Frankfurt am Main - Die Lage in der Euro-Krise scheint sich zu beruhigen, nun beginnen auch die Banken, sich aus der Abhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) zu lösen. In der kommenden Woche wollen insgesamt 278 Institute die erste Gelegenheit nutzen und insgesamt 137,2 Milliarden Euro an die Notenbank zurückzahlen. Das Geld hatten sie sich Ende 2011 beim ersten von zwei Refinanzierungsgeschäften geliehen.
Für die EZB beginnt damit der schrittweise Ausstieg aus ihren zahlreichen Krisenmaßnahmen, mit denen sie angeschlagene Banken seit Jahren päppelt. Analysten und Geldmarktexperten hatten damit gerechnet, dass zunächst nur rund hundert Milliarden Euro an die Zentralbank zurückfließen. Welche Banken das Geld zurückgeben, blieb zunächst unklar.
Einige Institute, etwa die Commerzbank oder die britische Lloyds, haben bereits angekündigt, zunächst nur einen Teil des geliehenen Geldes zurückzuüberweisen. Die Institute nutzen die Option, bereits nach einem Jahr das Geld zurückzugeben, da inzwischen mehr und mehr Banken wegen der abflauenden Krise wieder auf anderen Wegen und billiger als bei der Zentralbank an frische Liquidität kommen.
Lage griechischer Banken bleibt kritisch
Während sich die Lage der Geldhäuser in den Kernländern der Währungsunion deutlich gebessert hat, ist es etwa für griechische Banken nach wie vor kaum möglich, auf dem freien Geldmarkt an Mittel zu kommen. Insgesamt gesehen hat sich die Lage in den zurückliegenden Monaten aber spürbar entspannt, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi im Juli erklärt hatte, den Euro und die Euro-Zone mit allen Mitteln verteidigen zu wollen. Mit der Rückzahlung, die von nun an Woche für Woche möglich ist, sinkt die in der Krise aufgeblähte Bilanzsumme der EZB. Die Lage an den Finanzmärkten habe sich durch die EZB-Politik des billigen Geldes wesentlich gebessert, sagte Draghi.
Die beiden drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäfte der EZB sind Bestandteil eines Rundum-Sorglos-Pakets der Notenbank für die Geschäftsbanken der Währungsunion. Diese erhalten bei den regulären Refinanzierungsgeschäften zudem unbegrenzt Geld zum Leitzins von 0,75 Prozent. Außerdem hat die Notenbank seit Anfang 2012 die Mindestreservepflicht für die Institute von zwei auf ein Prozent ihrer Einlagen gesenkt und verlangt von den Geldhäusern im Gegenzug für Liquidität nur noch Sicherheiten von deutlich niedrigerer Qualität als vor der Krise. Mit all diesen Maßnahmen will die EZB die Banken flüssig halten und eine Kreditklemme verhindern.
cte/Reuters
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