Obama-Reise Run auf Kuba

Als erster US-Präsident seit 88 Jahren reist Barack Obama nach Kuba. In seiner Delegation befinden sich viele Top-Manager - sie hoffen auf einen Milliardenmarkt.

REUTERS

Von , New York


Für Saul Berenthal ist es eine späte Heimkehr. Der 72-jährige Unternehmer aus Alabama wurde auf Kuba geboren. Als Teenager kam er in die USA, arbeitete lange als Software-Ingenieur für IBM, machte sich selbstständig, ging in den Ruhestand - und gründete 2015 mit seinem Partner Horace Clemmons dann noch mal eine Traktorfirma.

CleBer tauften sie die, die ersten Buchstaben ihrer Nachnahmen. Sie gaben sich ein ganz spezifisches Ziel - Landmaschinen für Berenthals Geburtsland, das er in den vergangenen Jahren immer wieder besucht hatte. Und jetzt geht dieser Traum endlich in Erfüllung: Als erstes US-Unternehmen seit 1959 darf CleBer auf Kuba eine Treckerfabrik bauen.

Im Februar genehmigten beide Regierungen ihren Antrag. Ab 2017 soll CleBer am Hafen von Mariel bei Havanna pro Jahr 1000 Maschinen produzieren. Was Berenthal mehr als Hilfsleistung versteht denn als reines Geschäft: "Die Farmer sind entscheidend für Kubas Wirtschaft."

Noch sind solche Fälle eine Ausnahme. Weshalb das Thema Wirtschaft nun auch mit ganz oben auf der Tagesordnung steht, wenn Barack Obama an diesem Sonntag nach Kuba fliegt, als erster US-Präsident seit 88 Jahren: Obwohl die diplomatischen Beziehungen wiederhergestellt sind, sind die ökonomischen Beziehungen weiter nur rudimentär.

Seit Obama die Tür zu Kuba aufgestoßen hat, liegen viele US-Firmen auf der Lauer. Telekommunikationsunternehmen, Start-ups, Großkonzerne wie Coca-Cola und Bacardi, die einst von der Insel vertrieben wurden: Alle gieren auf den letzten unerschlossenen Markt dieser Hemisphäre. Seit Dezember 2014, als Obama die Öffnung verkündete, reisten nach Angaben des US-Cuba Trade and Economic Councils mehr als 500 amerikanische Geschäftsleute nach Kuba, um die Lage auszuloten.

Manche feiern bereits erste Erfolge. Die US-Hotelfirma Starwood zum Beispiel, die am Sonntag verkündete, sie habe einen Auftrag zur Renovierung von drei kubanischen Hotels ergattert. Der Deal hat durchaus Symbolkraft: Vor gut 50 Jahren waren alle US-Hotelbetreiber auf der Insel von Fidel Castro enteignet worden.

Doch wegen großer Hindernisse auf beiden Seiten sind bisher nur wenige Deals zustande gekommen. "Die Situation bleibt extrem kompliziert", sagt Stephen Propst von der Washingtoner Anwaltskanzlei Hogan Lovells, die Kuba-Investoren berät. Das liege nicht nur am US-Embargo, auf dem die Republikaner im Kongress bestehen - sondern auch an kubanischen Restriktionen: "Trotz Reformen ist das Umfeld immer noch nicht besonders attraktiv."

Dennoch hoffen nun mindestens drei US-Multis, im Windschatten des Obama-Besuchs in Kuba Fuß zu fassen. Darunter AT&T, Amerikas zweitgrößter Mobilanbieter: Der verhandelt nach Informationen des "Wall Street Journal" gerade ein Roaming-Abkommen für Kuba, wie es die Konkurrenten Sprint und Verizon bereits abgeschlossen haben.

Amerikaner dürfen mit kubanischen Staatsfirmen handeln

Auch die Hotelkette Starwood (Sheraton, Westin, W) bemüht sich um die Genehmigung, "unsere Marke auf Kuba auszuweiten". Rivale Marriott zeigt sich ebenfalls "optimistisch, dass wir bald grünes Licht bekommen, in Kuba Hotels unter der Marriott-Flagge zu führen".

Die Tourismusindustrie ist schließlich eine der vielversprechendsten Branchen: Zurzeit hat Kuba nur 62.000 Hotelzimmer, Las Vegas hat zweieinhalbmal so viele. 13.600 weitere sind dieses Jahr geplant.

Dass alles noch sehr schleppend läuft, daran ändern auch die einseitigen Maßnahmen wenig, die Obama am Kongress - und Kuba - vorbei veranlasst hat. So dürfen Amerikaner nun mit kubanischen Staatsfirmen handeln und US-Unternehmen Kubaner einstellen - um "Brücken zu bauen", wie US-Sicherheitsberater Ben Rhodes sagte.

Besonders bedeutsam ist der Wandel für Coca-Cola. Kuba ist eines von nur noch zwei Ländern auf der Welt, in dem es zumindest offiziell keine Coke gibt, das andere ist Nordkorea. Der Brausebrauer, der seit 1906 Abfüllanlagen in Kuba gehabt hatte, musste die Insel verlassen, als Fidel Castro die Privatwirtschaft verstaatlichte. Der Cocktail "Bacardi und Coke" war auch der Ursprung des legendären Cuba Libre.

Viele US-Konzerne halten an teuren Besitzansprüchen fest

Bacardi selbst hat eine noch enger verflochtene Geschichte mit Kuba. 1862 in Santiago de Cuba gegründet, fiel auch die weltberühmte Rum-Destillerie der Castro-Revolution zum Opfer und floh nach Bermuda.

In Obamas Delegation reisen etliche US-Manager mit, darunter der Marriott-Vorstandsvorsitzende Chef Arne Sorenson und Xerox-Chefin Ursula Burns. Auf dem Terminplan steht unter anderem ein Treffen mit kubanischen Unternehmern in Havanna.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele US-Konzerne, die früher in Kuba vertreten waren, an teuren Besitzansprüchen festhalten - nicht nur Coca-Cola und Bacardi, sondern auch Exxon, Texaco, Chevron oder GM. "Dieses Problem muss gelöst werden", sagt Stephen Propst.

Insgesamt belaufen sich diese beim US-Finanzministerium registrierten Forderungen auf sieben Milliarden Dollar - fast doppelt so viel, wie ein jährlicher US-Exportmarkt nach Kuba eines Tages wert sein könnte.

Zum Autor
Lane Hartwell
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

Der Autor auf Facebook

Mehr Artikel von Marc Pitzke

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 97 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
steve_burnside 20.03.2016
1. Armes Kuba.
Der Ausverkauf kann hiermit beginnen.
budapesterbumsorchester 20.03.2016
2.
"Letzter unerschlossener Markt dieser Hemisphäre" ? Sorry,aber wenn ich so ein Müll lese dann lese ich schon nicht mehr weiter.Ich denke es gibt genug andere Länder die auf Grund ihrer Politik nicht mitspielen dürfen.
chucho 20.03.2016
3. Wahlen abwarten
Die Entwicklung in der Beziehung zwischen USA und Cuba hängt entscheidend von den kommenden US-Wahlen ab. Andererseits sind die US-Amerikaner lupenreine Kapitalisten. Sie lassen sich auf Kuba sicherlich nicht von Europa oder den Chinesen abhängen.
sir wilfried 20.03.2016
4. Zurück zum Bordell der USA?
Mag man sich das vorstellen? An jeder Ecke Mc.Donald oder KFC - Bildungsniveau wie in südamerikanischen Diktaturen - die schönsten Strände in Privatbesitz von US-Milliardären und menschliche Arbeitskraft eine beliebige Ware. Vom kulturellen Niedergang ganz zu schweigen. Vorher aber muss noch eine US-Marionette an die Macht gehievt werden.
winki 20.03.2016
5. Schade um das Land und schade um die Menschen
Ich war 3 mal zu je 3 Wochen im Urlaub auf Kuba und habe Kubaner getroffen die ganz gut deutsch gesprochen haben. Sie waren zur Ausbildung in der DDR. Alles durchweg sehr nette und freundliche Menschen. Sie haben uns viel erzählt vom Leben ihrer Eltern unter dem Diktator Batista. Es gab damals keine Schulen und keine Krankenversorgung für das Volk, das Sagen hatten die USA. Es wäre sehr schlimm, wenn die US-Konzerne das Land wieder vereinnahmen und alles so wird wie damals. Nach lesen des Artikels habe ich die Befürchtung, dass es so ähnlich wieder kommt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.