Zinsmanipulation Chef-Aufseher von Barclays tritt zurück

Nach der Rekordstrafe für die britische Großbank Barclays zieht der oberste Kontrolleur die Konsequenz: Chairman Marcus Agius gibt seinen Posten auf. Das Geldinstitut soll über Jahre versucht haben, Zinsen zu manipulieren - und will nun seine Geschäftspraktiken überprüfen.

Barclays-Verwaltungsratschef Marcus Agius (Januar 2011): Konsequenz aus Skandal
REUTERS

Barclays-Verwaltungsratschef Marcus Agius (Januar 2011): Konsequenz aus Skandal


London - Der Skandal um Zinsmanipulationen bei der britischen Großbank Barclays hat erste personelle Auswirkungen: Verwaltungsratschef Marcus Agius tritt zurück. Er übernehme damit die Verantwortung für die Vorgänge um die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes, erklärte Agius. Die in der vergangenen Woche verhängte Rekordstrafe von 290 Millionen Pfund hätte ein "inakzeptables Vorgehen innerhalb der Bank" deutlich gemacht und dem Ruf des Instituts massiv geschadet.

Als Vorsitzender des Verwaltungsrats sei er "der oberste Wächter über den Ruf der Bank", teilte Agius weiter mit. Barclays Chart zeigen will nach eigenen Angaben die Vorgänge untersuchen und der Öffentlichkeit einen Bericht sowie neue Regeln für die Mitarbeiter vorlegen. Ein Nachfolger für Agius steht noch nicht fest. Unter Druck steht auch Vorstandschef Bob Diamond. Er muss diese Woche vor dem Finanzausschuss des britischen Unterhauses aussagen.

In der vergangenen Woche war Barclays von der britischen und der US-amerikanischen Finanzaufsicht zu Strafzahlungen in Höhe von 290 Millionen britischen Pfund (rund 345 Millionen Euro) verdonnert worden. Die britische Finanzaufsicht FSA war zu dem Schluss gekommen, dass die Verfehlungen bei Barclays "ernst und großflächig" gewesen seien.

Bei den seit Monaten in mehreren Ländern laufenden Untersuchungen geht es um den Vorwurf der Manipulation des weltweit gültigen Interbanken-Zinssatzes Libor. Dieser täglich in London fixierte Satz dient als Referenz für Kredite von Privatleuten und Unternehmen sowie Finanzprodukten im Gesamtvolumen von 360 Billionen Dollar. Er basiert auf den Daten mehrerer Großbanken, die diese täglich abliefern. Den Instituten - darunter auch die Deutsche Bank Chart zeigen - wird nun vorgeworfen, von 2005 bis 2009 absichtlich falsche Angaben gemacht zu haben, um die eigenen Handelsgewinne in die Höhe zu treiben.

fdi/dpa-AFX/AFP/Reuters

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insgesamt 9 Beiträge
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skylarkin 02.07.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSNach der Rekordstrafe für die britische Großbank Barclays zieht der oberste Kontrolleur die Konsequenz: Chairman Marcus Agius gibt seinen Posten auf. Das Geldinstitut soll über Jahre versucht haben, Zinsen zu manipulieren - und will nun seine Geschäftspraktiken überprüfen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,842022,00.html
Mir ist unklar warum dieser Skandal beim SPON nur eine Randnotiz ist.In anderen Medien(u.a.Frankfurter Rundschau) wird schon seit Tagen darüber berichtet. Jedenfalls ein weiterer Sargnagel für das Vertrauen in die Bank- und Finanzwirtschaft. Es ist einfach unglaublich..
nesmo 02.07.2012
2. Banken weiten ihre Geschäfte aus
und die Aufsicht kommt nicht hinterher. Banken suchen jede Möglichkeit neue "Geschäftsfelder" aufzumachen. Durch die große Masse des Geldes ist jede kleine Differenz, die genutzt werden kann, wertvoll. Und wenn man nur "ein wenig" manipulieren muss, um viel Geld zu vedienen, ist die Verführung groß. Insbesondere, wenn man kaum erwischt wird. Solange die Banken mit diesen neuen Geschäftsideen viel mehr Geld als mit herkömlichen Geschften läuft die Aufsicht hinterher. Wie wäre es, wenn die Banken sich freiwillig gewissen Ethikregeln unterwerfen, die für alle neuen Geschäftsarten gelten? Und freiwillig bei Verstößen saftige Strafen akzeptieren? Geht dies nicht, dann muss die Bankenaufsicht diese Grundsätze regeln, damit sich die Vorstände und Aufsichtsräte nicht rausreden können, sie hätten bei diesen Geschäften nichts verwerfliches erkennen können.
gast2011 02.07.2012
3. ein weiterer beweis
und grund warum die menschheit das vertrauen in die banken verloren hat und diese lobbyzunft nun bankster heissen...
vitalik 02.07.2012
4. Zurücktretten
Man, so macht das Verbrechen doch Spaß. Da bereichert man sich und wenn alles auffliegt, sucht man einen aus und dieser nimmt die ganze Schuld auf sich und tritt zurück. Konsequenzen? Ach die paar Millionen. Das ist so als würde der Einbrecher als Straffe ein Teil seiner Beute abgeben. Wo bleibt die Straffe für den Schaden, den die Bank an tausenden Kreditnehmern zugeführt hat.
yarx 02.07.2012
5. Na das wird ja auch Zeit,
daß der Spiegel darüber berichtet. Die waren wohl zu sehr mit der EM beschäftigt. Da können ja so unwesentliche Dinge mal vergessen werden.... Es kracht im Gebälk und das nicht nur in GB.
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