Zinsaffäre Barclays-Chef Diamond tritt zurück

Der öffentliche Druck wurde zu groß: Der Chef der britischen Großbank Barclays Bank, Bob Diamond, legt nach dem Finanzskandal sein Amt nieder. Das Geldhaus soll den Interbankenhandel manipuliert haben. Die britische Regierung begrüßte den Schritt.

Ex-Barclays-Chef Diamond (Mitte): Regierung begrüßte den Rücktritt
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Ex-Barclays-Chef Diamond (Mitte): Regierung begrüßte den Rücktritt


London - Erst der Verwaltungsratschef, jetzt der Vorstandschef: Im jüngsten Finanzskandal Großbritanniens hat nun auch Barclays-Chef Bob Diamond seinen Posten aufgegeben. Diamond trete mit sofortiger Wirkung zurück, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Der Bankchef begründete diesen Schritt mit dem "externen Druck" auf Barclays.

Die britische Regierung begrüßte die Entwicklung. Finanzminister George Osborne sagte, dies sei eine richtige Entscheidung für Barclays. Ebenfalls am Dienstag trat mit Jerry del Missier ein weiteres Vorstandsmitglied zurück. Der erst vor kurzem ernannte Top-Manager ist ein enger Gefolgsmann Diamonds. Del Missier war in der fraglichen Zeit neben Diamond für die Investmentbanking-Sparte Barclays Capital verantwortlich.

Der Barclays Bank wird vorgeworfen, in den Jahren 2005 bis 2009 den Interbanken-Zinssatz manipuliert zu haben. Ermittlungsbehörden in Großbritannien und den USA gehen dem Verdacht nach, dass Banker Zinssätze, zu denen sich die Institute untereinander Geld leihen, unerlaubt beeinflusst haben. Der britische Interbanken-Zins Libor und der Euro-Zins Euribor sind für internationale Bankengeschäfte von großer Bedeutung. Indirekt hätte eine Manipulation negativen Einfluss auf Kundenkredite.

Der Skandal zieht nun immer größere Kreise. Barclays hatte schon am Mittwoch vergangener Woche angekündigt, 290 Millionen Pfund zu zahlen, um die Ermittlungen zu beenden. Verwaltungsratschef Marcus Agius hatte seinen Rücktritt am Montag erklärt. Er wollte damit nach eigenen Angaben die Verantwortung für den Skandal übernehmen. Zudem sollte Diamond den Abgeordneten des britischen Unterhauses am Mittwoch Rede und Antwort stehen und erklären, welche Kenntnisse er von den Praktiken im eigenen Hause hatte.

yes/AFP/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
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sikasuu 03.07.2012
1. 290 Millionen Pfund zu zahlen, um die Ermittlungen zu beenden.
Toll. Mit dem Geld "ANDERER" Leute kann man alles regeln? . Ein tolles Rechtssystem, ein toller Rechtsstaat!!!! . Leider nicht nur in GB. Mal sehen ob ich bein nächsten "Raub-, Banküberfall,...." auch mit dem Staatsanwalt handeln kann, gegen einen kleinen Anteil an der Beute nicht in den Knast zu gehen. . Brecht hat RECHT: Was ist ein Einbruch in einen Bank gegen die Gründung einer Bank. . Peanuts! Wie man in Bankerkreisen so schön zu sagen pflegt! . Brummige Gruesse Sikasuu
elwu 03.07.2012
2. Wieso
können sich diese Verbrecher auf der ganzen Welt einfach freikaufen? Bob Diamond gehört hinter Gitter, und ihm der Prozess gemacht. Nicht aber mit 290 oder sonstwieviel Millionen die Sache aus der Welt geschafft.
claudeka 03.07.2012
3. Keine Angst, Rettung naht!
Barclays sind nicht die Einzigen, es laufen Ermittlungen gegen JP Morgan, die Royal Bank of Scotland, Citigroup, HSBC, UBS, Credit Suisse, Société Générale und die Deutsche Bank. (laut ARD) Die üblichen Verdächtigen der Lehman-Krise. Der Vergleich von 290 Pfund ist nur eine Seite der Medaille, hinterher kommen dann noch zahlreiche Prozesse mit Schadensersatzforderungen, das kann insbesondere in den USA sehr teuer werden. Hinterher wird dann wohl manche Bank wieder unterkapitalisiert sein und muss sich nach neuem Kapital umsehen. Aber keine Angst, Rettung naht, zur Not gibt's das Geld direkt von den Steuerzahlern, via ESM, also direkt von den Geschädigten. Es lebe das Casino.
totalmayhem 03.07.2012
4.
Zitat von claudekaBarclays sind nicht die Einzigen, es laufen Ermittlungen gegen JP Morgan, die Royal Bank of Scotland, Citigroup, HSBC, UBS, Credit Suisse, Société Générale und die Deutsche Bank. (laut ARD) Die üblichen Verdächtigen der Lehman-Krise. Der Vergleich von 290 Pfund ist nur eine Seite der Medaille, hinterher kommen dann noch zahlreiche Prozesse mit Schadensersatzforderungen, das kann insbesondere in den USA sehr teuer werden. Hinterher wird dann wohl manche Bank wieder unterkapitalisiert sein und muss sich nach neuem Kapital umsehen. Aber keine Angst, Rettung naht, zur Not gibt's das Geld direkt von den Steuerzahlern, via ESM, also direkt von den Geschädigten. Es lebe das Casino.
Wie wahr, wie wahr. Das Geld liegt doch auf der Strasse, da gibt es demnaechst eine dreiviertel Billion, die bloss eingesammelt werden will. Kriminelle Energie steigt proportional zur Beute. Von Regierungen begruesste Ruecktritte... wie herzallerliebst, Laternenpfaehle sollte man dekorieren mit diesem Gesocks.
Vaya-Con-Idiots 03.07.2012
5. Rechtsfreier Raum?!?
Wie mir scheint, ist nicht, wie gerne kolportiert, das Internet der primäre rechtsfreie Raum, sondern wohl eher die Finanzbrache! Was da alles tagtäglich so ans Licht kommt, lässt einen nur noch sprachlos zurück! Und keiner dieser augenscheinlich Kriminellen wandert hinter Gitter! Langsam reicht's!
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