Banken-Debakel Gericht macht Anlegern Hoffnung im HRE-Prozess

Lichtblick für ehemalige Aktionäre der Hypo Real Estate: Nach Einschätzung des Oberlandesgerichts München hat die Bank ihre Investoren getäuscht. Bekommt der Kläger recht, müsste wohl der Steuerzahler für die Entschädigungen aufkommen.

Richter Guido Kotschy (am 3. Februar): Bank hätte früher tätig werden müssen
DPA

Richter Guido Kotschy (am 3. Februar): Bank hätte früher tätig werden müssen


Hamburg/München - In dem Verfahren geht es um Forderungen von Alt-Aktionären in einer Gesamtgrößenordnung von einer Milliarde Euro: Das Oberlandesgericht München verhandelt seit Montag in einem Musterprozess über mögliche Entschädigungen für ehemalige Anleger der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE). Zum Auftakt der Verhandlungen machten die Richter den Aktionären Hoffnung. Die Bank habe die Investoren ein halbes Jahr vor Bekanntwerden ihrer desaströsen Lage hinters Licht geführt, lautet die vorläufige Einschätzung des Senats.

Eine Pressemitteilung der HRE vom 3. August 2007 sei "wesentlich zu optimistisch" gewesen, sagte Richter Guido Kotschy. Darin hatte die später notverstaatlichte Bank ihre Geschäftsprognose bestätigt und von Belastungen aus der Krise am US-Hypothekenmarkt nichts wissen wollen.

Diese Veröffentlichung werde von großer Bedeutung für den Prozess sein, sagte Kotschy. "Dass diese Mitteilung vom 03.08.2007 sehr positiv war, dass die dahinterstehende Einschätzung sich als unzutreffend erwiesen hat und dass eine Korrektur der Veröffentlichung notwendig war, das ist unsere vorläufige Einschätzung", sagte der Vorsitzende Richter. "Wir sehen das ganz deutlich, dass man spätestens im November hätte tätig werden müssen, mit dem Quartalsbericht."

Genauere Informationen erhofft sich Kotschy aus der Vernehmung des damaligen HRE-Chefs Georg Funke am Donnerstag. In dem Verfahren wird es unter anderem um den Inhalt eines Gesprächs zwischen Funke und Investoren im März 2008 gehen. Dabei soll der frühere Vorstandsvorsitzende nach Darstellung des Musterklägers zugegeben haben, dass Angaben über hohe Abschreibungen der Bank schon mehrere Wochen vor deren Veröffentlichung im Januar 2008 vorgelegen hätten.

"Zu jedem Zeitpunkt angemessen"

Ein HRE-Sprecher wies erneut den Vorwurf einer falschen oder verspäteten Informationspolitik der Bank zurück. "Nach Überzeugung der HRE war die Kommunikation zu jedem Zeitpunkt angemessen. Diese Position werden wir vor Gericht vertreten", erklärte der Sprecher.

In dem Prozess werfen die früheren Anteilseigner der HRE vor, viel zu spät auf die Belastungen durch die Finanzkrise hingewiesen zu haben und für Spekulationsverluste verantwortlich zu sein. Die Bank hatte erst am 15. Januar 2008 überraschend Abschreibungen auf strukturierte Wertpapiere bekanntgegeben, im September 2008 kollabierte die Bank.

Hintergrund des Verfahrens ist die Krise am US-Hypothekenmarkt. Die HRE-Papiere brachen um 35 Prozent ein und rissen auch den wichtigsten deutschen Aktienindex ins Minus. Endgültig ins Straucheln geriet die HRE, als in der Finanzkrise ihre Staatsfinanzierungstochter Depfa vor dem Zusammenbruch stand.

Nach der Verstaatlichung der HRE hatte es eine wahre Flut von Aktionärs-Klagen gegeben, die sich getäuscht sahen oder mit der erzwungenen Abgabe ihrer Anteile nicht einverstanden waren. Deshalb wurde entschieden, den Streit um Entschädigungsforderungen in einem exemplarischen Musterprozess zu entscheiden. So sollen unzählige Parallel-Verfahren vermieden werden.

bos/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
james-100, 03.02.2014
1.
Zitat von sysopDPALichtblick für ehemalige Aktionäre der Hypo Real Estate: Nach Einschätzung des Oberlandesgerichts München hat die Bank ihre Investoren getäuscht. Bekommt der Kläger Recht, müsste wohl der Steuerzahler für die Entschädigungen aufkommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/banken-debakel-gericht-macht-aktionaeren-hoffnung-im-hre-prozess-a-950831.html
Man hätte diese und andere Banken einfach der Insolvenz zuführen sollen, anstatt sinnlos 100derte Milliarden Steuergelder zu verplempern. Jetzt soll der Steuerzahler erneut wieder Kohle für wertloses Papier locker machen.
sdaehnrich 03.02.2014
2.
wieso soll da bitte der deutsche Steuerzahlen wieder fuer blechen? Ich habe keine Aktien, es kann doch nicht sein dass solche Dinge wieder auf der Allgemeinheit abgewälzt werden weil Leute die Geld haben es vermehren wollten und nun letztendlich aus den Taschen derer bedient werden sollen die eh weniger haben. Aktien sind ein Risiko, wer dieses Risiko nicht tragen will sollte die Finger davon lassen.
donatellab 03.02.2014
3. Gründe, sich aufzuregen
Zitat von sysopDPALichtblick für ehemalige Aktionäre der Hypo Real Estate: Nach Einschätzung des Oberlandesgerichts München hat die Bank ihre Investoren getäuscht. Bekommt der Kläger Recht, müsste wohl der Steuerzahler für die Entschädigungen aufkommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/banken-debakel-gericht-macht-aktionaeren-hoffnung-im-hre-prozess-a-950831.html
Da ist die Entscheidung in Sachen Mütterrente bzw. Rente mit 63 geradezu ein Schäppchen.
robert.faulborn 03.02.2014
4. Der Fehler lag schon am Anfang.
Die Bank hätte nicht gerettet werden dürfen. Zuerst fordert Funke Abfindung und Pension (und hat die wohl auch bekommen?) und jetzt die Anleger. Wenn die Bank pleite gegangen wäre, wäre nichts mehr dagewesen und es wäre Ruhe gewesen. Ein Fehler zieht immer den nächsten nach sich. Aber klar, ohne die Bankenrettung wäre das Finanzsystem unter gegangen. Oder auch nicht. Oder es würde heute besser dastehen als damals. Man weiß es nicht so genau.
ptb29 03.02.2014
5. Zumachen die Bank!
Jetzt soll also der Steuerzahler wieder einmal für die Geldgier einiger Investoren zahlen.
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