Banken auf Sparkurs: Geldgiganten schlittern in die Jobmisere

Alarmstimmung in der Finanzindustrie: Die Bank of America will angeblich bis zu 40.000 Stellen abbauen, britische Institute streichen im großen Stil Jobs, und auch andere Geldhäuser planen gewaltige Einsparungen. Doch all das könnte erst der Anfang sein.

Finanzplatz New York: Banken gehen auf Sparkurs Zur Großansicht
REUTERS

Finanzplatz New York: Banken gehen auf Sparkurs

Hamburg - Es ist die neueste Horrormeldung aus der Finanzbranche: Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" erwägt die Bank of America Chart zeigen, bis zu 40.000 Stellen zu streichen. Noch ist der Bericht nicht offiziell bestätigt. Dass mehr als die bisher angekündigten 10.000 Jobs wegfallen werden, scheint jedoch sicher.

Damit reiht sich die Bank of America ein in eine lange Liste von Finanzkonzernen, die einen Stellenabbau planen. Die Institute plagen gleich mehrere Probleme: Die Finanz- und Staatsschuldenkrise erschwert das Kapitalmarktgeschäft, weil Staatsanleihen drastisch an Wert verloren haben und auch der Aktienmarkt zuletzt fast nur nach unten rauschte.

Gleichzeitig zwingen die Investoren und Regulierungsbehörden die Banken dazu, ein größeres Eigenkapitalpolster aufzubauen. Das drückt auf die Rendite. Hinzu kommen weitere Belastungen. So macht die EU offenbar Ernst mit der geplanten europäischen Finanztransaktionssteuer, die vor allem die Geldindustrie trifft. EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta will einen entsprechenden Gesetzentwurf laut "Handelsblatt" Anfang Oktober vorlegen.

Bei der Bank of America und einigen anderen Geldhäusern kommen noch Klagen aus der Zeit der US-Immobilienkrise hinzu, die die Unternehmen zu hohen Vergleichszahlungen zwingen könnten. Um die Gewinne einigermaßen stabil zu halten, muss die Branche nun an den Personalkosten sparen. Der Stellenabbau betrifft längst nicht nur amerikanische Banken. Auch viele europäische Institute haben bereits erklärt, Tausende Jobs streichen zu wollen.

  • Die britische HSBC kündigte kürzlich an, bis zum Jahr 2013 insgesamt 30.000 Stellen abzubauen - das wäre jeder zehnte Job. Ähnlich drastisch geht es beim Konkurrenten Lloyds Chart zeigen zu. Dort sollen bis 2014 rund 15.000 Arbeitsplätze wegfallen.
  • Auch die anderen britischen Banken planen massive Einsparungen: Barclays will alleine in diesem Jahr rund 3000 Stellen abbauen. Knapp die Hälfte davon wurde bereits im ersten Halbjahr gestrichen. Bei der Royal Bank of Scotland Chart zeigen sollen insgesamt 2000 Arbeitsplätze wegfallen.
  • Die größte Schweizer Bank UBS Chart zeigen plant den Abbau von insgesamt 3500 Jobs. Besonders betroffen ist das Investmentbanking: Von den insgesamt 17.500 Mitarbeitern in diesem Bereich muss fast jeder zehnte gehen. Der Konkurrent Credit Suisse Chart zeigen will 2000 Stellen streichen.
  • Die US-Investmentbank Goldman Sachs Chart zeigen kürzt bis Jahresende 1000 der insgesamt rund 35.000 Arbeitsplätze.
  • Das zweitgrößte italienische Geldhaus Intesa Sanpaolo Chart zeigen will seinen Beschäftigtenbestand bis 2013 um 3000 Mitarbeiter reduzieren. Der Konkurrent Unicredit Chart zeigen hatte schon im vergangenen Jahr angekündigt, bis 2013 ebenfalls rund 3000 Jobs zu streichen.

Mehr als 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Zusammen mit den bis zu 40.000 Jobs bei der Bank of America könnten nach diesen Ankündigungen alleine bei den Großbanken in den kommenden Jahren mehr als 100.000 Arbeitsplätze wegfallen. Experten erwarten, dass es noch schlimmer kommen wird. Denn noch haben nicht alle Institute ihre Karten auf den Tisch gelegt. "Vielen Banken dürften die Anpassungen auf das neue Kostenumfeld erst noch bevorstehen", sagte der Präsident der Credit Suisse, Urs Rohner, Anfang dieser Woche auf einem Bankenkongress.

Damit dürfte er vor allem einige amerikanische Konzerne gemeint haben. Aber auch den deutschen Banken steht noch einiges bevor: Bei der Commerzbank Chart zeigen wurde im Zuge der Integration der Dresdner Bank bereits ein Abbau von 9000 Stellen angekündigt, mehr als die Hälfte davon ist schon umgesetzt. Auch bei den kriselnden Landesbanken wurden bereits Tausende Stellen gestrichen. Weitere dürften folgen.

Die Deutsche Bank Chart zeigen wehrt sich bisher noch gegen Gerüchte über ein bevorstehendes Sparprogramm. Doch Konzernchef Josef Ackermann hat sich ein Hintertürchen offen gelassen: Sollte es an den Finanzmärkten weiter so schlecht laufen wie im August, "dann werden wir über solche Maßnahmen nachdenken müssen".

stk

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insgesamt 42 Beiträge
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1. also..
andresa 09.09.2011
das wäre doch nun mal eine super Gelegenheit gewesen darauf hinzuweisen wie Banken Geld schöpfen und so ein Schneeballsystem organisieren: http://le-bohemien.net/2011/09/09/wie-banken-geld-machen/
2. Also ich hätte da einen super Vorschlag.
masc672 09.09.2011
Zitat von sysopAlarmstimmung in der Finanzindustrie: Die Bank of America will angeblich bis zu 40.000 Stellen abbauen, britische Institute streichen im großen Stil*Jobs und*auch andere Geldhäuser planen gewaltige Einsparungen. Das könnte erst der Anfang sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,785318,00.html
Wir spannen einen Rettungsschirm auf. Und da wir ja schon einen haben, verdreifachen wir ihn halt. Problem gelöst.
3. Die schönste Nachricht des Tages...
mainzelmännchen 1 09.09.2011
..die nur noch von einer ähnlich schönen über europäische Banken - auch deutsche - getoppt werden könnte: Die Hälfte der Buden ist überflüssig. Und die andere Hälfte gehört an die harte Kandare. Was werde ich mich freuen, wenn mir mein Banker wieder die Tür aufhält, um mein Anlagegeld zu empfangen.
4. Was hat die Bankenrettung geholfen?
wika 09.09.2011
Gar nix … ist aber nun mal systembedingt. Weder die Banken noch die Regierungen möchten einsehen, dass das exponentielle Wachstum des Geldes, so ganz fern ab der Realwirtschaft nicht wirklich funktionieren kann. dazu braucht es offensichtlich etwas Lebenserfahrung außerhalb der Wolkenkuckucksheime und Elfenbeintürme. Was nun? Wollen wir also einfach bis zum Letzten zusehen wie uns dann am Ende die Brocken um die Ihren fliegen. Dazu unseren Politikern folgen die mit Sicherheit nochmals ein paar Billionen in die Banken kippen werden? Mir ist jetzt schon ziemlich schlecht. Aber lassen sie uns doch das perverse Spiel jetzt mal auf die Spitze treiben: *„Wir brauchen dringend die Rating-Agenturen für das Humankapital“* … Link (zur Steigerung der laufenden Perversion) (http://qpress.de/2011/07/31/rating-agenturen-erweitern-geschaftsfeld-um-humankapital/). Zuforderst sollten wir natürlich mal die Insassen unter der Reichstagskuppel durchchecken lassen. Vielleicht könnten wir uns damit retten, dass wir allerhand Flachpfeifen aus dem Konzert aussondern und damit wieder auf den Boden menschlicher Tatsachen kommen. Nur wem sollen wir es ins Ohr brüllen? Die Merkel-Junta ist beratungsresistent und schwerhörig, die EU-Diktatoren verfolgen ihre eigenen Ziele … da bleiben die Menschen einfach am Wegesrand liegen zum Verrecken. Oder sollten wir doch irgendwann mal den Artikel 20 GG umsetzen und die Bannmeile stürmen? Ich habe das Gefühl dieser Zeitpunkt rückt immer näher. Da sind die Banken nur das Paradebeispiel, wie trotz der irrer Geldmengen kein Fortkommen zu erreichen ist.
5. Banken geht es so gut wie nie
JohnBlank 09.09.2011
Die Manager und Bänker verdienen z.B. in der City of London MEHR Geld als vor der großen Krise von 2008. Den Banken und Zockern geht es richtig gut. Und dank der CDU und FDP werden die Finanzmärkte nicht reguliert. Deswegen wird der Euro auch untergehen, weil die Zocker immer gerettet werden, seit 2008. Die GR-Hilfen gehen nicht an die Bürger, sondern an USNERE Bänker. Die Staaten müssen retten, und die Verschuldung steigt weiter. Mit Euro-Bonds wollen zu dem SPD und Grüne das nächste Fest für die Zocker an der Wall-Street eröffnen. Egal also ob CDU oder SPD, alle dienen scheinbar nur die Bänkern. Toll, aus Schrott Gold machen, dass können nur Bänker durch die Hilfe der Politiker schaffen, mein Kompliement.
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