Steueroasen-Affäre Die Banken stehlen sich davon

Eigentlich haben die Banken gerade den Kulturwandel ausgerufen. Ethisch zweifelhafte Geschäfte sollen der Vergangenheit angehören. Doch die Steueroasen-Affäre zeigt: Die Branche stiehlt sich aus der Verantwortung - und schiebt die Schuld lieber ihren Kunden zu.

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Frankfurter Bankenviertel: Kulturwandel sieht anders aus
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Frankfurter Bankenviertel: Kulturwandel sieht anders aus


Wenn es um Geschäfte in Steueroasen geht, ist die Sache für die Banken ganz einfach. Sie bieten zwar fleißig Produkte in abgelegenen Finanzzentren wie Mauritius oder den Cayman-Inseln an und werben mit dem "steuerneutralen Umfeld". Gleichzeitig verweisen die Institute aber darauf, dass sie ja lediglich Dienstleistungen anböten. Um die korrekte Versteuerung des Geldes müssten sich die Anleger schon selbst kümmern. Man könne ja wohl schließlich nicht alles eigenhändig nachprüfen.

Mit dieser Argumentation schiebt die Finanzwirtschaft die eigene Verantwortung einfach weg. Das mag formaljuristisch richtig sein, doch für eine Branche, die ohnehin um ihren Ruf kämpfen muss, ist das zu wenig. Sie darf sich nicht auf eine solch passive Position zurückziehen - schon aus Eigeninteresse.

Man kann von privaten Unternehmen nicht erwarten, dass sie moralisch handeln. Ihr Zweck ist es, den Gewinn der Eigentümer zu maximieren. Für die Grenzen, die ihnen dabei gesetzt werden, sind andere zuständig, zum Beispiel der Staat. Insofern ist zunächst der Gesetzgeber gefragt, wenn es darum geht, unerwünschte Geschäfte in Steueroasen zu verhindern.

Dass hier in der Vergangenheit zu wenig passiert ist, ist offensichtlich. Es gibt zwar viele Ankündigungen und Listen, doch um wirklich etwas zu ändern, bräuchte es eine umfassende internationale Übereinkunft - und damit die Zustimmung jener Länder, die vom Status quo profitieren. Das ist ziemlich unwahrscheinlich.

So gesehen können sich die Banken zurücklehnen und einfach weitermachen wie bisher. Nach dem Motto: Wenn die Staaten es nicht schaffen, die Regeln zu ändern, nutzen wir diese Regeln eben aus - und zwar bis zur äußersten Grenze. Doch diese formalistische Haltung ist gefährlich. Gerade die Finanzbranche kann sie sich eigentlich nicht leisten. Sie kämpft nämlich gerade um den letzten Rest Vertrauen, der ihr nach der Finanzkrise und diversen Skandalen geblieben ist.

Institute wie die Deutsche Bank Chart zeigen oder die Schweizer UBS Chart zeigen werben seit Monaten für einen Kulturwandel. Wer die neuen Werte nicht respektiere, müsse gehen, hatte Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen bei der Jahrespressekonferenz Ende Januar gesagt. Und UBS-Präsident Axel Weber forderte unlängst, jeder müsse "darauf achten, dass auch diejenigen an den Nachbartischen das Richtige tun".

Es reicht nicht, Mitarbeiter in Ethikseminare zu schicken

Ausgerechnet diese beiden Institute tauchen nun wieder in den Daten zu Steueroasen auf, die das Journalistennetzwerk ICIJ zugespielt bekommen hat. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll die Deutsche Bank über ihre Niederlassung in Singapur mehr als 300 Briefkastenfirmen und Trusts gegründet haben. Die UBS soll sogar in mehr als 2900 Gesellschaften involviert sein. Das muss nicht zwangsläufig heißen, dass die Institute illegale Praktiken wie Steuerbetrug oder Geldwäsche fördern. Die Angebote zielen oft in einen gesetzlichen Graubereich. Doch sie zeigen, dass die Banken zumindest Steuerflucht unterstützen, die zwar häufig legal sein mag, von vielen Menschen aber als unmoralisch wahrgenommen wird.

Es gibt erste Anzeichen, dass die Banken ihren Kunden nicht mehr ganz so dreist dabei helfen, Geld vor dem Fiskus des Heimatlandes zu verstecken, wie noch vor ein paar Jahren. Zumindest in der Schweiz scheinen die Institute mittlerweile vorsichtiger geworden zu sein - auch eine Folge des internationalen Drucks auf das Land.

Doch das ist noch zu wenig. Wenn sich große Geldhäuser wie die Deutsche Bank und die UBS mit einem Wandel brüsten und sich davon ein besseres Image bei den Kunden und in der Öffentlichkeit erhoffen, müssen sie diesen Wandel auch glaubhaft umsetzen. Sonst verspielen sie das Vertrauen, um das sie eigentlich gerade werben. Da reicht es nicht aus, die Mitarbeiter in Ethikseminare zu schicken und Expertenkommissionen zur Reform des Boni-Systems einzusetzen.

Zu einem wirklichen Kulturwandel gehört neben einer gründlichen Reform des Investmentbankings und der provisionsgetriebenen Beratung im Privatkundengeschäft auch ein neuer Umgang mit Geschäften in Steueroasen. Da wäre es ein Anfang, nicht alle Verantwortung auf die Kunden und den Gesetzgeber zu schieben.



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Stauss 05.04.2013
1. Die unendliche Schuld der Tugendwächter
Es scheint neuerdings wieder Aufgabe der deutschen Medien zu sein, ohne Anklage, Staatsanwalt und Verteidiger alles, was ihrer Ideologie zuwiderläuft, zu verurteilen. Möglichst ohne Kenntnis der Materie, so verurteilte es sich immer am geschmeidigsten. Gesteuert von einem diffusen Neidgefühl auf alle, denen man unterstellt, dass es ihnen besser geht als einem selbst.
gog-magog 05.04.2013
2.
Zitat von sysopDPAEigentlich haben die Banken gerade den Kulturwandel ausgerufen. Ethisch zweifelhafte Geschäfte sollen der Vergangenheit angehören. Doch die Affäre um Geschäfte in Steueroasen zeigt: Die Branche stiehlt sich aus der Verantwortung - und schiebt die Schuld lieber ihren Kunden zu. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/banken-stehlen-sich-bei-steueroasen-aus-der-verantwortung-a-892760.html
Natürlich sind die Steuerbetrüger zunächst einmal selbst schuld. Aber wenn gewisse Banken ihnen da nicht noch zureden würden, oder bei der Tat auch noch mithelfen, dann wäre schon viel gewonnen. Ich schlage vor, allen Banken, die bei illegalen Transfers bewußt oder unbewußt geholfen haben, sofort die Banklizenz für 3 Jahre zu entziehen. Schon wäre Ruhe im Karton.
joG 05.04.2013
3. Es ist natürlich auch tatsächlich die frage.....
....ob jemand verantwortlich sein soll, für die Tat eines Anderen. Beihilfe ist ein Vergehen und sollte bestraft werden. Auch die Chefs der Beihelfer sollten Haften. Gilt das für die Bundesaufsicht, die in die Transaktionen und Bestände der Banken Einsicht hatte? Gilt es für die Politiker und Bürokraten, die wussten, dass Griechenland log, als es dem Euro beitrat? Haften diese Leute?
WILHHERDE 05.04.2013
4. Mein Vertrauen haben sie,
solange nicht bewusst Gesetze verletzt werden, die hohe Strafzahlungen nach sich ziehen. Das kostet dann nur Gewinn und Dividende. Illegales Handeln ist damit dumm und nicht im Interesse der Aktionäre. Ich hoffe, die DBk ist hier auf legalen Seite geblieben. Wenn sie legal geblieben ist und trotzdem den Gewinn maximiert hat, dann hat sie weiterhin mein Vertrauen. Der Staat kassiert sowieso schon Steuern genug, auch von mir.
Alabami 05.04.2013
5.
Zitat von sysopDPAEigentlich haben die Banken gerade den Kulturwandel ausgerufen. Ethisch zweifelhafte Geschäfte sollen der Vergangenheit angehören. Doch die Affäre um Geschäfte in Steueroasen zeigt: Die Branche stiehlt sich aus der Verantwortung - und schiebt die Schuld lieber ihren Kunden zu. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/banken-stehlen-sich-bei-steueroasen-aus-der-verantwortung-a-892760.html
So ist das Bankengesindel. Natuerlich sind die privaten Banken die aktiven Ratgeber der Steuerhinterzieher, wer denn sonst. Solange die unfaehige Politik diese Bangster an der langen Leine fuehrt und diese Kriminellen nichts zu befuerchten haben, wird sich nicht aendern. Das jetzige grosse Wehgeschrei ist nur Show bis die naechste Sau durchs Dorf getrieben wird.
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