Hamburg - Es war eine Billion gegen die Angst: Mit zwei Mega-Geldspritzen versuchte die Europäische Zentralbank im Dezember und Februar, die Lage auf dem Bankenmarkt der Währungsunion zu entspannen. Die Kredite zum günstigen Zinssatz von nur einem Prozent haben eine Laufzeit von drei Jahren. Doch laut einem Bericht der "Financial Times" ("FT") wollen mehrere Großbanken das Geld so früh wie möglich zurückzahlen.
Das größte italienische Geldhaus Unicredit
, BNP Paribas
und Société Générale aus Frankreich sowie das spanische Institut La Caixa bereiteten sich darauf vor, bereits nach Ablauf der zwölf Monate langen Sperrfrist ein Drittel der geliehenen Summe zurückzuerstatten, schreibt die "FT" unter Berufung auf Finanzkreise. Ein Bankchef habe zwei Gründe für das Vorhaben genannt. Zum einen sei es "nicht klug", die gesamte Summe in drei Jahren zu begleichen. Außerdem benötigten viele Institute Finanzierungen mit längeren Laufzeiten.
Solche Finanzierungen finden die Banken neuerdings wieder verstärkt bei privaten Investoren. Laut EZB-Chef Mario Draghi konnten die Institute zu Jahresbeginn bereits mehr eigene Anleihen am Markt unterbringen als in der gesamten zweiten Jahreshälfte 2011. Außerdem vergaben sie in den ersten Monaten des Jahres 70 Milliarden Euro an ungesicherten Krediten - ein Anzeichen dafür, dass sich die Lage auf dem Bankenmarkt wie erhofft entspannt.
Auch wenn die EZB-Aktion offenbar erfolgreich war, ist sie nicht unumstritten. Kritiker fürchten, die Milliardenkredite könnten langfristig die Inflation in die Höhe treiben. Bundesbank-Chef Jens Weidmann kritisierte das Billionen-Darlehen kürzlich im SPIEGEL als "sehr generös".
Die Pläne der europäischen Banken erinnern an eine ähnliche Aktion in den USA. Dort hatten im Jahr 2009 ebenfalls mehrere Institute Staatshilfen vorzeitig zurückgezahlt.
dab/Reuters
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