Wirtschaft


Streit über Kapitalquoten: Bundesbank droht US-Banken mit schärferer Aufsicht in Europa

Die Bundesbank will US-Banken bei den Eigenkapitalregeln keinen Sonderstatus in Europa gewähren. Sollten sich die Institute nicht an die neuen Basel-III-Vorschriften halten, wäre eine strengere Aufsicht denkbar, sagte Bundesbank-Vize Lautenschläger.

Bankenviertel in Frankfurt am Main: Keine Ausnahmen für US-InstituteZur Großansicht
dapd

Bankenviertel in Frankfurt am Main: Keine Ausnahmen für US-Institute

Frankfurt am Main - Die neuen Eigenkapitalregeln für Banken sorgen für Streit zwischen Aufsehern in Europa und den Instituten in den USA. Denn während Banken in Europa künftig mehr hartes Kernkapital vorweisen müssen, wollen die USA an laxeren Regeln festhalten.

Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger drohte nun mit einer schärferen Aufsicht über amerikanische Banken, sollten die USA die neuen Eigenkapitalregeln Basel III nicht umsetzen. "Wenn sie nicht mitmachen, müssten wir prüfen, was wir mit den US-Instituten in der Euro-Zone machen", sagte Lautenschläger am Freitag auf einer Bankenkonferenz. Das könnte auf eine strengere Aufsicht über US-Banken hinauslaufen.

Lautenschläger zufolge müsste geprüft werden, ob nicht die europäischen Ableger der US-Banken, für die derzeit noch Sondergenehmigungen vorlägen, künftig europäisches Recht angewendet werden müsse. Die Bankenaufseher prüften bei allen ausländischen Instituten, ob es in ihren Heimatländern eine vergleichbar gute Aufsicht gibt, sagte die Bundesbank-Vize.

Mit dem Regelwerk Basel III werden Konsequenzen aus der Finanzkrise gezogen - das Finanzsystem soll stabilisiert und es soll verhindert werden, dass der Steuerzahler für klamme Geldhäuser aufkommen muss. Basel III verpflichtet Banken, sieben Prozent ihrer risikogewichteten Aktiva als hartes Kernkapital halten zu müssen.

Experten gehen davon aus, dass es für die großen amerikanischen Institute relativ leicht wäre, Basel III zu erfüllen, weil die meisten von ihnen schon ausreichende Kernkapitalquoten haben. Bisher haben die USA allerdings noch nicht einmal Basel II umgesetzt.

Der Vize-Chef der US-Einlagensicherung FDIC, Thomas Hoenig, hatte gefordert, Basel III nicht einzuführen. "Hoenig vertritt meiner Ansicht nach keine Mehrheitsmeinung", sagte Lautenschläger. "Ich erwarte immer noch, dass die USA Basel III umsetzen."

Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing unterstützt die strenge Linie der europäischen Aufseher. "Wir sollten deutlich machen, dass wir nicht akzeptieren werden, dass Amerika Basel III plötzlich fallen lässt, um seine Banken zu begünstigen", sagte er. "Wenn eine Fluggesellschaft sich nicht an europäische Sicherheitsstandards halten würde, würden wir ihre Flugzeuge nicht landen lassen."

mmq/stk/Reuters

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insgesamt 7 Beiträge
herr_kowalski 23.11.2012
was sie umsetzen oder auch nicht. Notfalls werden wir eben nochmal befreit. Von unserem Geld ist das ja schon erfolgreich geschehen.
Zitat von sysopDie Bundesbank will US-Banken bei den Eigenkapitalregeln keinen Sonderstatus in Europa gewähren. Sollten sich die Institute nicht an die neuen Basel-III-Vorschriften halten, wäre eine strengere Aufsicht denkbar, sagte Bundesbank-Vize Lautenschläger. Basel III: Bundesbank droht US-Banken mit strenger Aufsicht in Europa - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/basel-iii-bundesbank-droht-us-banken-mit-strenger-aufsicht-in-europa-a-868941.html)
was sie umsetzen oder auch nicht. Notfalls werden wir eben nochmal befreit. Von unserem Geld ist das ja schon erfolgreich geschehen.
uezegei 23.11.2012
Warum entzieht man denen nicht die Geschäftslizenz in Europa? Die sind doch umgekehrt auch nicht zimperlich, wenn es ihren Interessen dient. Nur die devoten Europäer kuschen noch vor denen, während die Chinesen denen schon lange [...]
Warum entzieht man denen nicht die Geschäftslizenz in Europa? Die sind doch umgekehrt auch nicht zimperlich, wenn es ihren Interessen dient. Nur die devoten Europäer kuschen noch vor denen, während die Chinesen denen schon lange zeigen, wo der Hammer hängt.
muellerthomas 23.11.2012
Die US-Banken weisen fast durchweg höhere Kernkapitalquoten auf und sind damit stabiler als die Banken der Eurozone.
Die US-Banken weisen fast durchweg höhere Kernkapitalquoten auf und sind damit stabiler als die Banken der Eurozone.
Allezy 23.11.2012
Ich denke um diese geht es hier doch vornehmlich, insbesondere da die Bilanzsummen der US Institute idR durch andere Rechnungslegungsvorschriften und die Anwendung von Aufrechnungsverfahren (Netting) wesentlich kleiner sind als [...]
Ich denke um diese geht es hier doch vornehmlich, insbesondere da die Bilanzsummen der US Institute idR durch andere Rechnungslegungsvorschriften und die Anwendung von Aufrechnungsverfahren (Netting) wesentlich kleiner sind als sie es nach europaeischer Rechnungslegung waeren. Auch in den USA gibt Bestrebungen Basel3 nicht nur anzuwenden sondern sogar zu verschaerfen, wobei diese insbesondere was die- dort eh existente aber die Finazkrise auch nicht verhindernde- leverage ratio angeht teils sehr unrealistisch sind.
dunnhaupt 23.11.2012
Die US-Banken werden sich hüten, irgendwelches Geld in Europa zu investieren. Abgesehen von der Morgan-Bank, die lediglich in Frankreich größere Investitionen hat, sind die zwölftausend US-Banken fast gar nicht von der [...]
Die US-Banken werden sich hüten, irgendwelches Geld in Europa zu investieren. Abgesehen von der Morgan-Bank, die lediglich in Frankreich größere Investitionen hat, sind die zwölftausend US-Banken fast gar nicht von der bekanntlich rein Euro-internen Krise betroffen.
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  • Freitag, 23.11.2012 – 14:06 Uhr
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Stichwort: Baseler Ausschuss

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht wurde 1974 von den G-10-Ländern gegründet. In ihm sitzen nicht Politiker, sondern Mitglieder der Notenbanken sowie Bankenaufseher. Mittlerweile ist das Gremium stark gewachsen - Vertreter aus 27 Ländern sitzen darin. Das Ziel der Gruppe: Die Vereinheitlichung der Aufsichtsregeln für die Finanzbranche. Bekannt ist der Ausschuss, der alle drei Monate zusammenkommt, vor allem durch die Eigenkapital-Richtlinien Basel I und II.


Stichwort Basel II/Basel III
Die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht Ende Juni 2004 verabschiedete Eigenkapitalvereinbarung sollte die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Finanzsystems stärken. Wichtige Teilnehmer der sogenannten Basel-II-Runde wie die USA haben die Regeln allerdings noch immer nicht umgesetzt. Präsident Barack Obama hat aber die Einführung bis 2011 versprochen. In Deutschland und anderen europäischen Ländern gelten sie seit 2007. Im Kern geht es bei Basel II darum, dass sich die Summe eigener Mittel, die Banken zur Abfederung ausgefallener Kredite vorhalten müssen, stärker an der Zahlungskraft vor allem ihrer Unternehmenskunden orientiert. Derzeit wird allerdings schon an Basel III gebastelt. Mit dem neuen Regelwerk, das ab 2012 in Kraft treten soll, sollen die Lehren aus der Finanzkrise gezogen werden.
Stichwort: Eigenkapital
Der Begriff "Tier 1" ist die englische Bezeichnung für Kernkapital. Bei Aktiengesellschaften besteht es im Wesentlichen aus Aktien, Rücklagen und stillen Einlagen. Die Kernkapitalquote berechnet sich, indem man das Kernkapital der Bank durch die Summe der Risikoposten (etwa Kredite und Wertpapiere) teilt. Die Ziffer zeigt, inwieweit die Risikopositionen durch eigene Mittel gedeckt sind, sprich wie dick der Risikopuffer der Bank ist. Tier 1 gilt darum als magische Zahl, um die Stabilität und Stärke einer Bank zu beurteilen. Je höher die Quote, desto gesünder die Bank. Nach internationalen Bilanzvorschriften muss die Kernkapitalquote mindestens vier Prozent betragen. Sieben Prozent gelten allerdings gemeinhin als Richtwert für eine gesunde Bankbilanz.







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