Jagd auf Whistleblower Barclays-Chef kommt mit Geldstrafe davon

Mit Hilfe der Konzernsicherheit wollte Barclays-Chef Jes Staley den Verfasser eines Beschwerdebriefs aufspüren. Daraufhin nahm die Finanzaufsicht ihn selbst ins Visier. Der Bankchef kommt aber glimpflich davon.

Barclays-Chef Jes Staley
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Barclays-Chef Jes Staley


Der Chef der Barclays Bank kann seinen Job trotz einer Affäre um die Enttarnung eines Whistleblowers behalten. Die britische Finanzaufsicht sieht zwar ein Fehlverhalten von Jes Staley als erwiesen an und will deshalb ein Bußgeld in nicht genannter Höhe gegen ihn verhängen. Gleichzeitig erachtet sie den Manager jedoch als uneingeschränkt geeignet für den Chefposten einer der größten Banken des Landes, wie Barclays mitteilte.

Staley hatte vor zwei Jahren den Verfasser von anonymen Beschwerdebriefen aufspüren wollen und dabei die Konzernsicherheit eingeschaltet. Der Autor der Briefe hatte Vorwürfe gegen einen frisch eingestellten Manager erhoben, die Staley als unfaire persönliche Attacke empfunden hatte. Tippgeber - sogenannte Whistleblower - genießen aber im angelsächsischen Raum einen besonderen Schutz. Zudem hatte sich der Mitarbeiter im Rahmen eines Whistleblower-Programms geäußert, das Informanten eigentlich Anonymität zusichert.

Der Verwaltungsrat von Barclays hatte Staley angesichts seiner Nachforschungen eine Rüge erteilt und eine "sehr deutliche Gehaltskorrektur" angekündigt. Gleichzeitig hatten die Finanzaufsichtsbehörden FCA und PRA eine eigene Untersuchung angekündigt

Die Aufseher stellten nun fest, dass Staley zwar falsch gehandelt habe. Seine Rechtschaffenheit zogen sie jedoch nicht in Zweifel. Auch besitze Staley die nötige Eignung und den nötigen Anstand, um sein Amt weiter auszuüben. Der Barclays Chart zeigen-Verwaltungsrat erklärte daraufhin abermals, absolutes Vertrauen in Staley zu haben und riet den Aktionären, ihn auf der Hauptversammlung am 1. Mai wiederzuwählen. Über die Höhe seiner Gehaltskürzung werde nach dem endgültigen Abschluss der behördlichen Untersuchung entschieden.

mmq/dpa-AFX/Reuters



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