung und Digitalisierung andererseits zum Sparen gezwungen. 74 Prozent der Banken wollen daher Kosten sparen - nach dem Risikomanagement der zweitwichtigste Punkt. Zwei von fünf Banken planen in den nächsten zwölf Monaten zudem Stellenstreichungen, nur jedes zehnte befragte Institut will in der Zeit zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

apr/dpa

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