Banken in Geldnot Europas Finanzkonzerne gehen voll auf Risiko

In der Krise haben Europas Banken große Schwierigkeiten, an frisches Geld zu kommen. Die Not macht erfinderisch: Laut "Wall Street Journal"  basteln die Institute an neuen Finanzierungsmodellen - und gehen dabei hohe Risiken ein.

Pariser Bankenviertel: Per Wertpapiertausch zu frischem Geld
DPA

Pariser Bankenviertel: Per Wertpapiertausch zu frischem Geld


London - Unter Europas Banken wächst offenbar die Angst, bald nicht mehr an frisches Geld heranzukommen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, arbeiten die Institute deshalb an komplizierten Konstrukten, die ihre Geldversorgung durch die Europäische Zentralbank sichern sollen. Dabei gehe es unter anderem um den Tausch von Wertpapieren.

Die neuen Konstrukte könnten das Risiko für das ohnehin angeschlagene europäische Finanzsystem erhöhen, schreibt die Zeitung und beruft sich dabei auf Bankenvertreter und Aufsichtsbehörden. Sie seien zudem ein Zeichen dafür, dass sich die Geldhäuser darauf vorbereiten, noch lange Zeit von den Notmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) abhängig zu sein.

Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 versorgt die EZB die Banken mit unbegrenzter Liquidität - allerdings müssen die Institute dafür bestimmte Wertpapiere als Sicherheiten hinterlegen, zum Beispiel europäische Staatsanleihen. Laut dem Bericht werden diese Sicherheiten nun aber bei einigen Banken knapp - deshalb wollten sie neue Möglichkeiten schaffen, an das Geld der EZB zu kommen. Andere Banken sähen die Pläne als Vorsichtsmaßnahme, um sich für noch schwerere Zeiten zu rüsten.

Schäuble befürchtet Übergreifen auf Realwirtschaft

Im Kern geht es bei den Geschäften darum, Papiere, die die EZB nicht als Sicherheiten akzeptiert, gegen Staatsanleihen oder andere als sicher geltende Papiere zu tauschen. Dabei transferieren die klammen Banken zum Beispiel die von ihr vergebenen Unternehmenskredite an internationale Investmentbanken. Im Gegenzug erhalten sie von diesen Staatsanleihen, die sie bei der Zentralbank als Pfand einsetzen können.

Laut "Wall Street Journal" sollen bisher vereinzelte Banken, etwa in Italien und Frankreich, von solchen Tauschgeschäften Gebrauch gemacht haben. Nun gebe es aber Pläne, sie in größerem Maße zu nutzen. Die Aufsichtsbehörden seien deshalb zunehmend beunruhigt, weil sich die Risiken immer weiter im Bankensystem verteilten.

Die normalen Finanzierungswege der Banken sind derzeit ohnehin weitgehend verstopft. So leihen sich viele Institute untereinander kein Geld mehr, sondern greifen lieber auf die Europäische Zentralbank zurück.

Die angespannte Lage bei den Banken könnte auch Auswirkungen auf die Konjunktur in Deutschland haben. Wenn die Banken selbst nur noch schwer an frisches Geld kommen, vergeben sie auch weniger Kredite an Unternehmen und Verbraucher. Das könnte Investitionen und Konsum lähmen. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fürchtet eine solche Entwicklung. Es gebe leider Anzeichen dafür, dass die Krise auf die Realwirtschaft überspringe, sagte er am Donnerstag bei einer Konferenz der deutschen Versicherungsbranche.

stk/Reuters

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insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
Michael Giertz, 17.11.2011
1. Und sowas rettet der europäische Steuerzahler?
Zitat von sysopIn der Krise haben die europäischen Banken große Schwierigkeiten, an frisches Geld zu kommen. Die Not macht erfinderisch: Laut "Wall Street Journal"* basteln die Institute*an neuen Finanzierungsmöglichkeiten - und gehen dabei*hohe Risiken ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,798361,00.html
Werfen wir doch endlich mal die Banken den Kräften des Marktes vor. Wer dann übrig bleibt, hat nachhaltig gewirtschaftet und darf dann sich über's Volksvertrauen freuen.
kdshp 17.11.2011
2. In der Krise
Zitat von sysopIn der Krise haben die europäischen Banken große Schwierigkeiten, an frisches Geld zu kommen. Die Not macht erfinderisch: Laut "Wall Street Journal"* basteln die Institute*an neuen Finanzierungsmöglichkeiten - und gehen dabei*hohe Risiken ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,798361,00.html
Hallo, ja wie es wurde doch gesagt die bleiben auf ihrem geld sitzen weil sei anderen banken nicht mehr trauen UND das die banken sich das geld für ein apel und ei bei der EZB leihen können. Geht es hier nicht eher darum das geld von privaten leuten zu bekommen um das dann als gewinn auszuschütten. Denn von diesen leuten werden ja viele wieder bei den "neuen Finanzierungsmöglichkeiten" "hohe Risiken" eingehen und geld verlieren bzw. die gewinne von anderen sichern. Nichts neues im westen...
Graphite 17.11.2011
3. das Risiko mit dem Risiko...
...Spekulanten versuchen die EZB zum Gelddrucken zu "zwingen", Banken versuchen mit noch höheren Risikogeschäften ihre maximierten Gewinne beizubehalten...das kann nicht so weiter gehen! Können die Bänker vor lauter Miliarden zählen nicht mehr 1+1 zusammenrechnen? DOCH! Sie können! Weil sie, egal was sie machen, nicht pleite gehen werden! der Staat wird die Druckerpresse anwerfen und Geld zur Rettung der Banken drucken. Das ist doch was die Bankster aus der letzten Kriese gelernt haben! und solange der dumme deutsche Michel zahlt ohne große anstalten u machen ändert sich daran auch nix!
endbenutzer 17.11.2011
4. Finanzkonzerne in Geldnot
Zitat: „...Dabei transferieren die klammen Banken zum Beispiel die von ihr vergebenen Unternehmenskredite an internationale Investmentbanken....“ Im Klartext also: Diese „internationalen Investmentbanken“ haben auch alle Rechte an den vergebenen Krediten und können auch mal ganz schnell die Rahmenbedingungen wie Tilgung und Zins nach eigenem Gusto anpassen. Das wird den deutschen Unternehmer, (der vielleicht in einem Bereich tätig ist, der gewissen Leuten ein Dorn im Auge ist) aber freuen, wenn irgendwann ein Brief einer US-Investmentbank kommt, in dem mitgeteilt wird, dass der Kredit gekündigt wird.
Viva24 17.11.2011
5. Die Journalisten sind heir ja reine Theoretiker!
Es wäre für die Bundesbank kein Problem, auch vom Personal (schliesslich gehört ja einem die Commerzbank!)der Realwirtschaft direkt Geld zu verleihen. So umgehen wir den Bankenchaos und haben gute Zinsen!. Übrigens, Siemens hat nach der Krise gelernt uns dann selbst eine Bank gegründet. Andere wie die Autobauer haben das schon lange. Übrigens heir kommt bald die nächste Krise, wenn Unternehmen der Realwirtschaft Banken spielen. Fazit: die Realwirtschaft kann sich selbst organisieren (Verbände) und auch Banken gründen und direkt von der Bundesbank/Zentralbank Geld beschaffen!
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