Wirtschaft


Mögliche Banklizenz für ESM: Heftiger Streit um den Rettungsfonds-Trick

Wie weit dürfen die Euro-Retter gehen? Frankreich und Italien wollen den Rettungsfonds ESM mit einer Banklizenz ausstatten, damit er sich Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen kann. Die Deutschen sind empört. Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt spricht von einem Rechtsbruch.

EZB in Frankfurt/Main: Geld ohne Limit für ESM? Zur Großansicht
AFP

EZB in Frankfurt/Main: Geld ohne Limit für ESM?

Hamburg - Im Ringen um eine Lösung der Euro-Krise ist Deutschland zunehmend isoliert. Laut "Süddeutscher Zeitung" wollen wichtige Staaten wie Frankreich und Italien den im Herbst startenden Rettungsfonds ESM mit einer Banklizenz ausstatten, die es ihm erlaubt, sich praktisch unbegrenzt Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu leihen.

Unterstützung bekommen sie dabei offenbar von Luxemburg. Es gehe nicht darum, "Geld ohne Limit und ohne Bedingungen zu bekommen", sagte Außenminister Jean Asselborn in der ARD. "Aber wir müssen ein Instrument entwickeln, das effektiv die Spekulation unterbindet."

Das Bundesfinanzministerium lehnt es ab, den Euro-Rettungsschirm ESM mit einer Banklizenz auszustatten. Der Schirm verfüge über keine solche Lizenz, "und wir sehen keine Notwendigkeit dafür", sagte ein Sprecher am Dienstag auf dapd-Anfrage. "Wir führen auch keine Gespräche zu dem Thema."

Asselborn jedoch appellierte an Deutschland, sich solidarisch zu zeigen. "Ich will kein Deutschland haben als europäischer Bürger, vor dem man Angst haben muss, von dem man befürchtet, dass es sich isolieren könnte."

Bei dem neuen Vorstoß für eine Banklizenz geht es darum, den Rettungsfonds ESM mit quasi unbegrenzten Mitteln auszustatten. Der Fonds würde dazu Staatsanleihen der Krisenländer aufkaufen und diese als Sicherheiten bei der EZB deponieren. Im Gegenzug könnte er sich bei der Notenbank Geld zu günstigen Konditionen leihen, das er wiederum zur Stützung der Krisenstaaten einsetzen könnte.

"Die Axt an der Wurzel unserer Währung"

Bundesregierung und Bundesbank sind vehement gegen eine Banklizenz für den ESM. Sie fürchten, dass die Notenbank ihre Unabhängigkeit verlieren würde, wenn sie Staaten finanzierte.

Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sieht in dem Vorstoß aus Frankreich und Italien einen klaren Rechtsbruch. "Wir sind bereits in einer sehr extremen Dehnung des europäischen Rechts, um das mal gelinde zu sagen", kritisierte Stark im "Deutschlandfunk".

Der Ökonom hatte die EZB aus Unzufriedenheit über deren Politik verlassen. Der Notenbank ist die direkte Staatsfinanzierung nach ihren Statuten verboten. Indirekt tat sie dies bis Jahresanfang, indem sie Staatsanleihen im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro am Markt kaufte und so die Kreditkosten von Krisenländern senkte.

Auch aus der FPD kam heftige Kritik an den neuen Plänen. "Eine Banklizenz für den ESM ist ein klarer europäischer Rechtsbruch, da dies auf eine direkte Finanzierung der Staaten durch Mittel der Notenbank hinauslaufen würde", sagte der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil. "Damit legen wir die Axt an die Wurzel unserer Währung."

Der Bundesverband Öffentlicher Banken sprach sich ebenfalls gegen die Idee einer Banklizenz aus. "Dieses Vorhaben würde eine weitere unbegrenzte Vergemeinschaftung von Staatsschulden durch die Hintertür ermöglichen", teilte Hauptgeschäftsführer Hans Reckers mit. "Das ist klar abzulehnen."

Zustimmung erhielt der Vorschlag lediglich von Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. "Das ist notwendig", sagte er in der ARD. "Und das ist wahrscheinlich auch billiger als die bisherige Praxis." Derzeit leihe die EZB Privatbanken für ein Prozent Geld, und diese reichten es für Zinsen von sieben Prozent an Krisenstaaten weiter. Es sei nicht richtig, "dass private Banken an der Krise des Euro auch noch verdienen, zu Lasten des Steuerzahlers", sagte Trittin.

stk/dpa/Reuters

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insgesamt 422 Beiträge
chrimirk 31.07.2012
So lange noch Zeit ist. Die machen uns Pleite. Deren Euro-Kolchose, die Schuldensozialismus produziert, bricht D. und anderen soliden Ländern das Genick. Das ist auch deren die Absicht/Ziel . Und Juncker & co sind [...]
Zitat von sysopWie weit dürfen die Euro-Retter gehen? Frankreich und Italien wollen den Rettungsfonds ESM mit einer Banklizenz ausstatten, damit er sich Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen kann. Die Deutschen sind empört. Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt spricht von einem Rechtsbruch. Banklizenz für Rettungsfonds: Stark, Trittin und Asselborn streiten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,847389,00.html)
So lange noch Zeit ist. Die machen uns Pleite. Deren Euro-Kolchose, die Schuldensozialismus produziert, bricht D. und anderen soliden Ländern das Genick. Das ist auch deren die Absicht/Ziel . Und Juncker & co sind fleissige Unterstützer.
alexas2 31.07.2012
Klar sind wir isoliert. Und das ist auch gut so: Derjenige, der ausgeraubt werden soll, ist immer "isoliert" gegenüber den Räubern. Trotzdem muss er sich mit allen Mitteln wehren ! Man könnte ja auch schreiben [...]
Klar sind wir isoliert. Und das ist auch gut so: Derjenige, der ausgeraubt werden soll, ist immer "isoliert" gegenüber den Räubern. Trotzdem muss er sich mit allen Mitteln wehren ! Man könnte ja auch schreiben "Deutschland trotzt den Schuldenvergemeinschaftungstricks der Draghis", liebe SPON-Redakteure. Aber das ist Euch bestimmt viel zu eurokritisch formuliert, gelle...?
Raphael 31.07.2012
Es geht ja hier eindeutig darum, ein Finanzsystem nach Vorbild der FED aufzubauen. Keine Kontrolle unbegrenzte Möglichkeiten Geld zu drucken = totale Kontrolle über ganz Europa. Das ist kein Rechtsruck, das ist ein [...]
Es geht ja hier eindeutig darum, ein Finanzsystem nach Vorbild der FED aufzubauen. Keine Kontrolle unbegrenzte Möglichkeiten Geld zu drucken = totale Kontrolle über ganz Europa. Das ist kein Rechtsruck, das ist ein Ultrarechtsruck und Hochverrat an allen europäischen Völkern.
seppel82 31.07.2012
Aufkaufen von Staatsanleihen der Krisenländer und diese als Sicherheiten bei der EZB zu hinterlegen ist wie auf einen Stuhl steigen, einen weiteren draufstellen und dann zu glauben, dass man mit Hilfe des ersten Stuhls noch weiter [...]
Aufkaufen von Staatsanleihen der Krisenländer und diese als Sicherheiten bei der EZB zu hinterlegen ist wie auf einen Stuhl steigen, einen weiteren draufstellen und dann zu glauben, dass man mit Hilfe des ersten Stuhls noch weiter nach oben kommt.
brux 31.07.2012
Deutschland isoliert sich nicht, sondern beharrt auf der Anwendung der EU-Verträge. Das führt offenbar dazu, dass Deutschland isoliert wird (natürlich mit einigen anderen, die nie erwähnt werden). Ohne Vertragstreue kann man [...]
Deutschland isoliert sich nicht, sondern beharrt auf der Anwendung der EU-Verträge. Das führt offenbar dazu, dass Deutschland isoliert wird (natürlich mit einigen anderen, die nie erwähnt werden). Ohne Vertragstreue kann man die ganze EU vergessen. Das sollte auch Herr Asselborn erkennen. Und wenn man jetzt Spanien und Italien raushaut, obwohl dort gewaltige Fehler gemacht wurden und werden, wird man nie zu einer nachhaltigen Schuldenpolitik finden. Man wird dort dann einfach so inkompetent weitermachen wie bisher. Das dient wirklich niemandem. Gut ist aber, dass die Dreistigkeit der selbst ernannten Euroretter so offensichtlich wird. Das sollte dem BVerfG die Entscheidung erleichtern.
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  • Dienstag, 31.07.2012 – 12:30 Uhr
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Mehr dazu im SPIEGEL

So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Die Europäische Zentralbank
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion und bildet mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten das Europäische System der Zentralbanken .


Gedränge unter dem Rettungsschirm
Im April 2010 beschloss der EU-Gipfel das erste Rettungspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro für drei Jahre, bestehend aus bilateralen Krediten unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ein Jahr später legten die Staats- und Regierungschefs ein zweites Rettungspaket nach, an dem sich neben dem IWF auch die privaten Gläubiger mit einem Forderungsverzicht beteiligten. Das später ausgehandelte Gesamtvolumen: 172,6 Milliarden Euro (inklusive 24,4 Milliarden aus dem alten Programm) für die kommenden zwei Jahre. 30 Milliarden Euro davon gehen indes nicht an Athen, sondern zur Absicherung an die Banken. Deren Verlust aus dem Schuldenschnitt: 107 Milliarden Euro.



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