Bankenabstufungen: EU-Finanzmarktaufseher prüfen Methoden der Rating-Riesen

Die schlechteren Bonitätsnoten für viele Großbanken haben die Euro-Krise verschärft - nun nimmt die EU-Finanzmarktaufsicht die Methoden der großen Rating-Agenturen unter die Lupe: Es bestehe Sorge, dass Moody's und Co. nicht über ausreichende Ressourcen verfügten.

Logo in Pariser Büros von Standard & Poor's: Sorge um ausreichende Ressourcen Zur Großansicht
DPA

Logo in Pariser Büros von Standard & Poor's: Sorge um ausreichende Ressourcen

London - In regelrechten Rundumschlägen haben die großen Rating-Agenturen in den letzten Monaten die Kreditwürdigkeit zahlreicher Banken gesenkt - nun überprüfen die Finanzmarktaufseher der EU die Methoden von Standard & Poor's (S&P), Fitch und Moody's. Mit der Prüfung solle die Stringenz und Transparenz der Vorgehensweise untersucht werden, sagte der Chef der EU-Finanzmarktaufsicht (Esma), Steven Maijoor, der "Financial Times".

Mit entscheidend für die nun eingeleitete Untersuchung ist offenbar die Tatsache, dass sowohl Standard & Poor's im vergangenen November als auch Moody's zuletzt vor zwei Wochen die Bonitätsnoten gleich einer ganzen Reihe von Banken auf einen Schlag herabgestuft hatten. Dies hätte Anlass zur Sorge gegeben, dass die Rating-Agenturen nicht über ausreichend analytische Ressourcen verfügen, sagte Esma-Chef Maijoor. "Ratings blockweise zu vergeben, kann keine Begründung dafür sein, weniger Zeit darauf zu verwenden." Die Prüfung solle bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Standard & Poor's hat bereits seine bereitschaft zur Kooperation mit der Esma erklärt. Man wolle seine Methoden erläutern. Moody's und Fitch lehnten hingegen eine Stellungnahme ab.

Die EU-Finanzmarktaufsicht Esma besteht selbst erst seit weniger als zwei Jahren. Sie war aufgrund der massiven Kritik an den Rating-Agenturen im Zuge der europäischen Schuldenkrise gegründet worden. Mehrfach hatten die Rating-Riesen ihre Note für angeschlagene Staaten wie Spanien und Italien heruntergestuft. Europäische Politiker werfen den Agenturen vor, mit ihren Urteilen die Dynamik verschärft zu haben. Daraufhin hatten die Behörden weltweit ein genaueres Auge auf die Bonitätswächter geworfen. Die Agenturen entgegnen, dass sie lediglich die Überbringer schlechter Nachrichten seien. Die Verantwortung für die Finanzmisere trügen die Staaten selbst.

fdi/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Kann mir jemand erklären,
apasionado 02.07.2012
woran es liegt, dass Europa keine eigenen Ratingagenturen auf die Beine stellen kann - angeblich an ein paar Millionen € die von den Banken nicht dafür bereit gestellt werden? Das kann wohl nicht der wahre Grund sein. Und weiter: Wieso dauert es mitten in einem Krisenszenario wiederum Jahre, bis ESMA vorzeigbare Ergebnisse vorlegen kann? Haben die alle nicht begriffen, was auf dem Spiel steht, dass sie in aller Ruhe ihren Job machen bzw. das, was sie dafür halten. Wer bezahlt die eigentlich und stellt damit auch klar, was von denen erwartet wird?
2. Bin kein Ratingexperte
chagall1985 02.07.2012
Aber mir scheint dass die Jungs nichts weiter tun als Marktmeinung mit Zahlen zu untermauern! Im Grunde wurde bislang jede Markthysterie und Marktidiotie von denen begleitet. Sowohl bei den TopRatings für Ramschhypotheken als auch jetzt bei den desaströsen Ratings für Länder und Banken. Wie kann es sonst sein, das sich über Nacht eine Einschätzung so radikal verschlechtert oder verbessert. Teilweise wurden Ratings über Nacht um mehrere Stufen runtergeschraubt. Ich denke nach wie vor das wir diesen 3 Firmen viel zu viel Macht geben indem die Politik bei Anlagen auf Ratings setzt. Die verpflichtung sollte schnellstens überdacht werden. Sie bringt eh nichts! Da die Agenturen ja von den Produktgebern bezahlt werden. Und um die USA oder Spanien zu beurteilen braucht man die erst recht nicht!
3. Seriosität von Moody's & Co
radwal 02.07.2012
Erstaunt war man schon seit langer Zeit,mit welcher Leichtgläubigkeit alle Welt an den augurischen Feststellungen der amerikanischen,privaten Ratingagenturen Orientierung suchte und daraus weitreichende Konsequenzen zog.Dass nun die Europäer endlich die Tauglichkeit solcher Bewertungen hinterfragen wollen,ist eine überfällige Maßnahme. Nicht zu übersehen sind auch die eigenständigen wirtschaftlichen Interessen dieser Agenturen,die zudem über Netzwerke durchaus spekulative Ziele zum eigenen Nutzen daraus verfolgen können.
4.
traurigewelt 02.07.2012
Wurde aber auch Zeit....
5. Keine ausreichenden Informationen?
dunnhaupt 02.07.2012
Wenn die Banken den Agenturen die Informationen vorenthalten, brauchen sie sich über schlecht informierte Ratings nicht zu wundern. Die spanischen Banken haben ja sogar den Euro-Stresstest belogen, von den Griechen ganz zu schweigen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Rating-Agenturen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Montag, 02.07.2012 – 08:25 Uhr
  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 9 Kommentare
Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

Rating
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall