Neue Wirtschaftsprüfer-Studie US-Banken haben Europas Finanzkonzerne abgehängt

Große Bilanzen, kleine Gewinne: Zehn Jahre nach der Finanzkrise hinken Europas Banken den amerikanischen Geldhäusern gewaltig hinterher. Der Abstand könnte sich künftig noch vergrößern.

Bankenmetropole New York
AFP

Bankenmetropole New York


Die zehn größten amerikanischen Banken haben im vergangenen Jahr zusammen mehr als doppelt so viel Gewinn gemacht wie ihre zehn größten europäischen Konkurrenten. Das geht aus einer neuen Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, früher Ernst & Young, hervor.

EY hat für die Studie die Entwicklung der jeweils zehn größten Banken in Europa und den USA über die vergangenen zehn Jahre verglichen - und kommt zu einem vernichtenden Schluss für Europas Banken: Egal ob Gewinne, Profitabilität oder Börsenwert - die Institute in der Europäischen Union hängen denen in den USA weit hinterher. Da hilft es nur bedingt, dass sich der Rückstand im vergangenen Jahr etwas verkleinert hat.

Das Elend der europäischen Banken lässt sich in zwei Zahlen ausdrücken: Ende 2017 war die Bilanzsumme der zehn europäischen Top-Institute mit 13,6 Billionen Euro etwa gleich hoch wie die der zehn größten US-Banken. Das heißt: Die Kredite und Wertpapiere in den Bilanzen waren auf dem Papier etwa gleich wertvoll.

Dennoch haben sich die Börsenwerte dramatisch auseinanderentwickelt: Die zehn Top-Institute aus Europa kamen Ende 2017 auf eine Marktkapitalisierung von etwa 632 Milliarden Euro. Ihre amerikanischen Konkurrenten waren an der Börse etwa doppelt so viel wert.

Die wertvollste Bank der USA war JP Morgan Chase mit einer Marktkapitalisierung von 309 Milliarden Euro (Ende 2017) - gefolgt von der Bank of America Chart zeigenund Wells Fargo Chart zeigen. In Europa stand die britische HSBC Chart zeigen mit einem Börsenwert von etwa 172 Milliarden Euro ganz oben, dahinter lagen die spanische Santander Chart zeigen und die französische BNP Paribas Chart zeigen. Aus Deutschland war nur die Deutsche Bank Chart zeigenunter den Top Ten vertreten - an der Börse ist sie allerdings von allen untersuchen Banken mittlerweile am wenigsten wert.

Die Lücke könnte größer werden

Bei all diesen Zahlen wird deutlich, dass die US-Institute aus der verheerenden Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 viel besser herausgekommen sind als ihre europäischen Konkurrenten. Nach den EY-Berechnungen ist das operative Ergebnis - also der Gewinn vor Steuern - der zehn größten EU-Banken seit dem Finanzkrisenjahr 2008 zwar von gut 27 auf etwas mehr als 71 Milliarden Euro gestiegen. Die größten US-Institute machen mittlerweile zusammengenommen aber einen Gewinn von gut 154 Milliarden Euro - also mehr als doppelt so viel.

Die Gründe für diese Lücke hat die Studie nicht erforscht. Gemeinhin gilt aber der unterschiedliche Weg der Bankenrettung in der Finanzkrise zumindest als eine Ursache dafür: Während Europa seinen Geldhäusern nur zögerlich und vor allem mit staatlichen Garantien aus der Krise half, übernahm der US-Staat damals kurzerhand große Anteile strauchelnder Banken und verkaufte diese erst nach der Gesundung wieder.

In den kommenden Monaten und Jahren könnte sich der Abstand zwischen den europäischen Banken und der US-Konkurrenz weiter vergrößern, fürchtet EY-Partner Dirk Müller-Tronnier. Dann würden die Institute in den USA von der dortigen Steuerreform profitieren, die 2017 noch die Bilanzen belastete. Europas Geldhäuser kämpfen zudem mit den historisch niedrigen Zinsen: Bei vielen Banken werfe das Zinsgeschäft kaum noch oder gar keinen Gewinn mehr ab. In den USA steigen die Zinsen dagegen langsam wieder.

Für Kunden und Mitarbeiter der europäischen Finanzinstitute heißt das alles nichts Gutes: "Die Banken müssen dringend weiter an ihrer Profitabilität arbeiten", sagt Müller-Tronnier, "das schließt Restrukturierungen, Filialschließungen und Beschäftigungsabbau ebenso ein wie die Erhöhung von Gebühren".

stk



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