London - Neue Schreckensnachrichten aus Spanien: Die Banken des Landes sitzen auf einem gewaltigen Berg fauler Kredite. Der Internationale Bankenverband IIF schätzt das Volumen auf bis zu 260 Milliarden Euro. So groß sei im schlimmsten Fall das Finanzloch, das die Geldhäuser stopfen müssen. 184 Milliarden Euro davon können sie laut IIF auftreiben - bleibt eine Lücke von 76 Milliarden Euro.
Die Schätzung gehe auf Erfahrungen in Irland zurück, das mit einer ähnlichen Bankenkrise kämpft. "Spaniens makroökonomische Aussichten sind schlechter als die von Irland - vor allem was Wachstum und Arbeitslosigkeit angeht", stellt der IIF in seinem am Dienstag veröffentlichten globalen Wirtschaftsbericht fest.
Der Großteil der Verluste entfalle auf Immobilienkredite, die von regionalen Sparkassen vergeben wurden. Die Ausfälle könnten die Rückstellungen übersteigen und Hilfe durch den Staat erforderlich machen, schreiben die Experten des Verbandes.
Die OECD fordert Euro-Bonds für die Banken
Spaniens Banken stehen seit Wochen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die US-Rating-Agentur Moody's stufte kürzlich die Kreditwürdigkeit von 16 Instituten herab. Die Regierung in Madrid hat bereits erste Hilfsmaßnahmen ergriffen. So sollen die Institute ihre Immobilien-Portfolios von unabhängigen Experten überprüfen lassen, ihre faulen Kredite in Abwicklungsbanken ("Bad Banks") überführen und zusätzliche 30 Milliarden Euro zurücklegen.
Doch das alles könnte womöglich nicht ausreichen. Der Industrieländer-Club OECD fordert in seinem aktuellen Wirtschaftsausblick deshalb neue Instrumente, um strauchelnde Banken zu stützen. So schlagen die Experten unter anderem vor, den im Juli startenden europäischen Rettungsfonds ESM direkt zur Stützung der Finanzbranche zu verwenden. Bisher ist lediglich vorgesehen, dass der ESM klamme Staaten unterstützt. Besonders Deutschland wehrt sich dagegen, den Auftrag auch auf die direkte Hilfe für Banken auszuweiten.
Ähnliches gilt für den zweiten Vorschlag der OECD-Experten: Sie regen an, die Euro-Länder könnten gemeinsame Anleihen ausgeben und das eingenommene Kapital in die Banken stecken. Das wäre jedoch eine Art "Euro-Bond light", und auch das lehnt Deutschland ab.
stk/Reuters
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