Krankenkassen Barmer GEK und Deutsche BKK bestätigen Fusionspläne

Nun ist es offiziell: Die zweitgrößte Ersatzkasse und die zweitgrößte Betriebskrankenkasse wollen fusionieren. Anfang 2017 soll aus Deutscher BKK und Barmer GEK die größte gesetzliche Krankenversicherung entstehen.

Hauptverwaltung der Barmer GEK in Wuppertal: Großfusion mit Deutscher BKK geplant
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Hauptverwaltung der Barmer GEK in Wuppertal: Großfusion mit Deutscher BKK geplant


Derzeit haben sie gemeinsam rund 9,6 Millionen Versicherte - nun wollen sich Barmer GEK und Deutsche BKK zur größten gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland zusammenschließen. Die Verwaltungsräte beider Kassen beschlossen jeweils einstimmig einen entsprechenden Zeitplan. Die Barmer GEK hat aktuell rund 8,5 Millionen und die Deutsche BKK rund 1,1 Millionen Versicherte. Die Nummer eins ist noch die Techniker Krankenkasse (TK) mit mehr als 9,4 Millionen Versicherten.

Am Mittwoch waren die Fusionspläne bereits bekannt geworden, an diesem Freitag sind sie durch die Beschlüsse der Verwaltungsräte offiziell geworden. Die Vorstände der beiden Kassen sind nun mit der konkreten Vorbereitung beauftragt. Die Vereinigung soll am 10. November in Berlin von den Selbstverwaltungsorganen beider Kassen beschlossen werden.

Die neue Versicherung könne demnach zum 1. Januar 2017 ihre Arbeit aufnehmen, teilten die Kassen mit. Von der Vereinigung versprechen sich die Kassen demnach Vorteile beim Service für die Versicherten und in der Optimierung der Firmenkundenbetreuung.

Experte erwartet weitere Fusionen

Beide Kassen erheben derzeit einen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent ihres Einkommens von ihren Mitgliedern. Er kommt zu dem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. Insider hatten als Grund für den geplanten Zusammenschluss eine angespannte finanzielle Lage der Deutschen BKK genannt. Vermutlich müsse sie ihren Zusatzbeitrag im nächsten Jahr weit über den Durchschnitt anheben, was eine Abwanderung vieler Versicherter zur Folge haben könnte. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag soll laut offizieller Prognose 2016 von 0,9 auf 1,1 Prozent steigen.

Der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem erwartet, dass sich der Konzentrationsprozess bei den Krankenkassen fortsetzen wird. "Die Politik setzt auf den Preiswettbewerb zwischen den Kassen", erläuterte er. "Der Preisdruck ist sehr groß."

Auch die Barmer GEK rechnet offenbar seit Längerem mit Schwierigkeiten. Bis 2018 sollen 3500 Stellen in dem Unternehmen wegfallen, das ist jede fünfte. Zudem wird die Zahl der Filialen mehr als halbiert. Mit den Reformen sollen 250 bis 300 Millionen Euro eingespart werden.

fdi/dpa



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insgesamt 5 Beiträge
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weltbetrachter 23.10.2015
1. mal wieder die Krankenkassen
Außer Beiträge erhöhen fällt denen doch wohl nicht mehr viel neues ein. Wie wäre es denn mal mit Einsparungen, vor allem in den Verwaltungen. Muß es denn immer ein großer Bürokomplex in den Innenstädten sein ? Info-Center reichen dort doch völlig aus. Und die großen Verwaltungen verlegt man dann eben weit außerhalb gern in kleinere Orte in die Gewerbegebiete. Dort gibt es massenhaft Flächen und günstiger ist es allemal. Die "verwalten" unsere Beiträge und haben keinen Freibrief zum Geld ausgeben wie es ihnen paßt.
#4711 23.10.2015
2. Das ist ja toll
haben die dann 4 oder 5 Hauptsitze? Aber ist ja egal, die Versicherten bezahlen. Und es ist klar, aus 2 Problemen wird ganz bestimmt ein gesundes Unternehmen entstehen.
moneywins 23.10.2015
3. jetzt bitte keine Phrasen
zum Thema Beiträge und die bösen Krankenkassen mit ihren horrenden Verwaltungsausgaben. Gesundheitsdienstleistungen unterliegen Preissteigerungen, wie nahezu alle Konsumgüter. Wer bezahlt es? Natürlich die stetig alternde Bevölkerung! PS: Ein Deutscher geht (statistisch)10 mal im Jahr zum Arzt -ist ja schließlich schon per Beitrag bezahlt- , ein Schwede (gleiche Lebenserwartung ) 3 mal.
vain1972 24.10.2015
4. Fehler im System
@moneywins bitte aber auch bedenken das in Schweden der erste Kontakt meist über den physio läuft! die haben nämlich den direct Access, so wie USA, Dänemark,etc. wir Deutschen Leben aber immer noch das Dogma vom Gott in weiss. Ich als Dipl. physio werde täglich damit konfrontiert, wie wenig Kenntnis Ärzte von Muskulatur und ihrer Funktion haben. in Deutschland wird lieber erstmal operiert.was das an Kosten sind pro Jahr....Wahnsinn. komischerweise müssen viele Pat. Wenn Sie in der physio waren dann doch nicht mehr operiert werden. Da sind man mal ansetzen beim sparen.aber der Arzt kann heute ja auch nur noch durch op s sein Geld verdienen. das ganzeSystem ist zum scheitern verurteilt. unsere Patienten die Selbstzahlerleistungen nutzen werden deutlich schneller fit will die mehr Zeit und bessere Versorgung erhalten.die Kasse zahlt da nichts. Wer die Kohle nicht hat hat Pech gehabt....wirklich traurig. aber der Vorstand und die Manager zahlen sich die dicken Gehälter plus Boni...Da könnte ich koxxxn
albert schulz 24.10.2015
5. Die Revolution frißt ihre Kinder
Alles und jedes wird immer kapitalintensiver und dazu gehört auch Sparen, wo immer es geht. Am einfachsten geht es beim Personal, weil das mit Abstand am teuersten ist. Bislang waren die Versicherungen und Banken auf Rosen gebettet, sie konnten unzählige Seilschaften durchfüttern, ohne sich einen Deut Gedanken über die Kosten machen zu müssen. Tatsächlich hätten sie bereits in den Siebzigern bei der allgemeinen Einführung der Computerabrechnungen Personal abbauen können, und zwar massiv, also die Hälfte über die Jahrzehnte. Die Banken haben das in den letzten Jahren zumindest ansatzweise gemacht, die Versicherungen werden auch nicht darum herumkommen, in den sauren Apfel zu beißen. Es ist übrigens ein altes Gesetz, daß sich Verwaltungen aufplustern, wenn genug Geld da ist. Es wird einfach viel mehr dokumentiert als zuvor. Dazu braucht man mehr Computer und natürlich mehr Personal. Dieser Ehrgeiz Arbeitspatze zu schaffen muß von Zeit zu Zeit beschnitten werden, wenn er ziemlich offenkundig unnötig wird, was die Konkurrenz erzwingt, wenn es eng wird. Und falls sie darf. Selbst Mercedes macht alle zehn Jahre einen kleinen Schnitt, bis zu zehntausend Leute werden dann freigesetzt. Das deutsche KV- System ist so ganz nebenbei nichts anderes als ein Schutzkartell für urdeutsche Gepflogenheiten und Macht. Da kann und darf kein Billiganbieter Ärger machen, aus dem Ausland schon mal gar nicht. Die Banken sind nicht gar so gut geschützt.
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