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Bankenpräsident zur Inflation: "Die Bürger werden schleichend enteignet"

Die deutschen Banken warnen vor Inflation in Deutschland. Im Interview erklärt Verbandspräsident Andreas Schmitz, warum Sparer Schritt für Schritt ihr Vermögen verlieren - und wie sicher Gold ist. Die hohen Rednerhonorare für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verteidigt er.

Euro-Münzen: Die Banken fürchten eine Entwertung durch die Geldpolitik Zur Großansicht
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Euro-Münzen: Die Banken fürchten eine Entwertung durch die Geldpolitik

SPIEGEL ONLINE: Sie haben vor 34 Jahren eine Lehre zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank begonnen. Würden Sie Ihren Kindern heute noch empfehlen, Banker zu werden?

Schmitz: Ich würde meinen Kindern heute zumindest nicht davon abraten, Banker zu werden. Dass einzelne Berufszweige an öffentlichem Stellenwert verlieren, das hat es in der Geschichte immer wieder einmal gegeben. Aber das wird den 650.000 Mitarbeitern im deutschen Bankgewerbe nicht gerecht. Die machen fast alle einen sehr guten Job.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland hat sich seit der Finanzkrise eine Art Volkszorn gegen die Banken aufgebaut. Haben Sie Angst vor einem Anti-Banken-Wahlkampf?

Schmitz: Herr Gabriel und Herr Steinbrück haben ja schon vorgelegt. Allerdings höre ich von Abgeordneten der CDU/CSU und FDP ähnliche Aussagen.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie Peer Steinbrück eigentlich schon mal als Redner zu Gast beim Bankenverband oder bei ihrer Bank HSBC Trinkaus?

Schmitz: Beim Bankenverband ist Herr Steinbrück zweimal aufgetreten, und nächste Woche wird er an einer Diskussion mit Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen teilnehmen.

SPIEGEL ONLINE: Und haben Sie …

Schmitz: … ich ahne Ihre Frage: Nein, Honorare sind da keine geflossen. Aber ich finde die Diskussion auch pharisäerhaft. Steinbrück ist ein begnadeter Redner, und er bezieht stets eine klare Position - ganz egal, vor wem er spricht. Ihm zu unterstellen, er sei käuflich, halte ich für absolut übertrieben. Wer gut ist, der bekommt nun mal ein höheres Honorar als jemand, der nicht so gut ist.

SPIEGEL ONLINE: Steinbrück hat in seinem Papier zur Bankenregulierung gefordert, große Institute zu zerschlagen, den Eigenhandel vom Privat- und Firmenkundengeschäft zu trennen. Eine Expertengruppe der EU-Kommission hat ähnliche Vorschläge gemacht. Und auch bei anderen deutschen Parteien hat die Idee viele Befürworter. Können Sie die Aufspaltung eigentlich noch verhindern?

Schmitz: Wenn man rationalen Argumenten zugänglich ist und die historischen Erfahrungen berücksichtigt, müsste man sie eigentlich verhindern. Trennbanken sind nicht per se besser als Universalbanken. Das hat auch die Expertengruppe ausdrücklich festgestellt. Aber das Thema ist zu einer Art Lieblingsidee einiger Politiker geworden. Da zählen rationale Argumente dann nicht mehr so viel. Die Politik versucht zu zeigen, dass sie etwas tut - und ignoriert dabei, was schon alles getan wurde, um das System sicherer zu machen. Diese Schritte muss man doch erst mal wirken lassen, bevor man noch etwas oben drauf sattelt.

SPIEGEL ONLINE: Ach, kommen Sie! Das hören wir von den Banken doch immer, wenn es um Regulierung geht. Bei jedem Schritt heißt es, gerade das sei jetzt zu viel.

Schmitz: Alles, was das Geschäft erschwert, stößt erst mal nicht auf Begeisterung. Richtig ist, dass wir vor der Finanzkrise in Wirtschaft und Politik die Tendenz hatten, den Kräften des Marktes zu viel freien Raum zu lassen. Da haben wir die Grundlagen unserer Sozialen Marktwirtschaft vernachlässigt. Heute ist auch in der Bankenbranche den allermeisten klar, dass der Staat einen Rahmen setzen muss. Die einzelnen Regulierungsmaßnahmen können für sich genommen richtig sein und sind es oft auch. Aber zusammen genommen droht es langsam, zu viel zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Der Vorschlag, das Zockergeschäft vom Privat- und Firmenkundengeschäft zu trennen, klingt doch ganz vernünftig. Was spricht dagegen - außer Ihrem eigenen Geschäftsinteresse?

Schmitz: Ich störe mich schon an Ihrer Wortwahl. Es geht da nicht zwingend immer um Zockergeschäft. Das sind nur die Auswüchse. Das ganze Investmentbanking als Zockergeschäft hinzustellen, ist falsch.

SPIEGEL ONLINE: Es geht bei den Vorschlägen um eine Abtrennung des Eigenhandels, also des Geschäfts auf eigene Rechnung. Das kann man auch als Zocken bezeichnen.

Schmitz: Dann müssten Sie auch die Industrieunternehmen als Zocker bezeichnen, die über Termingeschäfte versuchen, sich gegen Ölpreisschwankungen abzusichern.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Industrie braucht das Öl, ihre Geschäfte haben einen volkswirtschaftlichen Zweck. Beim Eigenhandel der Banken fehlt dieser Zweck.

Schmitz: Das stimmt nur teilweise. Oft geht es bei den Geschäften der Banken gerade darum, ihren Kunden in der Industrie zu helfen. Das lässt sich nicht immer so einfach voneinander trennen. Besser wäre es deshalb, wenn die Banken ihren Eigenhandel mit deutlich mehr Kapital unterlegen müssten. Dann hätte sich das Thema schnell erledigt, weil die Rendite drastisch sinken würde.

SPIEGEL ONLINE: Um die Banken in Europa sicherer zu machen, will die EU-Kommission auch die Einlagensicherungsfonds der einzelnen Länder zusammenführen. In Deutschland gibt es heftige Kritik. Unter welchen Umständen können Sie sich eine solche Bankenunion vorstellen, bei der deutsche Banken für die Guthaben der Sparer in Griechenland oder Spanien mithaften?

Schmitz: Ich kann mir vieles vorstellen, aber eine Bankenunion kann nur der letzte von vielen Schritten sein. Vorher müsste der Fiskalpakt so umgesetzt werden, dass er nicht nur ein Stück Papier ist. Es müsste eine europäische Bankenaufsicht eingesetzt werden, die alle europäischen Institute überwacht. Und zusätzlich müsste es noch weitere Schritte hin zu einer politischen Union geben. Erst dann kann man über eine Bankenunion nachdenken. Aber auch nicht so, dass Deutschland automatisch für die Banken anderer Staaten haftet.

SPIEGEL ONLINE: Aber ist nicht die Gesundung der Banken ein Kernpunkt zur Lösung der Euro-Krise? Der Internationale Währungsfonds hat gerade wieder eine Bankenunion für Europa gefordert, um diese zentrale Problem anzugehen.

Schmitz: Das stimmt zwar, aber wir dürfen uns deshalb nicht noch einmal in eine Situation manövrieren, in der wir nur Verträge haben, aber keine Kontrolle. Diesen Fehler haben wir schon bei der Einführung des Euro gemacht. Wir sollten ihn nicht wiederholen. Wenn wir irgendwann eine funktionierende Kontrolle haben, ist eine Bankenunion vielleicht sogar das Richtige. Aber diese gemeinsame Kontrolle für alle Banken in Europa haben wir bisher nicht. Die Reihenfolge ist also einfach falsch.

SPIEGEL ONLINE: War die Währungsunion ein Fehler?

Schmitz: Nein, ganz und gar nicht, aber die Regeln haben nicht gegriffen. Die mangelnde Kontrolle hat dazu geführt, dass einige Euro-Staaten im ersten Jahrzehnt die Segnungen des Euro - also die billigen Zinsen - nur zum Konsum genutzt haben und nicht für Investitionen. Die haben bildlich gesprochen eine Party gefeiert. Jetzt müssen sie erst mal sehen, wie sie ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen. Auch wenn das hart ist.

SPIEGEL ONLINE: Die niedrigen Zinsen haben uns einen Teil der Probleme eingebrockt, nun versucht man sie durch noch niedrigere Zinsen zu lösen. Die Europäische Zentralbank flutet die Finanzmärkte mit billigem Geld. Wie gefährlich ist das?

Schmitz: Diese Politik des billigen Geldes birgt immer die Gefahr, dass sich Spekulationsblasen bilden. In Spanien und Irland zum Beispiel sind die Krisen vor allem aus Immobilienblasen entstanden. Wir glauben derzeit, die Probleme mit Geld zuschütten zu können. Aber damit kaufen wir uns höchstens Zeit. Irgendwann werden wir uns den Problemen stellen müssen, auch wenn das schmerzhaft ist. Denn wenn wir weiter warten, wird es noch schmerzhafter.

SPIEGEL ONLINE: Auch in Deutschland steigen derzeit die Immobilienpreise drastisch. Sehen Sie auch hier eine Immobilienblase?

Schmitz: Es gibt zwar eine deutliche Preissteigerung, aber das sind zum Teil auch Nachholeffekte, weil sich vorher 20 Jahre lang nichts getan hat. Wenn man München mit London oder Mailand vergleicht, dann ist Deutschland immer noch günstig. Und wenn man 20 Kilometer von den deutschen Metropolen weggeht, gibt es so gut wie keine Preissteigerungen.

SPIEGEL ONLINE: Müssen wir uns als Folge der Geldflut auf steigende Inflation in Deutschland einstellen?

Schmitz: In den nächsten zwei bis drei Jahren wird die Inflationsrate wohl kaum über das hinausgehen, was wir in den vergangenen Jahren hatten, also ein bis 2,5 Prozent. Aber danach droht die Inflation. Es ist einfach zu viel Geld im Wirtschaftskreislauf. Und für den Staat ist die Geldentwertung die einfachste Möglichkeit, sich zu entschulden. Die Bürger werden dabei schleichend enteignet.

SPIEGEL ONLINE: Was raten Sie Ihren Kunden?

Schmitz: Da wir alle nicht wissen, wie es genau weiter geht, ist es wichtig, sein Vermögen breit zu streuen. Da sollten Immobilien dabei sein, aber auch internationale Aktienwerte, die vom Konjunkturzyklus nicht ganz so stark betroffen sind. Dann natürlich Anleihen von guten Schuldnern - und der ein oder andere mag noch Gold als Absicherung gegen die Krise dazu nehmen.

SPIEGEL ONLINE: Taugt Gold zum Kriseninvestment?

Schmitz: Man kann Gold zwar nicht essen, und es wirft keine Zinsen ab. Aber wenn das Zinsniveau ohnehin fast bei null liegt, dann ist das Halten von Gold nicht mehr so teuer. Faszinierend finde ich immer, wie physisch begrenzt Gold ist, das macht es so wertvoll. In der gesamten Menschheitsgeschichte wurden gerade mal rund 160.000 Tonnen Gold gefördert. Wenn man das auf einen Haufen legen würde, ergäbe es gerade mal einen Würfel von etwa 20 mal 20 mal 20 Meter.

Das Interview führten Stefan Kaiser und Christian Rickens

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1. Lobbytröte
ergoprox 12.10.2012
Wer gibt etwas auf die Meinung einer Lobbytröte?
2. Inflation durch Euro-Umstellung
endbenutzer 12.10.2012
Zitat von sysopREUTERSDie deutschen Banken warnen vor Inflation in Deutschland. Im Interview erklärt Verbandspräsident Andreas Schmitz, warum Sparer Schritt für Schritt ihr Vermögen verlieren - und wie sicher Gold ist. Die hohen Rednerhonorare für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verteidigt er. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bankenpraesident-schmitz-warnt-vor-inflation-a-860897.html
Eine Inflation wurde bereits mit der Einführung des Euro im Jahr 2001 vollzogen. Das ist jetzt 11 Jahre her. Ein paar Vergleiche? VW Golf, Kaufpreis vor der Euro-Umstellung: 18.000 DM. Heute 18.000 Euro für ein vergleichbares Modell. Kühl- Gefrier Kombination, Markengerät, vor der Euro-Umstellung: 750 DM. Heute 750 Euro für ein vergleichbares Gerät. Schuhe für Laufsport, aktuelles Modell vor der Umstellung: 100 bis 130 DM. Heute 100 bis 130 Euro. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Schaut man sich die aktuellen Autopreise an, kann es einem eigentlich schwindelig werden. Wer hätte z.B. vor der Euro-Umstellung für einen Golf GTI 60.000 DM hingeblättert? heute kostet so ein Ding über 30.000 Euro.
3. Wenn Steinbrück schwätzen will, dann soll er das tun.
breakthedawn 12.10.2012
Entweder schwätzen und Geld kassieren oder Politiker sein und vom Steuerzahler bezahlt werden. Beides zusammen geht nicht.
4. Inflation?
yovanka 12.10.2012
Zitat von sysopREUTERSDie deutschen Banken warnen vor Inflation in Deutschland. Im Interview erklärt Verbandspräsident Andreas Schmitz, warum Sparer Schritt für Schritt ihr Vermögen verlieren - und wie sicher Gold ist. Die hohen Rednerhonorare für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verteidigt er. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bankenpraesident-schmitz-warnt-vor-inflation-a-860897.html
So viel sollte dem EU-Bürger der Nobelpreis schon wert sein. "Eine Ehre für 500-Mill. EU-Bürger" (http://www.spiegel.de/politik/ausland/nobelpreis-fuer-eu-begeisterte-reaktionen-der-politik-a-860934.html)
5. ich lach mich tot
spon_2114428 12.10.2012
Mal abgesehen davon, dass ausgerechnet die Experten das Thema jetzt erst für sich „entdecken“. Da macht sich der Bock zum Gärtner und der Fuchs behauptet, er sei Vegetarier und die Hühner seien an allem schuld. Die Verursacher der Inflation, die Fiat Money Schöpfer, werden immer frecher .. und tarnen das noch als „Mitgefühl“.
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Zur Person
  • DPA
    Andreas Schmitz ist Deutschlands oberster Banker. Seit 2009 steht er als Präsident dem Bundesverband deutscher Banken vor, der die Interessen der privaten Kreditinstitute vertritt. Zugleich ist Schmitz Vorstandssprecher der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf.


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