Libor-Affäre: Barclays sagt "sorry" für Zinsskandal

Es ist ein kurzes Statement im Halbjahresbericht, aber es ist überfällig: Die Großbank Barclays entschuldigt sich für die Zinsaffäre. "Wir sind uns bewusst, dass wir unsere Kunden und Aktionäre enttäuscht haben."

Barclays-Sitz in London: Geschäfte laufen besser als gedacht Zur Großansicht
dapd

Barclays-Sitz in London: Geschäfte laufen besser als gedacht

London - Einen ungewöhnlicheren Ort für die Entschuldigung hätte sich Barclays kaum aussuchen können: Auf Seite vier des aktuellen Halbjahresberichts wendet sich das Management der Bank an die Öffentlichkeit. "Wir entschuldigen uns für die Probleme, die in den vergangenen Wochen aufgetreten sind", erklärte Verwaltungsratschef Marcus Agius (siehe PDF-Datei). "Wir sind uns bewusst, dass wir unsere Kunden und Aktionäre enttäuscht haben."

Barclays hatte als erstes Geldhaus Manipulationen des britischen Zinssatzes Libor eingeräumt. Jahrelang hatten Mitarbeiter der Bank und anderer Kreditinstitute den für den Geldhandel der Banken entscheidenden Zinssatz durch zu niedrige Meldungen manipuliert. Barclays musste daher eine Geldstrafe von fast 300 Millionen Pfund zahlen. Zudem musste fast das gesamte Top-Management gehen, darunter Ex-Chef Bob Diamond. Agius hat ebenfalls seinen Rückzug angekündigt, bleibt aber vorerst noch im Amt, bis ein Nachfolger gefunden ist. Die Suche nach Nachfolgern für Diamond und ihn selbst laufe auf Hochtouren, sagte Agius.

Trotz des Skandals läuft das Geschäft der Bank besser als gedacht. Im ersten Halbjahr steigerte die Bank ihren Vorsteuergewinn auf vergleichbarer Basis um 13 Prozent auf 4,2 Milliarden Pfund. Das ist mehr als von Experten erwartet. Zudem lief das Geschäft im Juli besser als im Vorjahr. Wegen der weiter hohen Unsicherheit an den Finanzmärkten und der sich abschwächenden Konjunktur sei aber Vorsicht geboten. "Es bleiben weiter herausfordernde Zeiten für Barclays und die gesamte Industrie", sagte Agius.

yes/Reuters/dpa-AFX

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1. .
frubi 27.07.2012
Zitat von sysopEs ist ein kurzes Statement im Halbjahresbericht, aber es ist überfällig: Die Großbank Barclays entschuldigt sich für die Zinsaffäre. "Wir sind uns bewusst, dass wir unsere Kunden und Aktionäre enttäuscht haben." Barclays entschuldigt sich für Zinsskandal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,846686,00.html)
""Wir sind uns bewusst, dass wir unsere Kunden und Aktionäre enttäuscht haben. Dennoch ist es uns völlig egal, was andere über uns denken. We give a F. We making Money, bit**es. Whoop there it is, whoop there it is." Das schlimme ist, dass sogar die Bafin Chefin in einem Spiegel Interview zu dem Libor Skandal sagte, dass dieses System quasi zum Betrug einladen würde. Ja und? Ein Kiosk, dessen Besitzer gerade den Laden verlässt und dieser somit menschenleer ist, würde auch zum Klauen einladen. Dennoch kriegt man es mit dem Gesetz zu tun, wenn man es macht. Diese Bankster hingegen dürfen all ihre teuflischen Handlungen durchführen, ohne belangt zu werden weil es letztlich keine Gesetze dagegen gibt. Diese Leute haben verdammt viel Glück, dass der normale Bürger prinzipiell gesetzestreu ist und keine Lust auf Anarchie hat. Eigentlich müssen wir diese Gauner durch die Straßen jagen.
2.
Th.Tiger 27.07.2012
Zitat von frubi... Diese Leute haben verdammt viel Glück, dass der normale Bürger prinzipiell gesetzestreu ist und keine Lust auf Anarchie hat. Eigentlich müssen wir diese Gauner durch die Straßen jagen.
Das Problem bei solchen "Umstürzen" wäre wohl, dass ersatzweise die kleine Bankangestellte oder auch nur der Nachbar, mit dem man noch ein Hühnchen zu rupfen hat, durch die Straßen gejagt wird. Unter solchen Vorzeichen hätte ich keine Lust auf Anarchie. Bei einem Sturm auf das Frankfurter Bankenviertel würden Sie nur die Pförtner und Wachmänner erwischen.
3. Ja, wir sind
tiit 27.07.2012
uns bewußt, das wir gelogen und betrogen haben. Aber wir wissen auch, dass uns nicht passieren wird, weil uns die von uns bezahlten und beeinflußten Politiker den Rücken freihalten. Das Top- Management, das zurückgetreten ist, bedankt sich nochmal für die Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe, weil die Arbeitsverträge vor Ablauf der vereinbarten Zeit aufgelöst worden sind. Wir werden weiterhin zocken und lügen und bedanken uns schon im Voraus für die Steuergelder, die uns rübergeschoben werden, weil einige Euro- Länder ihre Kredite nicht zahlen können. Danke,Danke, Danke.
4. Eigene Sphäre
Wunderläufer 27.07.2012
Dieser Skandal beweist einmal mehr, dass die großen Banken in ihrer eigenen Welt leben: während im normalen Leben bei fortwährendem schwerem Betrug Geldstrafe und Knaste fällig sind. kostet das in der Welt der Banken ein wenig Geld und ein zerknirscht wirkendes "Sorry"...
5. Frage
EagleRN 27.07.2012
Ich habe mal eine ernsthafte Frage, falls sich jemand mit rechtlichen Dingen auskennt würde mich eine Antwort sehr freuen. Also, durch die Manipulationen sind doch uns, den Verbrauchern, erhebliche wirtschaftliche Einbußen entstanden, richtig? Ist es dann nicht möglich alle beteiligten Banken aufgrund dessen auf Schadensersatz zu verklagen? Schließlich handelt es sich ja um Betrug und dann müssten die Geldhäuser für den entstandenen Schaden aufkommen, richtig? Falls dies der Fall seien sollte, sollten wir Konsumenten uns nicht überlegen uns zusammenzuschließen und eine Sammelklage gegen die beteiligten Geldinstitute einreichen? Schließlich geht es in der Summe um mehrere Millarden Euro die an Schaden für uns Verbraucher entstanden sind, dafür müssten meines Verständnisses nach doch die Banken gerade stehen. Es ist mir klar dass da wahrscheinlich nichts wirklich herauskommen würde aber es geht hierbei ja nur ums Prinzip. Wenn sich genug Leute finden würden wären auch die Anwalts/Gerichtskosten für die einzelnen sehr gering. Bin der Meinung dass wir uns doch zur wehr setzen un nicht wieder "ich hab im Internet nen Bösen Foreneintrag geschrieben" beschränken sollten. Wir sollten uns mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen, damit die Banken kapieren dass auch wir Rechte haben. Die Politik wird uns nicht helfen, dass ist mir klar. Durch Anzeigen und der Klage auf Schadensersatz könnten wir aber ein Zeichen setzen und der Bankenwelt vor Augen führen dass wir sowas mit uns nicht machen lassen. Dann denkt vielleicht ein Banker zweimal darüber nach, ob er sowas macht oder nicht, schließlich könnte es dann an seinen Geldbeutel gehen. Strafen (ich meine Haftstrafen) haben diese Leute ja von seiten des Staates nicht zu befürchten aber wir könnten an ihre Geldbeutel gehen, dass trifft sie noch viel härter..... :)
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Interbankenmarkt und Libor-Zinssatz
Interbankenmarkt
Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Banken, die kurzfristig Geld übrig haben, verleihen es an Banken mit kurzfristigem Finanzbedarf. Geber- und Nehmerbanken wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen, denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieses Vertrauen ist seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 gestört. Weil deshalb der Interbankenmarkt nicht mehr richtig funktioniert, müssen immer wieder die Notenbanken einspringen und die Geschäftsbanken mit billiger Liquidität versorgen.
Libor-Zinssatz
Der Libor - die London Interbank Offered Rate - wird seit den achtziger Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt. Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten 18 wichtigsten Banken die Zinsen, die sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Aus den Zahlen werden die höchsten und tiefsten Werte gestrichen, um große Manipulationen zu vermeiden. Aus den übrigen Daten wird dann ein Mittelwert gebildet. Das ist der Satz, an dem sich zahlreiche andere Kredite mit variablem Zinssatz orientieren.
Wie kann der Libor manipuliert werden?
Das Problem ist, dass es auf dem Interbankenmarkt im Vergleich zur Preisbildung in der normalen Wirtschaft an Transparenz mangelt. Die Umfrage zur Ermittlung des Libor ist vertraulich. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen. So könnten die Banken den Satz in ihrem Sinn beeinflussen.
Welches Interesse steht hinter den Manipulationen?
Eigentlich sollte man annehmen, dass die Banken vor allem ein Interesse an höheren Zinsen hätten. Wenn sie höhere Sätze nach London melden, als sie sich untereinander tatsächlich abverlangen, würden sie auch für die Kredite an Privatleute und Firmen mehr Zinsen bekommen. Tatsächlich aber ging es wohl in die andere Richtung: Hintergrund ist das gewaltige Volumen von Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden. Niedrige Libor-Sätze können dabei jenen Händlern zu Gewinnen verhelfen, die mit Hilfe entsprechender Derivate auf niedrige Zinsen gewettet haben.
Weiß man, wie viel Geld die Zinsmanipulationen eingebracht haben?
Nein. Schätzungen zufolge hängen vom Libor Finanzprodukte im Volumen von 350 Billionen Dollar ab. Selbst Manipulationen im Mini-Promille-Bereich haben also gewaltige Auswirkungen.
Wie unterscheidet sich der Euribor vom Libor?
Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der Euribor - Euro Interbank Offered Rate - für den Euro. Er wurde im Jahr 1999 mit der Einführung des Euro ins Leben gerufen. 43 Kreditinstitute melden dabei ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs - ähnlich dem Libor - berechnet wird. Die im Vergleich zum Libor höhere Zahl der beteiligten Banken soll die Betrugsgefahr senken. Doch seit dem vergangenen Jahr ermittelt auch die EU-Kommission wegen möglicher Manipulationen beim Euribor.