Wirtschaft


Trotz Zinsskandal: Ex-Barclays-Chef erhält goldenen Handschlag

Er musste zurücktreten, weil seine Bank jahrelang Zinsen manipuliert haben soll. Trotzdem erhält der ehemalige Barclays-Chef Bob Diamond nun eine Abfindung von zwei Millionen Pfund. Im Gegenzug soll er auf garantierte Bonusleistungen von bis zu 20 Millionen Pfund verzichten.

Ex-Barclays-Chef Bob Diamond: Er war einer der bestbezahlten Banker der WeltZur Großansicht
REUTERS

Ex-Barclays-Chef Bob Diamond: Er war einer der bestbezahlten Banker der Welt

London - Bob Diamond sieht sich als Opfer des öffentlichen Drucks - vielleicht nimmt der geschasste Barclays-Chef auch deshalb noch eine satte Abfindung mit. Zwei Millionen Pfund soll der ehemalige Top-Manager erhalten. Er war in der vergangenen Woche wegen eines Skandals um Zinsmanipulationen zurückgetreten.

Mitarbeiter von Barclays hatten in den Jahren 2005 bis 2009 den für den Geldhandel der Banken entscheidenden Libor-Satz mit zu niedrigen Zinsmeldungen manipuliert. An den Manipulationen sollen auch andere Banken beteiligt gewesen sein. Unter anderem laufen Untersuchungen bei der Deutschen Bank, gegen die in den USA bereits mehrere Klagen von Anlegern eingereicht wurden.

Die Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien hatten Barclays als erste Bank unter die Lupe genommen. Die Briten müssen eine Strafzahlung von insgesamt 290 Millionen Pfund leisten.

Neben Diamond hatte auch der Verwaltungsratschef der Bank, Marcus Agius, seinen Rücktritt angekündigt. Er bleibt aber im Amt, bis ein Nachfolger für Diamond gefunden ist. Am Mittwoch musste Agius in London vor einem Parlamentsausschuss aussagen. Dabei bestritt er, an den Manipulationen beteiligt gewesen zu sein.

Agius bestätigte, dass Diamond zwei Millionen Pfund Abfindung erhalte. Dafür muss der ehemalige Bankchef aber Einbußen von bis zu 20 Millionen Pfund bei langfristig garantierten Bonusleistungen hinnehmen. Diamond habe "sich freiwillig dazu entschieden, auf jegliche zurückgestellten Entgelte und Sonderzahlungen, die ihm sonst zugestanden hätten, zu verzichten", sagte Agius.

Diamond war einer der bestbezahlten Bankmanager der Welt, im vergangenen Jahr bekam er trotz schlechter Unternehmenszahlen ein Rekordgehalt von 17,7 Millionen Pfund. Der britische Premierminister David Cameron begrüßte die Entscheidung des Unternehmens, Diamond den Bonus zu streichen. Es zeige, dass das Management die Bedenken der Öffentlichkeit angesichts der schweren Vorwürfe verstanden habe.

stk/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 2 Beiträge
FXTrader 10.07.2012
Da bin ich froh dass ich nicht mehr im Finanzsektor arbeite, sondern privat spekuliere. Selbst ich als Ex-Bankster denke dass es so nicht lange weitergehen wird. Am Anfang des Jahrhunderts wusste noch kein Mensch was wir trieben, [...]
Da bin ich froh dass ich nicht mehr im Finanzsektor arbeite, sondern privat spekuliere. Selbst ich als Ex-Bankster denke dass es so nicht lange weitergehen wird. Am Anfang des Jahrhunderts wusste noch kein Mensch was wir trieben, selbst 2009 sah es so aus als werden wir mit dem gleichem Konzept weitermachen. Aber es kommt zu viel an die Öffentlichkeit...
pacificwanderer 13.07.2012
haben versagt. Dort aber sitzen ua hochkaraetige Politiker. Noch Fragen?
haben versagt. Dort aber sitzen ua hochkaraetige Politiker. Noch Fragen?
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  • Dienstag, 10.07.2012 – 14:47 Uhr
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Interbankenmarkt und Libor-Zinssatz
Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Banken, die kurzfristig Geld übrig haben, verleihen es an Banken mit kurzfristigem Finanzbedarf. Geber- und Nehmerbanken wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen, denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieses Vertrauen ist seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 gestört. Weil deshalb der Interbankenmarkt nicht mehr richtig funktioniert, müssen immer wieder die Notenbanken einspringen und die Geschäftsbanken mit billiger Liquidität versorgen.

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