Ex-Barclays-Manager packt aus Diamond soll Zins-Manipulation angeordnet haben

In der Affäre um manipulierte Libor-Zinsen hat ein ehemaliger Mitarbeiter der britischen Bank Barclays den zurückgetretenen Chef Bob Diamond schwer belastet. Die Trickserei hatte offenbar System - die Anweisungen dazu kamen von ganz oben.

Zurückgetretener Bankchef Diamond: Er sieht sich unschuldig
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Zurückgetretener Bankchef Diamond: Er sieht sich unschuldig


London - Es war offenbar mehr als das Werk einzelner Händler: Die Zinssätze, die Barclays an den britischen Bankenverband meldete, sind nach Angaben des ehemaligen Managers Jerry del Missier systematisch gefälscht worden. Er selbst habe Mitarbeiter zur Nennung von Zinssätzen angewiesen, die unter dem tatsächlichen Wert lagen, sagte Missier vor einem Ausschuss des britischen Parlaments.

Besonders pikant: Der Manager will dabei auf Anweisung des damaligen Barclays-Chefs Bob Diamond gehandelt haben. Diamond und Missier waren Anfang Juli wegen des Skandals zurückgetreten. Diamond hat aber erklärt, er habe keine Anweisungen zur Übermittlung falscher Zinssätze gegeben.

Missier zog mit seiner Aussage auch die britische Notenbank tiefer in den Skandal hinein. Er erklärte, sein Ex-Chef Diamond habe ihm gesagt, die Notenbank und die britische Regierung seien besorgt über die relativ hohen Zinskosten, die Barclays melde, und sie wollten, dass die Bank reduzierte Zinssätze übermittle.

Zuvor hatte bereits Diamond selbst angedeutet, die Bank of England könnte die Manipulationen geduldet haben, um Verwerfungen an den Finanzmärkten zu vermeiden. Laut Dokumenten der US-Notenbank Fed haben die amerikanischen Aufseher ihre britischen Kollegen bereits 2008 vor Manipulationen beim Libor gewarnt.

Weltweit laufen in der Sache Ermittlungen gegen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank. Den Instituten wird vorgeworfen, von 2005 bis 2011 den Zinssatz Libor mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen.

Als erstes Haus hatte Barclays kürzlich ein Fehlverhalten eingeräumt und sich mit Behörden in den USA und Großbritannien auf eine Geldbuße von 450 Millionen Dollar geeinigt. Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Großbanken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

Die beschuldigten Banken versuchen, die möglichen Strafe durch Zusammenarbeit mit den Behörden zu mildern. So hat die Deutsche Bank nach SPIEGEL-Informationen schon 2011 bei der EU-Kommission sowie in der Schweiz eine Kronzeugenregelung beantragt und kürzlich erlangt. In den USA und Großbritannien, wo ebenfalls ermittelt wird, sicherten sich dagegen andere Banken den Kronzeugenstatus.

stk/Reuters

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mischpot 17.07.2012
1. Ackermann & Co.
gehören in den Knast wie Madoff der bekam für sein Schneeballsystem 150 Jahre was ist der Libor Zins anderes. Die Investoren wurden geschädigt und der Kleine Deutsche der jetzt auch noch diese Banken retten soll. Verkehrte Welt. Ackermann & Co. gehören in den Knast und das für lange Zeit.
pewehh 17.07.2012
2. Verniedlicht
Zins-Manipulation - das klingt irgendwie harmlos, fast niedlich. Die Zinsen steigen und fallen dauernd, was schadet da schon ein bisschen Manipulation bei den Werten hinterm Komma? Tatsächlich ist diese Manipulation krimineller als die Mafia und sollte so bezeichnet werden: Kapital-Verbrechen. Hier passt der Begriff mal zu 100 Prozent!
farinet 17.07.2012
3. Markt*GESETZE*!!!
Diese ganze Geschichte reicht aus, um das Gerede von den "ehernen Markt*GESETZEN*, an denen niemand vorbei könne (H. W. Sinn, z. B.) als das zu entlarven, was sie sind: Waffen im Kampf der Finanzwelt (un d derer, die von ihr profitieren) gegen den Rest der Gesellschaft. Wer immer noch nicht begriffen hat, wie Recht B. Brecht mit seinem Diktum über die Gründung einer Bank hatte, dem ist nicht zu helfen.
hubertrudnick1 17.07.2012
4. Finazkapital
Zitat von sysopAPIn der Affäre um manipulierte Libor-Zinsen hat ein ehemaliger Mitarbeiter der britischen Bank Barclays den zurückgetretenen Chef Bob Diamond schwer belastet. Die Trickserei hatte offenbar System - die Anweisungen dazu kamen von ganz oben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,844761,00.html
Das ist nicht die Tat eines Einzelnen, es ist geboren durch die Allmacht des Finanzkapitals und es scheint so als könnte es keiner mehr kontrollieren. Aber das haben Philosophen und Ökonomen schon vor weit 150 Jahren beschrieben dass es soweit kommen wird. Keiner wollte sich damit wirklich auseinandersetzen und haben das nur als Spinnereien abgetan. Wir können uns doch umschauen wo wir wollen, in allen Teilen der Welt hat fast ausschließlich nur noch das Finanzkapital das Sagen und sie entscheiden wie die Welt vorangeht. Dabei stürzen sie alles in der Ruin, nur wenn sie einen schellen €uro/Dollar dabei gewinnen können. Manipulationen und spekulieren ist das was sie als einzigstes können, das schafft zwar keine Wertschöpfung, dafür aber viel Leid und Elend. Es ist nicht nur eine Bank dabei vertreten, auch viele andere machen dabei gerne mit, denn sie alle haben keinen Verstand und von einem Gewissen kann man erst gar nicht sprechen. HR
harald1234 17.07.2012
5. Märchen
gibt es tatsächlich jemanden, der glaubt, dass Manipulationen an so einem bedeutendem Instrument auf die Idee von irgendwelchen Angestellten aus dem mittleren Führungsmanagement stammen? Dass diese das umsetzen "dürfen" ist klar; aber die ANweisung kommt von woanders. Darüber wird man wohl auch selten oder nie etwas schriftliches finden (außer da war tatsächlich mal jemand ungeschickt; was bei diesen Eliten aber leider sehr selten vorkommt)
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